Das Aus der Glühbirne

Die Zukunft gehört jetzt den Leuchtdioden

Foto: PHILIPS/OSRAM

LED-Produkte sind dabei, herkömmliche Energiesparlampen technisch zu überflügeln. Doch noch gibt es Qualitätsunterschiede

Hamburg. 60-Watt-Glühlampen sind out, herkömmliche Energiesparlampen umstritten. Da passt es gut, dass Lampen mit Leuchtdioden (LED) allmählich so leistungsfähig werden, dass sie ähnlich hell erstrahlen wie die 60-Watt-Glühlampe. Viele Experten halten LED für die eigentliche Zukunftstechnik und bezeichnen die gängigen Energiesparlampen nur als Brückentechnologie zu einer stromsparenden Beleuchtung. Aber generell gilt: Die jeweilige Anwendung entscheidet darüber, welche Lichtquelle sinnvoll ist.

Fest steht: Um im Klimaschutz voranzukommen, muss die eingesetzte Energie möglichst effizient genutzt werden. Glühbirnen, die 95 Prozent des Stroms verheizen und fünf Prozent in Licht umwandeln, erfüllen diese Anforderung nicht. Deshalb werden sie von der EU allmählich vom Markt verbannt.

+++ Es werde Licht - Watt ist jetzt Lumen +++

Die herkömmlichen Energiesparlampen, technisch als Kompaktleuchtstofflampen bezeichnet, kommen zwar mit deutlich weniger Strom aus als Glühbirnen oder auch Halogenlampen. Aber sie haben andere Nachteile: Viele Fabrikate entfalten ihre volle Leuchtkraft nur verzögert, enthalten Quecksilber, das sie nach Gebrauch zu Sondermüll macht, haben unpassende Formen und Lichtfarben.

LED-Lampen haben diese Makel nicht. Hier überwiegt ein anderer Nachteil: Hochwertige Produkte sind teuer. Im aktuellen Vergleich von energiesparenden Lampen der Stiftung Warentest siegten zwei LED-Produkte - die Philips MyAmbiance (dimmable, 12 W) kostet 40 Euro, die Osram Paratom Pro Classic A 80 (12 W) 45 Euro. "Die Leuchtdioden arbeiten mit Halbleitern. Die Hersteller müssen mehr Aufwand betreiben, um gute Qualität sicherzustellen", sagt Christoph Mordziol vom Fachgebiet Energieeffizienz beim Umweltbundesamt (UBA). Zudem sei die Konstruktion recht aufwendig.

LED (Licht emittierende Dioden) funktionieren wie umgekehrte Solarzellen. Die Fotovoltaik erzeugt aus Sonnenlicht Strom, LED verwandeln Strom in Licht. Die Dioden bestehen aus zwei Halbleitern mit unterschiedlichen Eigenschaften. Wenn zwischen ihnen Strom fließt, entsteht Licht, das je nach eingesetztem Material unterschiedliche Wellenlängen und damit verschiedene Farben hat.

Leuchtdiodenlampen haben vor allem zwei Vorteile, betont Stéphanie Zangl vom Öko-Institut (Freiburg): "Sie sind sofort hell, und sie haben das Potenzial zu einer besseren Farbwiedergabe als die Kompaktleuchtstofflampen." Der teilweise hohe Preis wirke zwar abschreckend, zahle sich jedoch innerhalb von vier Jahren aus. "Eine Zwölf-Watt-LED-Lampe sollte der Helligkeit einer 60-Watt-Glühlampe entsprechen, gemessen in Lumen. Diese gibt etwa 650 Lumen ab. Wenn die LED-Lampe durchschnittlich drei Stunden am Tag brennt, so spart sie zwölf Euro Stromkosten pro Jahr."

