28.11.12

Studie

Meeresspiegel steigt 60 Prozent schneller als gedacht

Experten warnen im Rahmen der Klimakonferenz in Doha eindringlich vor Folgen des Klimawandels. Ärmste Länder am stärksten betroffen.

Foto: pa/dpa
Studie: Meeresspiegel steigt 60 Prozent schneller als gedacht
Der Meeresspiegel steigt einer Studie zufolge viel rascher als vorausgesagt. Er klettere derzeit um 60 Prozent schneller als Wissenschaftler noch vor einigen Jahren berechnet hatten

Doha/Berlin. Anlässlich der Klimakonferenz in Doha warnen Autoren von drei verschiedenen Studien mit drastischen Worten vor den Auswirkungen der Erderwärmung: Klimawandel trifft ärmste Länder am stärksten

Thailand, Kambodscha und Pakistan litten 2011 am meisten unter dem Klimawandel, wie eine neue Studie der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch zeigt. Experten finden immer klarere Belege dafür, dass bestimmte Wetterphänomene Folgen des Klimawandels sind, heißt es im Klima-Risiko-Index, den Germanwatch in Doha vorstellte. Heftiger Monsunregen hatte etwa 2011 in Südostasien dramatische Überschwemmungen ausgelöst: Allein in Thailand starben bei den schwersten Fluten in der Geschichte des Landes nahezu 900 Menschen. In den vergangenen 20 Jahren verursachten den Angaben zufolge weltweit 15 000 Wetterextreme mehr als 530 000 Todesfälle. Studie: Meeresspiegel steigt 60 Prozent schneller als gedacht

Der Meeresspiegel steigt einer Studie zufolge viel rascher als vorausgesagt. Er klettere derzeit um 60 Prozent schneller als Wissenschaftler noch vor einigen Jahren berechnet hatten. Das geht aus einer Studie hervor, die ein Forscherteam um Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung in den "Environmental Research Letters" des britischen Institute of Physics (IOP) in London veröffentlicht hat. Satellitenmessungen haben demnach ergeben, dass der Meeresspiegel derzeit nicht wie vom Weltklimarat berechnet um 2, sondern um 3,2 Millimeter pro Jahr steigt. UN-Experten warnen vor Gefahr durch auftauende Dauerfrostböden

Das UN-Umweltprogramm Unep und US-Forscher warnen eindringlich davor, das Auftauen der riesigen Dauerfrostböden zu unterschätzen. Die arktischen Böden enthalten einem neuen Bericht zufolge rund 1700 Gigatonnen (Milliarden Tonnen) Kohlenstoff – doppelt so viel, wie derzeit in der Atmosphäre kursiere. Dieser wird beim Auftauen nach und nach als Kohlendioxid (CO2) und in Form des noch stärkeren Treibhausgases Methan freigesetzt. Die dadurch drohende Gefahr werde zu wenig beachtet, mahnten die Experten bei der Präsentation des Unep-Berichts in Doha. Die betroffenen Länder, namentlich Russland, Kanada, China und die USA, sollten die Böden mit besseren Methoden überwachen. "Das Entweichen von CO2 und Methan aus den sich erwärmenden Permafrostböden ist irreversibel", betonte der Hauptautor des Reports, Kevin Schaefer, der am Nationalen Schnee- und Eisdatenzentrum der USA (NSIDC) forscht.

Darum geht es auf dem Klimagipfel in Doha

Beim UN-Klimagipfel in Doha (Katar) sollen vor allem zwei Dinge vereinbart werden: Eine konkrete Fortführung des Kyoto-Protokolls und ein Fahrplan zum globalen Klimaschutzvertrag.

Kyoto-Protokoll: Der Doha-Gipfel soll konkrete Punkte zur Weiterführung des Kyoto-Protokolls ab 2013 festlegen. Offen ist zum Beispiel noch, ob die nächste Runde 2017 oder 2020 endet. Bislang haben sich die EU, Australien und weitere Länder zu Kyoto 2 bekannt. Diese stoßen zwar nur rund 15 Prozent der globalen Treibhausgase aus, sie nehmen damit aber die Forderung ärmerer Staaten ernst, dass Industrieländer weiterhin einen Schritt vorangehen sollten.

Globaler Klimavertrag: Bis 2015 soll ein globaler Klimavertrag entstehen, der auch die Klimaziele der USA, Chinas, Indiens und weiterer Staaten erfasst und 2020 in Kraft tritt. In Doha müsste daher ein Fahrplan bis 2015 ausgearbeitet werden, damit das Werk in drei Jahren fertiggestellt ist und verabschiedet werden kann.

Geld: Ärmere Staaten sollen weiterhin Geld für Klimaschutz und die Anpassung an den Klimawandel erhalten. Ab 2020 sollen es jährlich 100 Milliarden Dollar (78 Milliarden Euro) sein. Eine wichtiger Pfeiler dafür ist der Grüne Klimafonds (Green Climate Fund). In Doha geht es um konkrete Finanzzusagen ab 2013, aber auch um neue Geldquellen, etwa eine derzeit heftig umstrittene Abgabe auf Flüge und eine noch schwerer durchsetzbare auf den Schiffsverkehr.

Heiße Luft: Russland darf laut Kyoto-Protokoll 2012 ebenso viel Kohlendioxid ausstoßen wie 1990, hat aber wegen des wirtschaftlichen Zusammenbruchs derzeit weniger Emissionen. Daher möchte es künftig Gutschriften für mehrere Gigatonnen Kohlendioxid international verkaufen. Die EU und Entwicklungsländer wehren sich dagegen. (dpa)

dpa
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