14.12.12

Dekoration

Pflanzen, für die man keinen grünen Daumen braucht

Sogenannte stabilisierte Pflanzen halten ebenso lange wie Blütenträume aus Seide - meist mehrere Jahre. Manches davon ist Kunst an der Wand.

Von Chan Sidki-Lundius
Foto: Dauerflora
Statt eines Bildes: stabilisiertes Elefan- tengras und Muscheln
Statt eines Bildes: stabilisiertes Elefan- tengras und Muscheln

Ohne Grünpflanzen oder Blumen wirken viele Räume häufig eher uninspiriert, sehr kühl und unpersönlich. Doch nicht immer lässt sich frisches Grün einbringen. Gerade in den Winterwochen rund um das bevorstehende Weihnachtsfest sind frische, verführerisch duftende Blumen bei den hiesigen Floristen nicht nur Mangelware, sondern oftmals auch sehr teuer in der Anschaffung.

Eine Alternative zu frischem Grün sind stabilisierte Pflanzen. Dabei handelt es sich zumeist um Schnittblumen wie Rosen oder Calla, aber auch um Hortensien, Palmen, Koniferen oder hübsche Ziergräser, die in der freien Natur gewachsen sind und anschließend in einem aufwendigen Präparationsverfahren für mehrere Jahre haltbar gemacht werden. Die Stabilisierung erfolgt in speziellen Werken unter besonderen klimatischen Bedingungen.

"Die Pflanzen stammen zum größten Teil aus Südafrika und Südamerika. Unmittelbar nach dem Schnitt sorgt man dafür, dass sie sich mit einer Stabilisierungsflüssigkeit auf Glycerin-Basis vollsaugen. Das bewirkt, dass der Trocknungsprozess, der normalerweise bei abgeschnittenen Pflanzen relativ schnell eintritt, über Jahre hinweg hinausgezögert wird", erläutert Barbara Bressem, geschäftsführende Gesellschafterin des weltweit tätigen Unternehmens Dauerflora International mit Sitz in Hamburg. Hier werden die stabilisierten Pflanzen, die nichts von ihrer natürlichen Schönheit, ihrem seidenzarten Glanz und ihrer kräftigen Farbe eingebüßt haben, zu kunstvollen Wand- oder Tischdekorationen verarbeitet. Wer möchte, kann sich beispielsweise statt Bilder oder Grafiken auch runde Moosfelder für die Wand mit einem Durchmesser von bis zu 150 Zentimeter anfertigen lassen. Das ist in großen Räumen ein echter Hingucker.

"Ein Vorteil dieser Pflanzen ist, dass sie kein Licht, kein Wasser und keine herkömmliche Pflege benötigen. Daher können sie auch an ungünstigen Plätzen oder in dunklen Ecken im Innenbereich eingesetzt werden, wo echte Pflanzen ansonsten keine Chance auf ein Überleben haben", sagt Barbara Bressem. Zu ihren Kunden gehören Einzelhandelsgeschäfte, Einkaufszentren und Hotels, aber auch zahlreiche Reedereien, die auf ihren Kreuzfahrtschiffen mit den Blumenkunstwerken aus der Hansestadt optische Akzente setzen wollen.

Arrangements sollten warm und trocken stehen, nicht im Außenbereich

Auch Birgit Homann-Rudeloff, Inhaberin eines Blumenladens am Billwerder Billdeich, arbeitet mit stabilisierten Blumen. "Sie lassen sich genauso gut zu schönen Arrangements, Sträußen, Gestecken oder Wandkränzen verarbeiten wie frische Blumen. Gerade jetzt in der Weihnachtszeit, wenn die Menschen ihre Räume gern abwechslungsreich dekorieren, bieten sich viele Möglichkeiten an", sagt die erfahrene Floristin. Allerdings müssten die stabilisierten Pflanzen unbedingt warm und trocken stehen: "Für Räume mit hoher Luftfeuchtigkeit und für den Außenbereich sind sie nicht geeignet."

