05.09.12

Volkswagen

Neuer Golf kostet nicht mehr als der alte

Gestern Abend hat VW in Berlin die siebte Modellgeneration enthüllt. Im November kommt das Auto in den Handel - zu Preisen ab 16 975 Euro.

Foto: VW
Der neue Golf wurde im Design nur vorsichtig wieterentwickelt
Der neue Golf wurde im Design nur vorsichtig wieterentwickelt

Kein Auto aus Deutschland ist so erfolgreich wie der VW Golf, keines verkauft sich so gut und keines findet im Ausland so viele Freunde - und das seit mittlerweile fast 40 Jahren. Damit das weiter so bleibt, bringt VW jetzt die siebte Generation des Dauerbrenners an den Start. War der Vorgänger kaum mehr als eine bessere Modellpflege, bleibt diesmal kaum etwas unangetastet: Eine neue Plattform, neue Motoren, neue Assistenzsysteme und zumindest ein vorsichtig weiterentwickeltes Design zeugen von der gründlichen Evolution des Bestsellers.

Nur eines bleibt unverändert: der Preis. Obwohl stärker, größer, sicherer und sparsamer als früher, startet der neue Golf im November genau wie der alte bei 16 975 Euro. Vergleicht man die einzelnen Motor- und Ausstattungsvarianten direkt, wird er sogar um mehrere hundert Euro billiger.

Die Kostensenkung verdankt der neue Golf vor allem dem "Modularen Querbaukasten", aus dem im Konzern bereits der Audi A3 entwickelt wurde und demnächst noch mehr als 20 weitere Fahrzeuge entstehen sollen. Er ermöglicht nicht nur eine extrem hohe Flexibilität in den allermeisten Maßen und in den Fabriken. Mit den hohen Stückzahlen können sich die Niedersachsen auch teure Materialien und aufwendige Technologien leisten und so die Demokratisierung der Innovationen vorantreiben.

+++VW präsentiert neue Generation des Millionenerfolgs Golf+++

Bei der Konstruktion gilt das zum Beispiel für die speziellen Stähle der Karosseriestruktur. Die sind zwar teuer, aber dafür auch leichter als konventionelle Materialien und leisten deshalb einen großen Beitrag dazu, dass der Golf um bis zu 100 Kilogramm abspeckt und jetzt wieder so wenig wiegt wie die Generation vier. Weil VW zudem zwei neue Motorenfamilien einbaut und auch sonst an jeder Spritsparschraube gedreht hat, geht der Verbrauch im Schnitt um fast 14 und in der Spitze um mehr als 20 Prozent zurück.

Sparsamster Golf wird nach Werksangaben wie immer der "Blue Motion". Sein 105 PS-Diesel braucht dank Start-Stopp-Automatik, Rekuperationsbremse, Segelfunktion (damit ist ein Weiterrollen ohne Antriebsunterstützung gemeint) und allerlei anderer Spritspartechniken nur noch 3,2 Liter und kommt auf einen CO2-Ausstoß von 85 g/km. Obwohl ein ausgewachsener Fünfsitzer, benötigt der Golf Diesel sogar weniger als ein Smart. Den gleichen Motor gibt es auch ohne Spritspartechnik. Dann verbraucht er noch immer rekordverdächtige 3,8 Liter. Und wer bei aller Sparsamkeit mehr Spaß haben möchte, bestellt den Zweiliter-TDI mit 150 PS.

Bei den Benzinern stehen zunächst zwei Motoren zur Wahl: Im Basismodell fährt ein Vierzylinder mit 85 PS, der mit 4,9 Litern angegeben wird - immerhin 0,6 Liter weniger als beim Vorgänger. Darüber rangiert der 1,4-Liter mit 140 PS und Zylinderabschaltung. Weil der bei schlankem Gasfuß nur auf zwei Töpfen brennt, reichen ihm im Mittel 4,8 Liter, so dass VW einen Verbrauchsvorteil von 23 Prozent ausloben kann.

Bei diesen fünf Motorvarianten wird es allerdings nicht bleiben. Natürlich sind auch wieder sportliche Diesel mit bis zu 180 PS, weitere Benziner bis hinauf zum über 200 PS starken GTI und ein paar zusätzliche Öko-Varianten geplant. So wird es den Golf nicht nur als Erdgas-, sondern ab 2013 auch als Elektroauto geben. Obwohl der Golf vor allem leichter und sparsamer sein soll, hat VW mit dem Platz nicht gegeizt. Das Auto wächst in Länge und Radstand um knapp sechs Zentimeter. Das sorgt zusammen mit der weiter nach vorn gerückten Vorderachse für sportlichere Proportionen. Und für mehr Knieraum im Fond sowie ein größeres Gepäckabteil (380 Liter). Wem das nicht reicht, der muss noch ein bisschen Geduld haben: Denn los geht es erst einmal mit Drei- und Fünftürer. Die Nachfolger von Golf Plus und Golf Variant kommen frühestens im nächsten Jahr, und später soll es noch andere Varianten geben. Nicht nur das Cabrio wird irgendwann erneuert, sondern auch ein Coupé ist angeblich geplant.

