18.10.12Obama versus Romney
Kaffee, Kekse, Bodylotion: Der Wahlkampf ist überall
Das Rennen zwischen Obama und Romney treibt in den USA skurrile Blüten: Selbst die Hautcreme wird während des Wahlkampfes politisch.
Von Von Silvia Ayuso
Foto: DAPD
Wahlkampf-Cookies: An den Bewerbern um das Präsidentenamt kommt in den USA derzeit kaum jemand vorbei
Washington. Kaffee mit Milch und Zucker? In Republikaner- Rot oder Demokraten-Blau? Eine wichtige Frage für viele Amerikaner dieser Tage. Der Präsidentenwahlkampf geht in die Endphase und Wähler haben unzählige Möglichkeiten, ihre politische Meinung kundzutun. Poster und Aufkleber sind von gestern. Heute zeigt man mit seinem Kaffeebecher oder einem Keks, ob man für Präsident Barack Obama oder seinen Herausforderer Mitt Romney stimmen will.
Das politische Statement beginnt bereits mit dem Frühstückskaffee: Die Ladenkette "7-Eleven" bietet ihren Kaffee in roten oder blauen Pappbechern an. Auf dem blauen "Obama"-Becher prangt ein Esel, das Symbol der US-Demokraten, und auf dem roten "Romney" ein Elefant für die Republikaner. "Nehmen sie hier sich ihren heißen Becher Demokratie", wirbt "7-Eleven", das in den USA an fast jeder Ecke zu finden ist. Für diejenigen, die sich bedeckt halten wollen, gibt es natürlich auch herkömmliche Pappbecher.
Kaffeesatzlesen neu: Diese Details sind auch nützlich, um die neuesten Wahltrends zu bestimmen. Auf einer interaktiven Karte lässt sich nachverfolgen, wer im Rennen um die kaffeetrinkenden Wähler vorne liegt. Manche wagen sogar zu behaupten, der Kaffeebecher- Meinungstest sei zuverlässiger, als die Umfragen der professionellen Meinungsforscher. Eine Recherche des Nachrichtensenders CNN ergab, dass "7-Eleven" mit seiner Aktion "Jede Tasse zählt" bei den vergangenen drei Wahlen den Gewinner richtig vorhergesagt hatte. Das sind gute Nachrichten für Obama: Er führt mit großem Vorsprung vor Romney.
Zum Kaffee gehört Kuchen. In der Stadt Cincinnatti im heiß umkämpften Bundesstaat Ohio verkauft die Bäckerei "Busken" präsidiale Cookies. In die Kekse kommen die gleichen Zutaten, erzählt der Firmenchef Dan Busken. "Sie schmecken völlig gleich." Einziger Unterschied seien die Porträts der Kandidaten auf den Cookies. 2008 hätten die Cookie-Verkaufsergebnisse exakt mit dem Wahlergebnis übereingestimmt, so Busken. Seit 1984 backt der Familienbetrieb seine Präsidentenkekse. Die Abweichung vom Wahlergebnis waren bislang maximal vier Prozent. Auch hier: Vorteil Obama. "Obama war vom ersten Tag an vorne, aber es ist immer noch knapp", sagt Firmenvize Brian Busken. "Wir glauben, dass es ein knappes Ergebnis wird, denn viele Esser haben sich noch nicht entschieden."
Bis zum 6. November werden die Kandidaten noch gehörig ins Schwitzen kommen. Doch das heißt nicht, dass Politik unbedingt schmutzig sein muss. Die Kosmetikkette "Bliss" hat ihre eigene Kampagne gestartet und bietet unter dem Slogan "Möge der bessere Duft gewinnen" Wahlkampf-Bodylotions an. "O-bama" mit leichtem Orangenduft für Fans des Präsidenten und "Mint Romney" mit einem Hauch von Minze für republikanische Wählerinnen. Obama hat auch hier die Nase vorn.
Aber selbst wenn die Wahl entschieden ist, ist noch nicht alles verloren. Der Billigflieger "Jet Blue" lässt Kunden abstimmen, wer Präsident werden soll. Und verlost unter denjenigen, die für den unterlegenen Kandidaten gestimmt haben, einen Freiflug.