Gerade für Lampen, die häufig und über längere Zeiträume angeschaltet sind, bieten sich Stromsparer an. Die Verbraucher haben die Wahl zwischen LED- und Kompaktleuchtstofflampen. Sind die Leuchten unzugänglich, lohnt sich die Investition in die LED-Technik besonders, denn zumindest hochwertige Produkte sind noch langlebiger und unempfindlicher als die Leuchtstoffvariante. Mit einer Ausnahme: Leuchtdioden sind hitzeempfindlich und haben dort nichts zu suchen, wo sich Wärme staut oder heiße Dämpfe aufsteigen (Küche, Bad oder in Leuchten, die eng verbaut sind).

Zudem geben die Dioden ihr Licht stark gerichtet ab. Sie eignen sich deshalb besser für eine punktförmige Beleuchtung (Spotlight), etwa in einer Leselampe und wenn in Räumen Lichtakzente gesetzt werden sollen. LED-Lampen, die den gesamten Raum erhellen sollen, erinnern an einen Igel: Die Hersteller ordnen eine Vielzahl von Leuchtdioden so an, dass sie insgesamt in alle Richtungen strahlen.

Auch auf dem LED-Markt gibt es Billigprodukte. Die "enormen Qualitätsunterschiede" der Lampen seien ein großes Problem, sagt Stéphanie Zangl. Sie könne deshalb den Kauf von LED-Lampen nicht generell empfehlen. Auf Nummer sicher gingen die Verbraucher bei den Warentest-Siegern. Weitere Orientierung lieferten die Portale www.ecotopten.de und www.topten.ch . Zudem gelte: "Leuchten, etwa für Schreibtische, die speziell für den Leuchtdiodeneinsatz konstruiert wurden, können besser an die Bedürfnisse der LED-Lampen angepasst werden und daher ihre Vorteile besser nutzen als eingeschraubte Lampen in beliebigen Leuchten." Generell vermisst die Expertin ein Qualitätslabel für LED-Lampen. Zwar gibt es Kriterien für die Vergabe des Blauen Engel. Doch bislang trägt noch keine Kompaktleuchtstoff- oder LED-Lampe das offizielle deutsche Umweltzeichen.

Zwei Aspekte, durch die die Kompaktleuchtstofflampen in der Kritik stehen, gelten tendenziell auch für die LED-Technik: Die Vorschaltgeräte bilden ein elektromagnetisches Feld (Elektrosmog). Zudem gerieten die Energiesparlampen in die Schlagzeilen, weil sie den Schadstoff Phenol, der im Verdacht steht, Krebs zu erregen, sowie andere kritische flüchtige organische Verbindungen (VOC) ausdünsten. Für beide Alarmmeldungen gab es amtliche Entwarnungen: Das Bundesamt für Strahlenschutz und das Umweltbundesamt halten die jeweiligen Belastungen für so gering, dass von ihnen keine Gesundheitsgefahr ausgehe.

Zu einer Zukunftstechnik gehört, dass die verwendeten Rohstoffe langfristig zu erschwinglichen Preisen zur Verfügung stehen - auch in LED-Lampen sind begehrte seltene Metalle, etwa Gallium und Indium, verbaut, die nach Herstellerangaben gerade die Kompaktleuchtstofflampen verteuert haben. "Das Umweltbundesamt lässt derzeit untersuchen, ob es durch eine flächenmäßige Umstellung auf LED in der Beleuchtung zu nachteiligen Umweltwirkungen und zu Engpässen bei bestimmten seltenen Metallen kommen kann", sagt Dr. Ines Oehme, wissenschaftliche Mitarbeiterin für umweltbezogene Produktbewertung beim UBA. Vorläufige Ökobilanzen hätten gezeigt, dass unter Berücksichtigung des gesamten Lebensweges LED-Lampen etwa 80 Prozent weniger Umweltbelastungen verursachen als Glühlampen. Und: "Erste Schätzungen des Wuppertal-Institutes zum Einsatz von Indium und Gallium zeigen in Bezug auf die Verfügbarkeit keinen Anlass zur Besorgnis", so Oehme.

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