14.11.12

Schönheitsoperation

Jünger durchs Skalpell: Lifting muss natürlich wirken

Wenn das Gefühl dem äußeren Erscheinungsbild nicht entspricht, kann ein Gesichtslifting helfen. Patienten sollten Entscheidung reifen lassen.

Von Franziska Baermann
Foto: pa/dpa-tmn/Diagentur
Jünger durchs Skalpell - Gesichtslifting muss natürlich wirken
Zehn Jahre jünger aussehen - das versprechen Schönheitschirurgen bei einem erfolgreichen Facelifting

Augsburg. Gertrude Gutendorf-Röß fühlt sich sichtlich wohl. "Ich sehe aus wie eine zehn Jahre jüngere Version von mir", sagt die 61-jährige. Vor zwei Jahren ließ sie sich Gesicht und Hals liften. "Mein gelebtes Alter ist einfach jünger gewesen. Ich hatte nicht unbedingt Falten, aber mein Gesicht hing herunter, das ganze Volumen fehlte, das passte einfach nicht."

In der Vergangenheit wurde Gesichtsoperationen oft nachgesagt, ein maskenhaftes Aussehen zu erzeugen. Heutzutage gehen Schönheitschirurgen sanfter vor: "Durch die Modellierung des Tiefengewebes können bis zu zehn Jahre optische Verjüngung erzielt werden", sagt Sven von Saldern, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie (DGÄPC). Die neue Technik geht unter die Haut: Zusätzlich zur Hautstraffung werden die erschlafften Gesichtsmuskeln in ihre alte Position zurückgebracht. Die darüberliegende Haut wird anschließend drapiert, und was übrig ist, wird weggeschnitten.

"Abhängig vom Alter des Patienten wird durch die Verlagerung des Gewebes wieder mehr Volumen geschaffen", erläutert von Saldern. Im Laufe des Lebens verändert sich die Gesichtsform: "Die durch den Alterungsprozess abgesackten Weichteile können dann an die 'jugendliche Ausgangsposition' zurückverlagert werden." Danach wirkt das Gesicht natürlich, ohne dass Einschränkungen der Mimik durch Überstraffung zu befürchten sind.

Neben der Technik ist auch der Anlass heute oft ein anderer. "Ich bemerke bei meinen Patienten ein verändertes Lebensgefühl", sagt Prof. Johannes Bruck von der Vereinigung der Deutschen Ästhetisch-Plastischen Chirurgen (VDÄPC). "Patienten kommen zu mir und sagen 'Ich will nicht aussehen wie meine eigene Großmutter' oder 'Wer ist die alte Frau im Spiegel, die mich morgens anschaut?'", erzählt Bruck aus den Erfahrungen seiner Sprechstunden. "Ein Facelifting macht meine Patienten vielleicht nicht schöner oder jünger, aber es erleichtert, sich im Alter in seiner Haut wohlzufühlen und lindert so die Last des Alterns."

Gertrude Gutendorf-Röß ließ sich von Eugen Höfter, Facharzt für Plastische Chirurgie in Bad Tölz, in einer viereinhalbstündigen Operation das Mittelgesicht liften sowie die schlaffe Halshaut korrigieren. "Wer nicht möchte, dass ein Gesichtslifting auffällt, sollte sich den Hals mit straffen lassen", rät Höfter. Der Hals verrate immer das wahre Alter – so wie die Hände auch.

Höfter führte die OP bei Gertrude Gutendorf-Röß mit einem Radiowellenmesser durch. "Diese Methode hat den Vorteil, dass jedes Gefäß sofort verschlossen wird, wenn der Schnitt erfolgt, bei sehr geringer Ausdehnung der Hitze. Man spricht bei der Radiofrequenzchirurgie deshalb auch vom 'Cold Cut'", erläutert der Chirurg. Dadurch treten weniger Blutungen auf. Die Heilung verlaufe schneller.