Obama: "Wir haben beide Abschlüsse aus Harvard. Ich habe einen, er hat zwei, (...) was für ein Snob." (am 28. April vor der Presse über Romney)
Romney: "Es gibt 47 Prozent, die auf seiner Seite sind, die abhängig von der Regierung sind, die glauben, dass sie Opfer sind, die glauben, dass die Regierung eine Verantwortung hat, für sie zu sorgen, die glauben, dass sie Anspruch auf Gesundheitsfürsorge, auf Essen, Unterkunft und was sonst noch alles haben. (...) Mein Job ist, mir kein Kopfzerbrechen über diese Leute zu machen. Ich werde sie niemals überzeugen, dass sie persönliche Verantwortung übernehmen und für ihr Leben sorgen sollten." (am 18. September in einem mit versteckter Kamera aufgenommenen Video über Obamas Anhänger)
Romney: "Meiner Ansicht nach ist die Ehe eine Beziehung zwischen einem Mann und einer Frau." (Am 9. Mai zu Obamas Plädoyer für die Homo-Ehe)
Obama: "Wir werden unsere Mission abschließen und den Krieg in Afghanistan beenden." (am 1. Mai auf dem US-Stützpunkt Bagram in Afghanistan)
Romney: "Es gibt keine größere Kraft zum Wohle der Nation als ein tätiges christliches Bewusstsein." (am 13. Mai in einer Grundsatzrede über traditionelle Werte)
Obama: "Für mich ist es wichtig voranzugehen und zu bekräftigen, dass gleichgeschlechtliche Paare die Möglichkeit zur Heirat haben sollten." (am 9. Mai in einem TV-Interview mit ABC zur Homo-Ehe)
Romney: "In diesem Land glauben wir, dass jedes Kind etwas beitragen kann. Egal, in welche Verhältnisse es geboren wurde. (...) Zu viele Träume werden nie wahr, weil unser Bildungssystem scheitert." (am 23. Mai vor der US-Handelskammer)
Obama: "Dem privaten Sektor geht es gut. (....) Wenn du erfolgreich bist, hat dir jemand dabei geholfen, hat in Straßen und Brücken investiert." (am 8. Juni auf einer Pressekonferenz zur Lage auf dem Arbeitsmarkt)
Romney: "Als euer Präsident werde ich vom ersten Tag an alles in meiner Macht Stehende tun, um die Tage von Niedergang und Enttäuschung zu beenden (... .) Ich werde Obamacare (die Gesundheitsreform Obamas) am Tag eins zurückdrehen." (am 7. Juni in St. Louis, Missouri)
Obama: "Ich werde jeden Morgen aufwachen und hart für euch kämpfen." (am 25. Juli auf einer Kundgebung in New Orleans) "
Romney: "Ich will alle Amerikaner repräsentieren, von jeder Rasse, Religion oder sexuellen Orientierung, von den Ärmsten bis zu den Reichsten und jedem dazwischen." (am 11. Juli vor Vertretern der schwarzamerikanischen Bürgerrechtsorganisation NAACP)
Obama: Ich glaube, es wird eng, aber ich denke, wir werden gewinnen." (am 30. Juli auf einer Veranstaltung in New York)
Romney: "Das 21. Jahrhundert kann und muss ein amerikanisches Jahrhundert bleiben. (...) Ich schäme mich nicht für die Macht Amerikas." (am 24. Juli vor der US-Veteranenvereinigung VFW)
Obama: "Das ist das Gegenteil von Robin Hood – Romney Hood!" (am 6. August auf einer Kundgebung in Connecticut zu Romneys Steuerplänen)
Romney: "Präsident Obama hat versprochen, die Anhebung der Meeresspiegel zu verlangsamen und den Planeten zu heilen. Mein Versprechen ist, Ihnen und Ihrer Familie zu helfen." (am 30. August beim Parteitag der Republikaner in Tampa)
Obama: "Wenn man Präsident sein will, muss man für jeden arbeiten. (...) Es gibt nicht viele Menschen, die denken, sie hätten Anspruch auf irgendetwas." (am 18. September in der TV-Sendung "Late Show" von David Letterman als Reaktion auf Romneys abfällige Äußerungen über Obamas Anhänger)
Romney: "Es ist infam, dass es nicht die erste Reaktion der Obama- Administration war, die Attacken auf unsere diplomatischen Vertretungen zu verurteilen, sondern mit denen zu sympathisieren, die die Attacken ausgeführt habe." (Am 12. September in einer Reaktion nach islamistischen Angriffen auf US-Vertretungen in Libyen und Ägypten) (dpa)
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