29.11.12

Marsrover

Spekulationen um spektakuläre Funde der "Curiosity"

Nasa-Experten heizen Spekulationen an, dass der Forschungsroboter aufsehenerregende Funde gemacht haben könnte.

Foto: dpa/DPA

Eine künstlerische Darstellung zeigt den Marsrover "Curiosity" auf dem Mars

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Washington/Rom. Wirbel um neue Entdeckungen des Marsrovers "Curiosity": Vor einer für Montag geplanten Pressekonferenz haben Nasa-Experten Spekulationen angeheizt, dass der Forschungsroboter auf dem Roten Planeten neue aufsehenerregende Funde gemacht haben könnte. Auf Nachfrage sagte ein Nasa-Sprecher aber am Mittwoch, "weltbewegenden Erkenntnisse" seien nicht zu erwarten.

Nasa-Forscher John Grotzinger hatte in einem Interview mit dem US-Radiosender NPR in der vergangenen Woche dagegen "Daten für die Geschichtsbücher" angekündigt. "Curiosity" habe wahrscheinlich einfache organische Moleküle und damit Vorstufen von Leben gefunden, sagte der Chef des Nasa-Zentrums im kalifornischen Pasadena, Charles Elachi, am Mittwoch am Rande eines Kongresses in Rom. "Curiosity" könne die Moleküle nur erkennen, der Roboter könne nicht bestätigen, dass es Leben auf dem Mars gegeben habe, sagte Elachi nach Angaben der italienischen Nachrichtenagentur Ansa. Zudem müssten die vorläufigen Daten des Forschungsroboters noch überprüft werden.

"Es ist nur eine weitere in einer Serie von Pressekonferenzen über den Fortschritt der Mission", sagte der Sprecher des Nasa-Zentrums in Pasadena der dpa zu der geplanten Veranstaltung. Den Fund organischer Moleküle wollte er nicht bestätigen. "Mein Team sieht die ganze Mission als "für die Geschichtsbücher" an", ruderte auch das "Curiosity"-Team auf dem offiziellen Twitter-Account zurück.

Der bislang teuerste und technisch ausgefeilteste Forschungsroboter "Curiosity" (Neugier) war vor rund vier Monaten auf dem Mars gelandet, um dort nach Spuren von Leben zu suchen. Im Rahmen eines jährlichen Treffens des Verbands der amerikanischen Geophysiker sollen am Montag in San Francisco neue Erkenntnisse zum Fortschritt der Mission bekanntgegeben werden.

Für Aufsehen im Weltall hat unterdessen eine andere Meldung gesorgt: Der Schwerkraftgigant sitzt im Herzen der kleinen elliptischen Galaxie NGC 1277 und vereint 17 Milliarden Sonnenmassen auf sich - 14 Prozent der Gesamtmasse seiner Muttergalaxie. Astronomen haben mit ihm das wahrscheinlich massereichste Schwarze Loch entdeckt. Nach gängiger Theorie dürfte ein Schwarzes Loch dieser Größenordnung nur in einer sehr viel größeren und schwereren Galaxie vorkommen, berichten deutsche und US-Forscher im Fachmagazin "Nature".

"Die Galaxie NGC 1277 ist ein echter Sonderling, sie besteht fast nur aus Schwarzem Loch", sagt Karl Gebhardt von der University of Texas in Austin, einer der Autoren. Ob es sich bei diesem und fünf weiteren, ebenfalls ungewöhnlichen Objekten um Ausreißer handelt, oder ob die Theorien zur Galaxienbildung geändert werden müssen, sollen nun weitere Untersuchungen zeigen.

Ein Grund für diese Besonderheit könnte nach Ansicht der Astronomen damit zusammenhängen, dass die Galaxie NGC 1277 bereits relativ alt ist: Ihre Sterne entstanden schon vor acht Milliarden Jahren, und es gibt keine Anzeichen für eine seither stattgefundene Sternenbildung. Auch das Schwarze Loch stamme daher wahrscheinlich aus dieser frühen Ära. Möglicherweise hänge die ungewöhnliche Masseverteilung damit zusammen.

Die Instrumente der Curiosity
Der fast eine Tonne schwere Marsrover "Curiosity" ist mit zahlreichen Analysegeräten ausgestattet. Etwa zwei Meter über dem Marsboden trägt er zwei Kameras an einem Mast. Sie können sowohl den Nahbereich als auch die Ferne überblicken.
Die "ChemCam" besitzt unter anderem einen starken Laser und ein kleines Teleskop. Beide werden auf einen Stein oder den Boden im Umkreis von sieben Metern gerichtet. Ein Laserpuls hoher Energie lässt am Stein eine Plasmawolke entstehen.
Das ausgesendete Licht empfängt das Teleskop und leitet es an ein Spektrometer weiter. Dessen Daten ermöglichen Rückschlüsse auf die Zusammensetzung der Probe. Hinzu kommt das "APXS" ("Alpha-Particle X-ray Spectrometer"), ein Röntgenspektrometer.
Am Ende des Roboterarms ist der "Mars Hand Lens Imager" ("Mahli") angeschraubt. Diese Kamera liefert Bilder aus dem Nahbereich und kann die Kristallzusammensetzung von Bodenproben zeigen. Die Bilder helfen besonders den Mars-Geologen.
Die Geologen profitieren auch vom "CheMin", einem Röntgenspektroskop. Pulverisierte Proben werden dort durchleuchtet, um die exakte Zusammensetzung zu bestimmen. Das hilft auch dabei, die Frage zu klären, ob der Mars einst eine geeignete Umgebung für Leben war.
Hinzu kommt das Gerät "Sample Analysis at Mars" ("Sam"), unter anderem ist das ein Massenspektrometer mit aufwendiger Probenvorbereitung. Bodenproben werden in einem Mini-Ofen erhitzt, sie verdampfen Inhaltsstoffe, die dann ins Massenspektrometer strömen. Unter anderem werden damit Methan, Edelgase, Wasser oder Kohlendioxid aufgespürt.
Der "Radiation Assessment Detector" ("Rad") analysiert die Teilchenstrahlung auf dem Planeten. Windgeschwindigkeit und -richtung, Druck, relative Feuchtigkeit, Luft- und Bodentemperatur sowie ultraviolette Strahlung werden von den Geräten des "Remote Sensing Mast" ("RSM") bestimmt.
Eine weitere Kamera namens "Mardi" ("Mars Descent Image") filmt den Abstieg des Rover ab dem Moment, von dem der Hitzeschild ausgeklinkt wird. Das Objektiv ist direkt nach unten auf den Boden gerichtet.
Schaufel, Bohrer und Bürsten und ein Roboterarm komplettieren die Ausstattung. Der Einsatz aller Geräte muss sorgfältig geplant werden: Die zur Verfügung stehende Energie ist begrenzt. Zudem lassen sich nicht beliebig viele Daten vom Mars zur Erde oder Befehle in die andere Richtung übertragen.
(dpa/dapd)
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