Bei Getrude Gutendorf-Röß konnten schon nach 48 Stunden die Fäden gezogen werden. Nach einem Monat war sie wieder "salonfähig". Das lag auch daran, dass sich die Rechtsanwaltsfachangestellte bewusst eine intensive Ruhephase gegönnt hat. Dazu gehört anfangs auch, auf Sport und Sonne zu verzichten. Das Gesicht sollte natürlich besonders geschont werden: "Ich sage meinen Patienten gerne: 'Bitte die Schrippe nicht quer in den Mund stecken'", erklärt Bruck. Der Kopf sollte nie tiefer als das Herz liegen, um Schwellungen zu vermeiden, und der Mund nicht zu sehr geöffnet werden, um anfangs den Zug auf die Nähte zu minimieren.

Angst vor Komplikationen hatte Gertrude Gutendorf-Röß nicht. "Man muss mit sich im Reinen sein und sich für den Eingriff bewusst entscheiden. Wenn man Angst hat, sollte man es lassen". Dazu gehöre auch, die Risiken im Vorfeld abzuwägen. Eine längere Überlegungsphase sei daher wichtig.

Zur Entscheidungsfindung gehören auch intensive Vorgespräche mit dem Arzt. "Ich höre mir die ganze Lebensgeschichte meiner Patienten an", sagt Johannes Bruck. Zwischen dem Erstgespräch und der OP sollten zwei bis drei Monate liegen, damit der Patient die "Risiko-Leistungs-Relation" eines Gesichtsliftings sacken lassen kann. Zudem eigne sich nicht für jeden ein Gesichtslifting. "Rauchen, Alkoholkonsum und Solariumbesuche beeinflussen die Beschaffenheit der Haut ungünstig", sagt Bruck.

Risiken bestehen aber nicht nur bei eher ungesundem Lebensstil, sondern grundsätzlich bei jedem Eingriff. Bei einem Gesichtslifting sind Nachblutungen, Infektionen sowie Wundheilungs- und Durchblutungsstörungen der abgelösten Haut möglich. "Es können wulstige Narben entstehen oder die Schädigung von Gesichtsnerven", sagt Höfter. Das komme allerdings in den seltensten Fällen vor.

Christoph Kranich, Gesundheitsexperte der Verbraucherzentrale Hamburg, warnt allerdings davor, verharmlosenden Aussagen blindlings zu vertrauen. Die Erfahrung zeige, dass Patienten vor Schönheitsoperationen zu wenig über die Risiken aufgeklärt werden. "Bei medizinisch nicht notwendigen Eingriffen wie einem Gesichtslifting muss der Arzt besonders sorgfältig über alle Risiken aufklären, das ist durch die Rechtsprechung bestätigt." Je weniger notwendig ein medizinischer Eingriff sei, desto wichtiger sei die Aufklärung.

Das Problem bei der Schönheitschirurgie sei allerdings, dass sie sich auf einem unregulierten Privatmarkt abspielt. Sie ist keine Kassenleistung, sondern liegt ausschließlich im ökonomischen Interesse des Arztes. "Der Patient ist der alleinige Partner des Arztes. Woher soll er wissen, ob der Arzt ihm nicht etwas verschweigt?", fragt Kranich.

Die Kosten für ein Gesichtslifting mit einem Halslifting liegen zwischen 5000 bis 10 000 Euro. "Ein Mini-Face-Lift, das bedeutet nur das Mittelgesicht, kann schon ab circa 4500 gemacht werden", sagt Höfter. "Was wir mit den Patienten in den zwei bis vier Stunden der OP machen, behalten sie danach ein ganzes Leben", sagt Bruck. Diese Verantwortung ist einem guten Chirurgen stets bewusst.

Es muss nicht immer gleich ein komplettes Gesichtslifting sein: Auch ein Eigenfettimplantat oder ein Hyaluronsäure-Filler können zu einer verbesserten Hautstruktur führen. "Diese Alternativen können nicht das Facelifting komplett ersetzen, aber mit ihnen lässt sich die Operation deutlich ins höhere Alter hinauszögern", sagt Höfter. "Wenn jedoch die Hauterschlaffung im Vordergrund steht, ist ein gut ausgeführtes Facelifting immer noch die erste Wahl."

dpa
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