Sinnes-Kopplung

Forscher haben Ursache für Synästhesie aufgedeckt

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Synästhetiker können Farben hören oder Wörter schmecken. Hierfür soll eine verstärkt gekoppelte Aktivität im Gehirn verantwortlich sein.

München. Was klingt wie eine Krankheit, ist eigentlich eine Kopplung von mehreren Wahrnehmungen: Synästhesie. Die Pianistin Hélène Grimaud hat sie, Goethe und Liszt sollen ebenfalls Synästhetiker gewesen sein. Synästhesie bedeutet, dass verschiedene Sinneseindrücke aneinander gekoppelt sind: Betroffene können Farben hören oder Wörter schmecken.

Aus früheren Untersuchungen mit funktioneller Kernspintomographie weiß man, dass bei Synästheten bei der Verarbeitung von visuellen Eindrücken eine bestimmte Hirnregion stärker aktiviert ist. Diese gesteigerte lokale Hirnaktivität erklärt aber noch nicht, wie die verstärkten Sinnesverknüpfungen zustande kommen. Neurowissenschaftler des Klinikums rechts der Isar in München und des Forschungszentrums Jülich haben nun herausgefunden, dass die synästhetischen Verknüpfungen durch verstärkt gekoppelte Aktivität zwischen Hirnregionen vermittelt wird.

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Im menschlichen Gehirn gibt es Netzwerke verknüpfter Hirnregionen, die jeweils für spezielle Aufgaben zuständig sind. Erstaunlicherweise sind diese Netzwerke bereits unter Ruhebedingungen gekoppelt, also auch dann, wenn die betreffende Person nur mit geschlossenen Augen im Kernspintomographen liegt. Die Forscher gingen der Frage nach, wie sich diese gekoppelten Ruhe-Netzwerke bei Synästheten darstellen. Dazu erfassten sie zunächst durch psychologische Tests verschiedene Aspekte der individuellen Wahrnehmungen von zwölf Synästheten. Anschließend analysierten sie in einer zehnminütigen Messung mit funktioneller Kernspintomographie deren Hirnruhezustand.

Dabei stellten die Wissenschaftler fest, dass bei Synästheten die Netzwerke unter Ruhe vielfach stärker verknüpft sind als bei Nicht-Synästheten. Zudem ist die Kopplung umso stärker ausgeprägt, je stabiler die synästhetischen Wahrnehmungen der einzelnen Probanden sind. Die Arbeit wurde in der Fachzeitschrift "Journal of Neuroscience" veröffentlicht.

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