Warum norddeutsche Professoren die Initiative unterstützen

Prof. Wenzel Matiaske, Betriebswirtschaftler, Helmut-Schmidt-Uni: In der Ökonomie wird seit Langem darüber geforscht, was Ziele ökonomischen Handelns sein und wie soziale Wohlfahrt und Fortschritt gemessen werden können. Dass das Bruttoinlandprodukt, zu dessen Erhöhung auch die Beseitigung externer Schäden der Massentierhaltung wie im jüngsten Futtermittelskandal beiträgt, kein alleiniger Maßstab sein kann, darüber sind sich Fachleute einig."

Prof. Harald Lemke, Philosoph, Leuphana-Uni Lüneburg: "Aus ethischer Perspektive gebietet es sich, den Appell zu unterzeichnen. Wir sollten das Tier nicht als Objekt betrachten, sondern als das, was es ist: als ein Wesen, das sowohl Leid als auch Lust empfindet. Aber es geht nicht nur um das Tier, es geht auch um unsere Gesundheit. Wir müssen generell über unsere Esskultur nachdenken."

Prof. Ulrike Greb, Berufspädagogin, Uni Hamburg: "Wir Menschen sind weder als Fleisch- noch als Pflanzenesser festgelegte Lebewesen, wir haben also die Wahl und damit auch eine moralische Pflicht zu entscheiden, womit wir uns ernähren. Angesichts einer Verdoppelung der Weltbevölkerung seit den 1960er-Jahren wäre eine verantwortungsbewusste Ernährung das entscheidende Mittel, um Hungersnot auf Erden zu vermeiden."

Prof. Helga Milz, Sozialwissenschaftlerin, Uni Hamburg: "Nie mehr Qualfleisch, Quäleier und Milch aus monströsen Eutern von Hochleistungskühen aus der Qualzucht. Wir verfügen heute über ein reiches Angebot an fair produzierten Eiern, Fisch-, Milch- und Fleischprodukten, die wir uns leisten können. Wir können es uns aber nicht leisten, unsere Mitgeschöpfe gedankenlos zu benutzen und zu verputzen."

Prof. Karl-Josef Pazzini, Erziehungswissenschaftler, Uni Hamburg: "Tiere werden wie Maschinen betrachtet, die auf einen Zweck hin konstruiert werden, die Profitmaximierung, und nur als Nebenzweck als Nahrungsmittel. Folge: kranke Tiere, schädliche Ernährung, Einsatz von Antibiotika. Ich habe die Hoffnung, dass menschliche Aggressivität wieder eine kulturelle Form finden kann und sich nicht durch die Entwertung von Lebewesen austoben muss."

Prof. Norbert Jürgens, Botaniker, Uni Hamburg: "Ich lebe auf dem Land und habe kein Problem mit großen Bauernhöfen. Es gibt durchaus Bereiche, in denen ein großer Betrieb die Lebensbedingungen für die Tiere sogar besser gestalten kann als ein kleiner. Probleme treten dann auf, wenn die Mechanismen eines industriellen Produktionsprozesses auf Tierhaltung angewandt werden."

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