Osnabrück "Ehrenmord"-Prozess: Verwandte verweigern Aussage

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Nur der Sohn des angeklagten Vaters der Toten war damit einverstanden, dass das Tonbandprotokoll seiner Vernehmung vorgespielt wurde.

Osnabrück. Bei dem Prozess um den Mord an einer jungen Kurdin am Landgericht Osnabrück haben am Donnerstag die meisten geladenen Zeugen aus dem Verwandtenkreis die Aussage verweigert. Die Ausnahme war der 44 Jahre alte Sohn des angeklagten 70 Jahre alten Vaters des Opfers. Er sei damit einverstanden, dass Tonbandprotokolle seiner Vernehmung vorgespielt würden, sagte er. Das wird aber erst zu einem späteren Zeitpunkt geschehen. Laut Anklage wurde die 22-Jährige im Mai im emsländischen Dörpen von ihrem Mann in Absprache mit ihrem Vater umgebracht. Motiv soll verletzte Familienehre sein, weil die Frau eine Beziehung zu einem anderen verheirateten Mann hatte. Insgesamt hatte das Landgericht zu der Verhandlung am Donnerstag 14 Verwandte geladen, darunter die Mutter und acht Geschwister. Auch die Mutter machte von ihrem Recht auf Aussageverweigerung Gebrauch. Sie ist allerdings auch Nebenklägerin. Daraufhin stellte die Staatsanwältin die Frage, ob sie wirklich eine Verurteilung der Angeklagten anstrebe oder nicht eher deren Freispruch. Auch gegen die Mutter wie gegen zahlreiche andere Verwandte laufen Ermittlungsverfahren.

Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft ist das 22-jährige Opfer aus der streng religiösen und konservativen sunnitischen Familie ausgebrochen und hat damit die Familienehre befleckt. Nach Ansicht der Anwälte des Vaters des Opfers ist der Vorwurf, es handele sich um einen "Ehrenmord", jedoch konstruiert. Das sagte einer der Rechtsanwälte am Rande der Verhandlung.