Was die großen Stückzahlen innerhalb des Konzerns und der vereinheitlichte Baukasten alles möglich machen, sieht man nicht zuletzt an der Liste der Assistenz- und Infotainment-Systeme. Sie ist bei VW jetzt auch in der Kompaktklasse fast so lang wie bei Passat oder Phaeton und umfasst zum Beispiel einen Tempomat mit Abstandsregelung, eine Notbremsfunktion für den Stadtverkehr, adaptive Scheinwerfer, proaktive Gurtstraffer oder einen Touchscreen für alle sowie Google-Navigation und Internetanschluss für ausgewählte Modelle. Selbst die bislang nur bei Audi üblichen Fahrprofile übernimmt VW für die breite Masse und lässt den Golf auf Knopfdruck seinen Charakter ändern: Eben noch Sparer mit lang übersetzter Doppelkupplung und Segelfunktion, kann er so zum Sportler mit straffer Lenkung und strammem Fahrwerk werden.

Nicht nur für VW hat der Wagen längst eine größere Bedeutung. Konzernchef Martin Winterkorn: "Sechs Generationen Golf: Das sind 38 Jahre eines kontinuierlichen Erfolges, 29,13 Millionen verkaufte Exemplare eines Weltbestsellers, ein über Epochen wirkendes Spiegelbild des technischen Fortschritts, ein immens großer Wirtschaftsfaktor und nicht zuletzt ein Garant für sichere Arbeitsplätze."

Der neue Golf 7: Wichtige Zahlen und Daten
Der neue Golf 7: Wichtige Zahlen und Daten
Länge: 4,255 Meter (5,6 Zentimeter länger)
Breite: 1,799 Meter (1,4 Zentimeter breiter)
Höhe 1,452 Meter (2,8 Zentimeter flacher)
Kofferrauminhalt: 380 Liter (30 Liter mehr)
Gewicht: 1.150 Kilo (bis zu 100 Kilo weniger)
Verbrauch: Benziner 4,8 Liter, Diesel 3,3 Liter; jeweils sparsamste Version
CW-Wert für Luftwiderstand: 0,27
Gesamtzahl aller je gebauten Golfs: Über 29 Millionen
Produktion im Jahr 2011: 914.000
Wichtigstes Produktionswerk: Wolfsburg
Geschätzter VW-Umsatz mit dem Golf pro Jahr: 18 Milliarden Euro (dapd)
Der VW Golf – Bestseller aus Wolfsburg
Der VW Golf – Bestseller aus Wolfsburg
Der VW Golf zählt zu den erfolgreichsten Autos weltweit. Mehr als 26 Millionen Fahrzeuge verkaufte der Autobauer Volkswagen.
Die Produktion der siebten Golf-Generation ist gerade in Wolfsburg und Zwickau angelaufen.
Die Serienfertigung des ersten Golf nach den Entwürfen des Italieners Giorgio Giugiaro begann am 29. März 1974 im VW-Werk in Wolfsburg.
Im Oktober 1976 waren eine Million Autos verkauft, 2002 löste der Golf den Käfer als meistgebautes VW-Modell ab.
Er wurde zum Wegbegleiter einer ganzen "Generation Golf".
Das Auto gibt es auch als leistungsstärkeren GTI, als Cabrio und als Kombi Variant.
Aktuell wird der Golf an drei Standorten in Deutschland sowie in Werken in Mexiko, Brasilien und China produziert.
Allein in Wolfsburg sind 20.000 von den 51.600 Mitarbeitern direkt in Produktion, Entwicklung und Vertrieb des Golf eingebunden. (dpa)
Modularer Querbaukasten bei VW – was bedeutet das?
Modularer Querbaukasten bei VW – was bedeutet das?
Der Name klingt wie Lego – ist aber die modernste Technik aus dem Autobau: Modularer Querbaukasten (MQB). Ausgedacht hat sich das Wortungetüm der Volkswagen-Konzern, der damit ein Konstruktionsprinzip in der Fahrzeugentwicklung beschreibt, nach dem die meisten Autos des Herstellers entstehen sollen.
Als erster Wagen steht der neue Audi A3 auf der Basis, es folgt zurzeit die neue Golf-Generation. Doch die neue Technik birgt ein enormes Risiko.
Darum geht es: Langfristig sollen alle VW-Fahrzeuge mit quer eingebautem Motor, also vom Polo bis zum Passat, auf Grundlage einheitlicher Teile gebaut werden. Motor, Lenkung, Pedalerie, Hinterachse, Klimaanlage, Elektronetz und viele andere Komponenten werden bei diesen Autos weitgehend einheitlich.
Beispiel: Der Abstand vom Motor zu den Pedalen ist für alle Modelle festgelegt. Das erleichtert die Montage der Autos enorm. So sollen bei VW bald bis zu vier verschiedene Modelle auf einem Band laufen.
Unterschiedlich bleiben die Autos in der Länge und Breite, der Form der Karosserie und der Innenausstattung.
Vom MQB verspricht sich der Konzern gigantische Kostenvorteile. Entwicklungsvorstand Ulrich Hackenberg nennt Einsparziele von 20 Prozent bei den Stückkosten und 30 Prozent bei der Montagezeit. NordLB-Analyst Frank Schwope schätzt, "ein dreistelliger Millionenbetrag pro Jahr" sei mindestens zu erreichen.
Der große Fortschritt besteht darin, dass VW die Zahl der für die unterschiedlichen Modelle benötigten verschiedenen Teile radikal senken kann. Dadurch entsteht ein sogenannter Skaleneffekt: Von den identischen Teilen werden gigantische Mengen bestellt. Die Zulieferer können deshalb bessere Preise machen.
Ein weiterer Vorteil des MQB: Auch Nischenmodelle mit niedriger Stückzahl wie Cabrios oder Roadster rechnen sich plötzlich, weil sie schnell und für wenig Geld entwickelt und gebaut werden können.
Auch die Kunden sollen vom Plattformwechsel profitieren: "Wegen des hohen Volumens kann VW sich Teile leisten, die sonst nur in der Oberklasse eingebaut werden", sagt Firmensprecher Christian Buhlmann.
Der Wechsel ist aber auch gefährlich: Wenn ein Qualitätsproblem etwa mit fehlerhaften Teilen auftritt, dann gleich millionenfach.
Das hat zuletzt Toyota erlebt und musste mit tiefen Kratzern auf dem früher makellosen Image als Qualitätshersteller büßen.
Deshalb wird der Anlauf des Golf 7 in Wolfsburg zurzeit überwacht wie noch nie. (dapd)
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Das Restaurant „Strumhaube“ am Roten Kliff auf Sylt. Hier eskalierte Am Pfingstwochenede eine Party mit rund 3000 Gästen
18:36Restaurant Sturmhaube
"Ich kenn Peter" - Nobelparty auf Sylt endet in Schlägereien

