14.11.12

Osnabrück

"Ehrenmord"-Prozess: Vater und Ehemann schweigen

Der angeklagte Ehemann und der Vater des Opfers haben zu den Vorwürfen geschwiegen, die 22-jährige Kurdin erwürgt zu haben.

Foto: dpa
Prozess um sogenannten Ehrenmord
Der angeklagte Ehemann hat laut Staatsanwaltschaft gemeinsam mit seinem Schwiegervater dessen 22-jährige Tochter erwürgt. Zu den Vorwürfen schwieg er genau wie der Vater des Opfers

Osnabrück. In einem Prozess um einen sogenannten Ehrenmord an einer 22-jährigen Kurdin haben am Mittwoch zum Auftakt der angeklagte Ehemann und der Vater des Opfers vor dem Landgericht Osnabrück zu den Vorwürfen geschwiegen. Das Verfahren begann unter großen Sicherheitsvorkehrungen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 29 Jahre alten Ehemann vor, seine Frau im Mai im emsländischen Dörpen erwürgt zu haben. Sein 70 Jahre alter Schwiegervater, der gleichzeitig sein Onkel ist, habe sich zur "Abwicklung und Kontrolle der Tat" ebenfalls am Tatort befunden, sagte die Staatsanwältin.

Laut Anklagebehörde ist die verletzte Familienehre das Motiv für die Tat. Das Opfer stamme aus einer tief konservativen sunnitischen Familie und habe nicht akzeptieren können, dass die junge Frau türkischer Nationalität eine Beziehung zu einem verheirateten Mann alevitischer Glaubensrichtung eingegangen sei. "Die Frau hat sich wiederholt widersetzt, sich wieder in die Familie einzugliedern", sagte die Staatsanwältin.

Das Ehepaar hatte in der Türkei geheiratet, die Frau aber in Deutschland gelebt. Der Mann war laut Staatsanwaltschaft einige Monate vor der Tat illegal nach Deutschland eingereist, um seine Frau zur Rückkehr in die Familie zu bewegen. Beide haben einen dreijährigen Sohn. Das Sorgerecht liegt derzeit beim Landkreis Emsland. Der Junge lebt aber im Augenblick in der Obhut der Mutter des Opfers.

Ein Polizeibeamter berichtete zum Auftakt, der Angeklagte habe in der ersten Vernehmung geschildert, dass er während eines Streits seiner Frau Ohrfeigen verpasst habe und sie auch gewürgt habe. Sie sei davon auch benommen gewesen. Als er das Zimmer verlassen hatte, habe sie aber noch gelebt.

Anwälte der beiden Angeklagten beschwerten sich zu Beginn über die hohen Sicherheitsvorkehrungen im Landgericht. Die Staatsanwältin erwiderte, in abgehörten Gesprächen seien Drohungen gegen Polizei und Justizmitarbeiter gefallen.

Die beiden Angeklagten verweigerten die Aussage. Die Anwälte des 29-Jährigen beantragten zunächst den Ausschluss der Öffentlichkeit. Diesen Antrag lehnte das Gericht zunächst ab. Es solle aber neu entschieden werden, wenn ethnische und psychologische Gutachten vorgetragen werden sollen. Die Entscheidung über einen weiteren Antrag, die polizeilichen Vernehmungsprotokolle nicht zuzulassen, stellte das Gericht zunächst zurück.

Prozesse um sogenannte "Ehrenmorde" in Deutschland

Immer wieder hat sich in den vergangenen Jahren die deutsche Justiz mit Bluttaten beschäftigen müssen, in denen die aus Tätersicht befleckte Familienehre Motiv war.

Im Juli hatte das Landgericht Hildesheim einen 38-jährigen betrogenen Ehemann wegen tödlicher Schüsse auf einen Nebenbuhler zu lebenslanger Haft verurteilt. Der Deutsch-Libanese hatte nach Ansicht des Gerichts die Tat begangen, um die verletzte Familienehre wiederherzustellen.

Im Mai verurteilte das Detmolder Landgericht einen Kurden zu lebenslanger Haft, weil er seine Schwester ermordet hatte. Auch weitere Geschwister wurden verurteilt. Die 18-Jährige hatte eine Beziehung zu einem Deutschen.

Einer im vergangenen Jahr vom Max-Planck-Institut vorgelegten Studie zufolge werden sogenannte Ehrenmorde in Deutschland vor allem von bildungsfernen und niedrig qualifizierten Migranten begangen.

Die Täter seien meist schlecht integriert, heißt es in der im Auftrag des Bundeskriminalamts erstellten Untersuchung.

Experten schätzen, dass es pro Jahr rund zwölf Ehrenmorde gibt. Insgesamt gibt es 700 Opfer von Tötungsdelikten pro Jahr.

dpa
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