07.12.12

Nach Foxconn-Skandal

Apple will 100 Millionen Dollar in US-Herstellung stecken

Apple-Computer bald nicht mehr "Made in China"? Jobs' Nachfolger Tim Cook will wieder verstärkt auf die Produktion im Heimatland setzen.

Foto: AFP
Apple-Chef Tim Cook
Apple-Chef Tim Cook will wieder stärker auf die US-Herstellung setzen

New York. Apple will seine Produktion in den USA ausbauen. Eine Baureihe der Mac-Computer solle in den Vereinigten Staaten hergestellt werden, sagte Konzernchef Tim Cook dem Sender NBC. Apple werde im kommenden Jahr dafür 100 Millionen Dollar (76,3 Mio) investieren, ergänzte Cook in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview mit dem Magazin "Bloomberg Businessweek".

Vor wenigen Tagen waren bereits einige neue iMac-Desktops mit der Kennzeichnung "Hergestellt in den USA" aufgefallen. Apple hatte einst in den 80er Jahren Computer in Amerika gebaut, bevor die Produktion wie bei praktisch allen anderen Herstellern nach Asien abwanderte. Heute erledigt der Auftragsfertiger Foxconn den Löwenanteil der Arbeit. Foxconn und Apple stehen wegen der Arbeitsbedingungen in China in der Kritik. In dem Werk mit seinen rund 79.000 Beschäftigten war es im September zu einer Massenschlägerei zwischen 2000 Mitarbeitern gekommen, bei der rund 40 Menschen verletzt wurden. Möglicherweise stand der Streit im Zusammenhang mit schlechten Arbeitsbedingungen.

Tim Cook war seit 1998 für das operative Geschäft zuständig. Er setzte fast ausschließlich auf Zulieferer und baute bei Apple eine der effizientesten Produktionsketten in der Branche auf.

Zugleich steht Apple angesichts der Krise der Staatsfinanzen in den USA zunehmend unter Druck: Der Konzern sitzt auf einem Geldberg von fast 120 Milliarden Dollar, der überwiegende Teil davon lagert jedoch außerhalb der USA und wird nicht im Heimatland besteuert. Auch in Europa wächst die Unzufriedenheit mit dem Geschäftsgebaren amerikanischer Unternehmen wie Apple, Google oder Starbucks, die ihr Geschäft so organisieren, dass sie nur sehr geringe Steuern zahlen müssen.

Cook deutete in dem NBC-Interview auch konkret auf weitreichendere Pläne im TV-Geschäft hin. "Wenn ich in mein Wohnzimmer komme und den Fernseher einschalte, habe ich dass Gefühl, dass ich 20 bis 30 Jahre in die Vergangenheit zurückfalle", sagte er. Für Apple sei das ein Bereich von "intensivem Interesse", mehr könne er aber nicht sagen.

Schon seit einigen Jahren gibt es Gerüchte, dass Apple einen eigenen Fernseher auf den Markt bringen wolle. Laut Medienberichten wird das Projekt aber unter anderem durch schwierige Verhandlungen mit TV-Produktionsfirmen und Fernsehsendern gebremst. Die vor einigen Jahren gestartete Settop-Box Apple TV, mit der man Inhalte aus Apples iTunes-Plattform und Online-Diensten auf den Fernseher bringen kann, bezeichneten Cook und sein Vorgänger Steve Jobs stets als Hobby.

(HA/dpa)
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