Die Polizei musste mit allen verfügbaren Kräften in das Restaurant "Sturmhaube" am Roten Kliff anrücken. Nach einem Facebook-Aufruf waren 3000 Gäste gekommen. Es blieb nicht lange friedlich. mehr...


HSV-Rückraumspieler Marcin Lijewski tankt sich gegen Sven-Sören Christophersen durch
21:20Handball im Liveticker
Live! HSV Handball führt knapp zur Pause gegen Füchse Berlin

Mit einem Sieg könnten die Hamburger bis auf einen Punkt an die Berliner heranrücken. Die Füchse belegen derzeit Platz vier, der für die Champions-League-Qualifikation berechtigt. Dort will der HSV… mehr...


Im Hamburger Hafen gilt jetzt ein Tempolimit
17:30Neue Regelung
Im Hamburger Hafen gilt jetzt Tempolimit von zehn Knoten

Laut Hafenbehörde HPA gilt die neue Regelung ab sofort. Bislang gab es im Hafengebiet nur eine verbindliche Höchstgeschwindigkeit für Sportboote von zwölf Knoten. mehr...


Nils Jennrich auf einem Privatfoto, das in China entstand, bevor er im März 2012 verhaftet wurde
16:28China
Festgehaltener Norddeutscher darf China verlassen

Westerwelle zeigt sich "erleichtert" über die Ausreise von Kunstspediteur Jennrich, der in China erst in Haft saß, dann das Land nicht verlassen durfte. Er soll Steuern hinterzogen haben. mehr...

Alles über Ihre Straße

Top-Videos
Öko-Modell
General Motors präsentiert Elektro-Hybrid-Cadillac

Der Cadillac hat längst sein biederes Image aus den 60er-Jahren abgelegt und präsentiert sich im Gewand der Zukunft. In Detroit präsentierte…mehr »

Top Bildergalerien mehr
Automodell

Die neue S-Klasse von Mercedes

Auto-Neuheiten in 2013

Werksstudie

Ansichten des neuen BMW 4er

Toyota: "Smart Insect"

tb_meravis.gif
Meravis

Neuer Raum für Hamburgmehr

Highlights