Ein weiterer Vorteil dieser Pflanzen ist ihre lange Lebensdauer. Sie liegt zwischen drei und acht Jahren, je nachdem, wie die Blumen auf den Stabilisierungsprozess reagieren. Darüber hinaus benötigen die vergleichsweise zeitlosen Pflanzen keine besondere Pflege. Ein kleiner, weicher Pinsel reicht aus, um lästigen Staub zu entfernen. Im Gegenzug muss man etwas tiefer in die Tasche greifen als für Echtpflanzen: Eine stabilisierte Rose kostet beispielsweise etwa 20 Euro.

Wer möchte, kann die Pflanzenkonservierung mit Glycerin durchaus auch selbst einmal probieren. Keine Sorge: Glycerin ist ungiftig, das Verfahren damit völlig ungefährlich. Die haltbaren Schmuckstücke können später sogar kompostiert werden, wie Barbara Bressem bestätigt. Selbst dort, wo farblich nachgeholfen worden sei, müsse es keine Bedenken geben: Zur Anwendung komme nur Lebensmittelfarbe.

Wer es also selbst einmal probieren möchte, der kann der Anleitung von Klaus Beyer folgen, der in seinem Artikel "Keine Rose blüht das ganze Jahr" auf der Webseite von Dekorieren@suite101 (www.suite101.de) beschreibt, wie man am besten vorgeht.

Eine weitere Alternative zu frischen Blumen sind Seidenblumen und Kunstpflanzen. "Die heute erhältlichen Produkte haben nichts mit billigen Plastikblumen gemeinsam. Sie sind nicht nur lichtecht und witterungsbeständig, sondern halten normalerweise bis zu 15 Jahre", sagt Renate Bode. Sie handelt seit 36 Jahren mit Seidenblumen, Kunstpflanzen und Textilbäumen, die sie überwiegend aus China bezieht. Rund 1000 verschiedene Modelle für den Innen- und Außenbereich stehen zur Auswahl: vom Kaktus über Hortensienzweige und Früchte, die wie zum Anbeißen aussehen, bis hin zu kugeligen Olivenbäumen und Orchideen.

Zu den Kunden der gebürtigen Hamburgerin zählen Einrichter, Hotels und Restaurants ebenso wie Blumenhändler, Friseure und Privatpersonen aus der ganzen Welt. Für sie zaubert Renate Bode mit ihrem Team in ihrer Werkstatt in Ammersbek - dort befindet sich auch ihre Ausstellung - individuell auf die Kundenwünsche abgestimmte Gestecke, Sträuße und andere Blumenarrangements. Jetzt in der Weihnachtszeit hat sie besonders viel zu tun. Sehr beliebt bei Kunden seien vor allem Amaryllis, Christrosen, Weihnachtssterne und Kiefern in vielen verschiedenen Facetten, hergestellt in den klassischen Weihnachtsfarben Rot, Gold sowie Grün. Daneben würden auch Arrangements in Crème und Silber sehr gefragt sein. "Wichtig ist Kunden, dass die Sträuße, Gestecke oder Kränze täuschend echt aussehen und dass sie perfekt ins persönliche Umfeld passen", sagt Renate Bode.

Verblüffend echt sieht der Adventskranz mit Beeren und Tannenzapfen aus

In ihrer kleinen, gemütlich im Landhausstil eingerichteten Wohnung in Wohldorf-Ohlstedt sind viele solcher Arrangements zu finden. Auf dem Esstisch im offen gestalteten Wohn- und Essbereich steht ein üppiger Adventskranz mit Äpfeln, verschiedenen Beerenfrüchten, Tannenzapfen, Efeu-, Ilex-, Buchsbaum-, Kiefer- und Eukalyptuszweigen. In der Mitte brennt eine dicke rote Kerze. Verblüffend echt sieht das Prachtstück aus, dabei hat Renate Bode den imposanten Adventskranz komplett aus Kunstpflanzen gesteckt. Ihr gefällt auch das Spiel mit Gegensätzen. "In einem puristischen Wohnumfeld machen sich punktuell verteilte, bunte Sträuße in auffälligen Vasen oder Amphoren gut. Sie sollten allerdings nicht zu klein, sondern schön opulent gestaltet sein."

Am besten, man mixt solche Arrangements im seinem persönlichen Umfeld mit frischem Grün oder Blumensträußen. Eine Flasche Glyzerin kann ja für alle Fälle in Griffnähe stehen.

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