26.11.12

Untersuchung in Rostock

Feinstaub in Schiffsabgasen gefährlicher als gedacht

Lungenzellen werden durch die Abgase offenbar erheblich geschädigt. Erste Untersuchungen zeigen ein unerwartet hohes Gesundheitsrisiko.

Foto: pa/dpa/dpa-ZB
Strengere Schwefelgrenzwerte für Schiffstreibstoffe
Abgase von Schiffsmotoren schaden der Gesundheit offenbar mehr als angenommen (Symbolbild)

Rostock. Bei der Untersuchung der Abgase von Schiffsmotoren sind Forscher am Virtuellen Helmholtz Institut in Rostock zu beunruhigenden Ergebnissen gekommen: Die hohe Feinstaubkonzentration stellt offenbar ein größeres Gesundheitsrisiko dar als bislang vermutet.

Dies hätten erste Messreihen gezeigt, berichtete Ralf Zimmermann, Leiter des Instituts und des Lehrstuhls für Analytische Chemie der Universität Rostock, am Montag.

Für die Versuche wurden die Abgase von Schiffsmotoren und als Gegenprobe aus der Holzverbrennung über Kulturen mit Lungenzellen geleitet. "Wir sehen, dass die Zellschädigungen bei den Abgasen aus dem Schiffsmotor deutlich ausgeprägter sind als bei der Holzverbrennung", sagte Zimmermann. Mit ersten konkreten Ergebnissen sei im kommenden Jahr zu rechnen.

Das Virtuelle Helmholtz Institut ist ein Zusammenschluss von Forschern der Universität Rostock und des Helmholtz-Zentrums in München, das im Frühjahr gegründet wurde.

Ziel ist es, neben der chemischen Zusammensetzung der Feinstäube aus Auto- und Schiffsmotoren sowie aus der Holzverbrennung auch die Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit zu untersuchen. Es gebe internationale Untersuchungen, wonach Feinstäube für einen Lebenszeitverlust von 12 bis 24 Monaten verantwortlich sein können, sagte Zimmermann. Es gelte nun, die biochemischen Grundlagen der beobachteten Schädigungen in den Lungenzellen herauszufinden.

Als eine der Hauptursachen der Feinstaub-Emission gerade in Norddeutschland gelte die Verbrennung von Schweröl in Schiffsmotoren, sagte Zimmermann. Inzwischen gebe es bei diesem billigen Öl zwar eine gesetzliche Schwefel-Begrenzung, aber nicht bei Schwermetallen und Ruß. Darum gehe es nun beim HICE-Projekt. Zudem werde nach weiteren, bislang unbekannten Schadstoffklassen gesucht. Bislang sei nur ein kleiner Teil der Schadstoffe erforscht.

Zimmermann bedauerte, dass die Bereitschaft zur Zusammenarbeit bei den Motorenherstellern sehr gering ist, solange es um die Untersuchung von gesetzlich nicht begrenzten Schadstoffen geht. "Das Problem ist, dass man immer nur auf die Parameter schaut, die gesetzlich vorgeschrieben sind." Hier sei die Politik gefragt.

Dabei gebe es nach Zimmermanns Ansicht keine singuläre Lösung. Es sei generell problematisch, mit Schweröl zu fahren. Für die Eigner fallen indes die hohen Kosten für Alternativtreibstoffe und die harte Konkurrenz in der internationalen Schifffahrt ins Gewicht. Auch auf Motorenseite gebe es noch Entwicklungsmöglichkeiten, unter anderem bei der Filtertechnik.

dpa/abendblatt.de
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