26.10.12

Eppendorf

Eine Sammlerin, die manches auch abgeben kann

Englische und französische Antiquitäten und Accessoires zieren die kleine Wohnung von Barbara Becker. Vieles davon ist zu verkaufen.

Von Conrad Bauer-Schlichtegroll
Foto: HA / A.Laible
Wohnung Barbara Becker
Bunt gemischt und doch eine farbliche Einheit – im Vordergrund dient ein antiker Pergamentkoffer als Raumteiler und bietet auch noch Stauraum

Ihr Geschäft war viele Jahre über die Grenzen Hamburgs hinaus bekannt. 1985 eröffnete Barbara Becker ihren kleinen Laden "Palazzo" in der Passage der Alten Post in der Hamburger Innenstadt. Eine Institution für Liebhaber von antikem, englischem Reisegepäck und kleinen, dekorativen Wohnaccessoires. Manche der Utensilien zieren heute noch ihre Wohnung im Hamburger Stadtteil Eppendorf, die sie Ende der 70er-Jahre mit ihren beiden Söhnen bezog. "Man kann sich gut vorstellen, dass es damals mit drei Personen in dieser nur 85 Quadratmeter großen Wohnung anders aussah. Aber heute wohne ich hier allein und kann meinen Wohnstil leben", sagt Barbara Becker. Sie liebt die kompakte Größe der Wohnung, die kurzen Wege und natürlich ihren kleinen Balkon, der durch die beiden Korbsessel, die rankenden Pflanzen, die Olivenbäumchen und den Lavendel eine leicht französische Anmutung hat.

Ihren Einrichtungsstil bezeichnet sie selbst als ein "wildes Durcheinander", denn sie kaufe alles, was ihr gefalle. Dabei schafft sie es, ein schlichtes weißes Regal von Ikea mit einem Mahagonischrank oder einem Halbmondtisch im gustavianischen Stil und anderen Accessoires geschickt zu kombinieren. "Manche meiner Möbel stehen hier auch gar nicht so lange, denn mein Herz hängt nicht dauerhaft an jedem Stück", sagt Becker und berichtet weiter, dass sie auch schon mal Einzelteile ihrer Einrichtung mit der Ware in ihrem Geschäft Manoir im Lehmweg austauscht.

"Wenn wir dort mal umdekorieren oder es ist zu voll, bringe ich zusammen mit meinem Geschäftspartner Martin Münch schon mal das eine oder andere Möbel für eine gewisse Zeit hierher in die Wohnung", sagt Becker. Aber sie nehme auch schon mal Kunden mit nach Hause, wenn sie der Meinung ist, dass diese genau das spezielle Stück suchen, welches sie zu Hause stehen habe. Sie liebt den ständigen Wechsel der Einrichtung - nur ganz wenige Stücke in ihrer Wohnung sind unverkäuflich.

Überhaupt kann sie sich gut von Dingen trennen. Vielleicht, so überlegt Becker, liege es auch daran, dass sie ja mehrmals im Jahr nach England und Frankreich fahre, um auf den dortigen Antiquitätenmärkten einzukaufen. Speziell England biete immer noch einen großen Fundus, der mit allem Möglichen aus der Kolonialzeit und antiken Reisekoffern aufwarte. "Schließlich sind die Engländer ja dafür bekannt, dass sie nicht viel wegschmeißen", sagt Barbara Becker.

Vielleicht seien es auch die überlieferten Geschichten des Großvaters, eines Vizeadmirals der kaiserlichen Marine, die ihre Liebe zu klassischen Koffern geweckt hätten, "denn diese Stücke haben schon viel von der Welt gesehen". Die Reiseutensilien sind aber nicht nur Accessoires, sondern werden bei ihr zu Hause geschickt in Szene gesetzt, wo sie zudem Stauraum bieten. So dienen zwei weiße Koffer aus den 30er-Jahren im Wohnzimmer als eine Art Raumteiler zwischen dem kleinen Arbeitsbereich und dem gemütlichen Teil des Raumes, und auf einem weiteren Stück hat das kleine TV-Gerät seinen Platz.

Einen schönen Hingucker bilden die beiden rötlichen Malereien des Hamburger Malers Harald Frackmann über dem Sofa. Ein Unikat ist auch der kleine Couchtisch. Er wirkt zunächst wie ein großer Melkschemel. Auffallend ist aber die schöne Maserung seiner massiven Holzplatte. Eine gute Handwerksarbeit von ihrem Sohn, einem Tischlermeister, der ihn in Anlehnung an das Design des berühmten amerikanisch-japanischen Designers George Nakashima gearbeitet hat.

Die Wände ihrer Wohnung präsentieren sich in schlichtem Weiß und bieten einen neutralen Hintergrund zur Vielfalt der Einrichtung. Aber, so berichtet die Hanseatin weiter, sie könne sich auch gut vorstellen, das Esszimmer zum Beispiel in einem kräftigen Rot zu streichen. Ein bisschen wie eine Opiumhöhle dürfte es schon aussehen, denn sie habe eine Affinität zu Nordafrika seit ihrer Kindheit. Sollte sie sich eines Tages entschließen, die Wände streichen zu lassen, so müssten natürlich zunächst die Raufasertapeten ab. "Denn die meisten Farben wirken noch intensiver und tiefer, wenn sie auf einem glatten Untergrund aufgetragen werden", weiß sie.

Außer dem großen Esstisch ist das Zimmer geprägt von einem alten, zweiflügeligen bayerischen Bauernschrank, der schräg in der Ecke steht. "Die gesamte Oberfläche habe ich vor Jahren selbst gefasst, also diverse Farbschichten aufgetragen und zwischen jedem Arbeitsgang weiterbehandelt", erinnert sich Becker. Der Schrank stellt neben den Accessoires - alte Silberleuchter, Porzellan - die einzige größere Farbfläche im Raum dar und harmoniert in seiner gröberen Bauart besonders gut mit dem massiven Esstisch und dem kleinen Konsoltisch vor dem Fenster. Er wird von oben bewacht durch die beiden Widderköpfe, die die Enden der Gardinenstange zieren. Wie im Wohnzimmer liegt auch hier ein grob gewebter Sisal-Teppich. Als Sitzgelegenheit am Esstisch dienen einfache Garten-Klappstühle, auf denen passende, gesteppte Kissen für Bequemlichkeit sorgen. Ihr filigranes Eisengestell fällt kaum auf und harmoniert mit dem alten Holz des Tisches.

Selbst die Küche erscheint wohnlich, und die ländlich wirkende Einrichtung - Konsoltisch, Polsterstuhl, Bilder - harmoniert gut mit den einfachen Fliesen aus der Bauzeit dieses Mietshauses in Eppendorf.

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