Planetarium

Der Sternenhimmel über Hamburg im April

Der Sternenhimmel Anfang April  zeigt sich schon frühlingshaft

Foto: HA

Der Sternenhimmel Anfang April zeigt sich schon frühlingshaft

Jupiter scheint im April am Himmel über Hamburg sogar rückwärts zu laufen. Und am 21./22. des Monats ist beste Sternschnuppenzeit.

Hamburg.  Frühlingshaft ­zeigt sich der Sternenhimmel schon Anfang April. Alle freisichtigen Planeten sind im Laufe einer Nacht zu sehen. Kurz nach ­Sonnenuntergang taucht zunächst der sonnennächste Planet Merkur am Westhorizont auf – ab etwa 20.45 Uhr ist er rund 30 Minuten lang zu sehen. Dies ist seine beste Abendsichtbarkeit des Jahres. Etwa eine Handbreit links über Merkur steht Planet Mars, der am 12. April vom Sternbild Widder in den Stier wechselt. Der Mars hält sich tapfer und geht erst nach 23 Uhr unter, während Merkur in der zweiten Aprilwoche im Glanz der Sonne verschwindet.

Am 11. April ist Vollmond, am folgenden Sonntag Ostern

Im Südwesten funkelt am Ende der Abenddämmerung zwar noch Sirius, der zu den winterlichen Sternen gehört. Er geht Mitte April aber bereits gegen 23 Uhr unter, gefolgt von dem über ihm stehenden Prokyon, dem "kleinen Hundsstern". Auch der zunehmende Mond grüßt uns Anfang April am Abendhimmel. Die Halbmondstellung erreicht er am 3. April, und in den Morgenstunden des 11. April ist Vollmond, der erste Vollmond nach Frühlingsbeginn – der Ostervollmond. Am darauf folgenden Sonntag feiern die Christen Ostern – dieses Jahr also am 16. April.

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Hoch über unseren Köpfen streben die sieben Sterne des Großen Wagens auf den Zenit zu. Der Große Wagen ist nur der hellere Teil des viel größeren Sternbildes Großer Bär – oder genauer der Großen Bärin. Der griechischen Sage nach war dies die schöne Callisto, der Zeus nachstellte und die er in eine Bärin verwandelte, als seine Göttergattin Hera ihm auf die Schliche kam – damit nicht genug, auf Geheiß der misstrauischen Hera musste er die Bärin für ihn möglichst unerreichbar hinauf in den Himmel schleudern – und dort kreist sie noch heute jede Nacht um den Polarstern. Es ist ganz typisch für den Frühling, dass nun abends der Große Bär und dessen sieben helle Wagensterne hoch über uns stehen.

Die Rolle der Wagensterne als Wegweiser zu den wichtigsten Sternen kommt nun voll zur Geltung. Verlängern wir die Hinterachse des Wagens etwa fünfmal, so stoßen wir auf halber Höhe über dem Nordhorizont auf den Polarstern. Verlängern wir die Hinterachse des Wagens und ebenso die vorderen Kastensterne in die dem Polarstern gegenüberliegende Richtung, so kreuzen sich diese beiden gedachten Linien hoch über der Südrichtung in einem Sternentrapez. Dieses langgestreckte Sternenviereck markiert den Körper des Löwen.

Arktur treibt den Großen Bären vor sich her

Am westlichen, rechten Ende der Basis des Sternentrapezes steht der hellste Stern in diesem Sternbild. Es ist Alpha Leonis, Eigenname Regulus, kleiner König. Kopf und Mähne des Löwen finden wir in Form eines "gespiegelten Fragezeichens", einer sichelförmigen Sternengruppe, die sich von Regulus aus erhebt. In der Nacht vom 6. auf den 7. April zieht der zunehmende Mond nahe an Regulus vorbei und erweist dem Königsstern seine Reverenz.

Verlängern wir den Bogen der Wagendeichsel, so führt er zum rötlichen Stern Arktur im Bärenhüter. Der Sage nach treibt er den Großen Bären vor sich her. Ziehen wir den Deichselbogen über Arktur hinaus noch weiter nach Südosten, so treffen wir auf Spica, den funkelnden Hauptstern der Jungfrau – Alpha Virginis. Die Jungfrau folgt dem Löwen im Tierkreis. Sie wird uns in den ersten Stunden nach Mitternacht noch mehr auffallen, weil sie hoch im Süden steht. Die Römer glaubten, in Spica die Göttin Ceres zu sehen. Die moderne Astronomie fand, dass Spica eine mehr als 20.000 Grad heiße Doppelsonne ist - in 262 Lichtjahren Entfernung.

Jupiter ist das Highlight des Monats

Dennoch ist es ein anderes Gestirn, das im April alle Blicke auf sich zieht – es leuchtet in einem auffällig ruhigen Licht "rechts über" Spica. Es ist der Planet Jupiter – das Highlight des Monats. Alle 13 Monate überholt unsere schnellere Erde den Riesenplaneten, und er gelangt dabei in Erdnähe. Am 7. April ist es wieder so weit, und Jupiter ist dabei "nur" 666 Millionen Kilometer von uns entfernt. Unsere Erde steht dabei zwischen Sonne und Jupiter – Jupiter somit in "Opposition" zur Sonne und bleibt die ganze Nacht als hellstes Gestirn am Himmel. Jupiter geht bei Sonnenuntergang im Osten auf, steht in der Mitte der Nacht im Süden und geht bei Sonnenaufgang im Westen unter. Da die schnellere Erde ihn gerade überholt, scheint Jupiter am Himmel unter den Sternen rückwärts zu laufen.

Krönender Höhepunkt des Monats ist die Nacht vom 10. auf den 11. April, in der es zur Begegnung des Ostervollmondes mit dem "König der Planeten" kommt. Die ganze Nacht steht der Vollmond zusammen mit Jupiter am Himmel und bildet mit ihm und der funkelnden Spica eine prächtige Formation. Wer spätabends rechts unterhalb von Jupiter den Himmel beobachtet, dem fällt ein kleines Sternenviereck auf. Es ist das Sternbild Rabe. Der Sage nach wurde dieser Vogel von Apoll, Gott des Lichtes, verflucht und an den Himmel versetzt, zusammen mit den danebenliegenden Sternbildern Becher und Wasserschlange. Der Rabe hatte Apoll erzürnt, da er seinen Auftrag, Wasser zu holen, nicht ausgeführt hatte und es auch gewagt hatte, den Gott zu belügen.

Beste Beobachtungszeit für Sternschnuppen

Typische Sterne und Sternbilder des Sommers prägen in der zweiten Nachthälfte den Himmel – voran das vollständige Sommerdreieck und im Süden am Horizont der Skorpion.

Vor Beginn der Morgendämmerung dürfte auch die beste Beobachtungszeit für Sternschnuppen sein: Der Meteorschauer der "Lyriden" erreicht um den 21./22. April sein Maximum.

Das Finale der Nacht gestaltet Venus. Sie taucht nun als strahlend helles Gestirn in der Morgendämmerung am Osthorizont auf und verblasst dann in der Tageshelle.

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