03.01.13

Genversuche

Riesentabak bleibt ewig jung und wächst immer noch

Forscher haben ein Gen der Pflanze so verändert, dass sie theoretisch unbegrenzt wachsen kann. In acht Jahren schon sechseinhalb Meter hoch.

Foto: pa/dpa/dpaweb
Beginn der Tabakernte
Normalerweise wachsen Tabakpflanzen drei bis vier Monate, blühen und sterben dann

Münster. Tabakpflanzen haben ein kurzes Leben: Sie wachsen drei bis vier Monate, blühen und sterben dann. Dabei werden sie höchstens zwei Meter groß - normalerweise. Forscher des Fraunhofer-Instituts für Molekularbiologie und Angewandte Ökologie in Münster berichten, sie hätten einen genetischen "Schalter" entdeckt, mit dem sich das Blühen und damit das frühe Sterben der Pflanzen umgehen und der Wachstumstopp verhindern lasse.

"Die erste unserer Tabakpflanzen ist nun fast acht Jahre alt", sagt Prof. Dirk Prüfer, Abteilungsleiter für Funktionelle und Angewandte Genomik. "Sie wächst und wächst und wächst. Obwohl wir sie regelmäßig zurückschneiden, ist sie 6,50 Meter hoch. Würde unser Gewächshaus mehr Platz bieten, wäre sie wahrscheinlich noch größer." Die Blätter, die weit unten am Stamm sitzen, würden nicht gelb und fielen herab wie bei gewöhnlichen Tabakpflanzen, sondern sie blieben frisch und grün.

Das unbegrenzte Wachstum der Pflanze hätten sie erreicht, indem sie die Information eines bestimmten Gens derart verändert hätten, dass der Blühzeitpunkt nach hinten verschoben werde", erläutert Prüfer. Dieses veränderte Gen schleusten sie über ein Bakterium wieder in die Pflanze ein. Ihre Forschung ziele darauf ab, die Produktion von Biomasse zu steigern. Die Tabakpflanzen ließen sich zum Beispiel als Rohstoff für Biogasanlagen nutzen.

Das Prinzip lasse sich auch auf andere Pflanzenarten übertragen, sagt Prüfer. So arbeiten sie im Auftrag eines japanischen Chemiekonzerns an Kartoffeln, die sehr viel mehr Stärke produzieren sollen. Um die Versorgung mit Nahrungsmitteln und pflanzlichen Rohstoffen zu sichern, müsse sich der Ertrag pro Hektar bis 2050 verdoppeln, so eine Forderung des Bioökonomierates der Bundesregierung. "Diesem Ziel kommt man mit der neuen Technologie ein großes Stück näher", sagt Prüfer. "Vielversprechend ist unser Verfahren allerdings nur bei Pflanzen, bei denen es nicht auf die Blüten ankommt, etwa Zuckerrüben. Bei Raps macht das keinen Sinn."

(HA)
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