13.01.13

Paris

Großkundgebung nach Mord an Kurden: Türkei verärgert

Die drei Leichen waren mit Kopfschüssen im kurdischen Informationszentrum im zehnten Stadtbezirk von Paris aufgefunden worden.

Foto: dapd
Demonstranten gedenken ermordeter kurdischer Aktivistinnen
Kurdinnen protestieren am Freitag auf dem Oranienplatz in Berlin

Paris. Nach der Ermordung von drei kurdischen Aktivistinnen haben in Paris etwa 15.000 Demonstranten eine schnelle Aufklärung der Taten gefordert. "Dies ist ein Verbrechen gegen das kurdische Volk und gegen den Frieden", rief einer der Demonstranten am Sonnabend in der französischen Hauptstadt. Viele der Kundgebungsteilnehmer reisten aus Deutschland an. In Paris waren in der Nacht zum Donnerstag drei Kurdinnen erschossen worden, darunter auch Sakine Cansiz. Gegen das Gründungsmitglied der PKK hat nach einem Medienbericht auch die deutsche Justiz ermittelt.

Die Organisatoren der Pariser Kundgebung sprachen von 50.000 Demonstranten aus zahlreichen europäischen Ländern, wie die Agentur AFP meldete. Im Demonstrationszug waren Fahnen der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans PKK sowie Porträts des inhaftierten PKK-Führer Abdullah Öcalan. Auch in Hannover gingen mehr als 2000 Menschen, überwiegend Kurden, auf die Straße. Die Türkei reagierte verärgert auf angebliche Kontakte Frankreichs zur PKK. Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan rief die französische Regierung auf, ihr Verhältnis zur Kurdenpartei zu erklären. Er reagierte damit auf Äußerungen des französischen Präsidenten François Hollande, der nach dem Mordanschlag erklärt hatte, er selbst habe wie viele andere Politiker eines der Opfer gekannt, "weil sie sich regelmäßig mit uns traf".

In Paris waren in der Nacht zum Donnerstag drei Kurdinnen erschossen worden, darunter auch Cansiz, ein Gründungsmitglied der PKK. Die Polizei sprach von einer Exekution. Die Hintergründe sind unklar. Die Tat belastet die laufenden Friedensgespräche zwischen der PKK und der Türkei. Zwei der drei in Paris erschossenen PKK-Aktivistinnen waren nach einem Medienbericht wichtige Mitglieder der PKK in Deutschland. Gegen Cansiz und Leyla Söylemez ermittelte der Generalbundesanwalt wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung im Ausland, wie das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtet.

Cansiz galt als wichtige Figur im Führungskader der PKK in Norddeutschland und war Mitglied des Kurdischen Nationalkongresses in Brüssel. Im März 2007 war sie in Hamburg auf Grundlage eines internationalen Haftbefehls aus der Türkei festgenommen worden. Das Hamburger Oberlandesgericht entschied aber, sie nicht auszuliefern.

Die PKK wird von der Türkei, der EU und den USA als Terrororganisation eingestuft. Kurdische Organisationen beklagen eine systematische Diskriminierung ihrer Volksgruppe durch den türkischen Staat.

(abendblatt.de/dpa)
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