29.09.12

Nach Gefechten

Schlacht um Aleppo zerstört historische Gebäude

Hunderte von Läden unter den historischen Arkaden sind bei Kämpfen zwischen Rebellen und Regierungstruppen zerstört worden.

Foto: DAPD
APTOPIX Mideast Syria
Der historische Marktplatz von Aleppo. Bei Gefechten sollen hier bis zu hindert Geschäften zerstört wurden sein

Damaskus/Istanbul. Zum sinnlosen Töten in Syrien gesellt sich jetzt auch die wahllose Zerstörung seines Kulturerbes. Im mittelalterlichen Basar der seit Tagen schwer umkämpften Stadt Aleppo gerieten jetzt mehrere Gebäude in Brand. Erst wenige Tage zuvor hatten Archäologen die Folgen eines Artillerieangriffs auf eine osmanische Moschee in der Stadt beklagt. In einem von ihnen veröffentlichten Video ist die zerstörte Kuppel der Ibrahimija-Moschee zu sehen. Die Altstadt von Aleppo steht auf der Unesco-Liste des Weltkulturerbes.

Die Kämpfe zwischen den Regierungstruppen und den Rebellen gingen am Wochenende unvermindert weiter. Nach Angaben beider Seiten starben mehr als 200 Menschen. In einem Dorf der Provinz Homs sollen Regimegegner am Sonntag 17 Menschen getötet haben. Das berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Sana. In einem Internet-Forum von Unterstützern von Präsident Baschar al-Assad hieß es dazu: "Die verbrecherischen Hunde der Muslimbruderschaft haben das Dorf Al-Haidarije im Umland von Al-Kusair und die dortigen Volkskomitees angegriffen". Die sogenannten Volkskomitees sind paramilitärische regimetreue Bürgerwehren.

Die Regimegegner schwiegen zunächst zu dem Sana-Bericht. Sie berichteten ihrerseits, die Regierungstruppen hätten am Sonntag landesweit 36 Menschen getötet. Die meisten von ihnen seien in Damaskus und Umgebung ums Leben gekommen. Am Vortag sollen mehr als 160 Menschen getötet worden sein.

Die Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter meldete am Sonntag einen Anschlag von Regimegegnern auf ein Zentrum der Sicherheitskräfte in der Kurden-Stadt Kamischli. Durch die Explosion der Autobombe seien acht Angehörige der Regierungstruppen getötet und 15 Menschen verletzt worden.

Aktivisten veröffentlichten unterdessen mehrere Videos, die zeigen, wie in der Nacht mehrere Geschäfte im historischen Basar von Aleppo brennen. Der Leiter der Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter, Rami Abdulrahman, sagte der Nachrichtenagentur dpa, die historischen Gebäude der Stadt würden nach und nach alle beschädigt oder sogar zerstört. Die Handelsmetropole Aleppo ist eine der ältesten dauerhaft besiedelten Städte der Welt.

An diesem Montag wollen Experten aus der Region in Kairo diskutieren, wie man die Zerstörung historischer Stätten in Syrien - dazu zählen Kreuzfahrerfestungen, osmanische Moscheen, römische und byzantinische Siedlungen – eindämmen kann. Vor allem Moscheen und Festungen geraten häufig unter Beschuss, weil sie wegen ihrer oft strategisch günstigen Lage von Kämpfern der Opposition, Milizionären und Soldaten besetzt werden.

Die Chronologie der Eskalation zwischen Syrien und der Türkei
Die Chronologie der Eskalation zwischen Syrien und der Türkei
Seit Ausbruch der Gewalt in Syrien herrscht politische Eiszeit zwischen Damaskus und Ankara. Die Lage an der fast 900 Kilometer langen gemeinsamen Grenze ist bedrohlich eskaliert.
6. Juni 2011: Die ersten 100 Syrer retten sich aus der Provinz Idlib in die Türkei. In Ankara verspricht Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan den Flüchtlingen eine offene Grenze. Zehn Tage später leben bereits mehr als 9000 Syrer in türkischen Lagern.
12. November 2011: Anhänger von Machthaber Baschar al-Assad attackieren die türkische Botschaft in Damaskus
16. März 2012: Ankara ruft türkische Staatsbürger auf, Syrien wegen der zunehmenden Gewalt zu verlassen. Am 26. März schließt die Türkei ihre Botschaft in Damaskus.
9. April 2012: Syrische Truppen feuern über die Grenze hinweg auf das Flüchtlingslager Kilis. Zwei Syrer und zwei Türken werden verletzt. Ankara verstärkt die Truppen an der Grenze und warnt vor weiteren Angriffen. In türkischen Lagern leben inzwischen 24 700 Syrer.
30. Mai 2012: Als Reaktion auf das Massaker an Zivilisten im syrischen Al-Hula weist die Türkei alle syrischen Diplomaten aus Ankara aus.
13. Juni 2012: Damaskus behauptet, Kämpfer der Freien Syrischen Armee würden auf Schmugglerwegen auch mit Waffen aus der Türkei aufgerüstet. Ankara bestreitet Waffenlieferungen an syrische Rebellen, die Unterstützung sei rein humanitärer Art.
23. Juni 2012: Nahe der Küstenstadt Latakia schießt Syrien einen türkischen Militärjet ab. Das Kampfflugzeug war nach syrischen Angaben in den Luftraum des Landes eingedrungen.
26. Juni 2012: Der Nato-Rat verurteilt den Abschuss.
28. Juni 2012: Die Türkei stationiert Militärfahrzeuge und Raketenabwehrsysteme an der Grenze zu Syrien. 30. Juni: Die türkische Armee lässt Kampfjets gegen syrische Hubschrauber aufsteigen, die sich der Grenze näherten.
2. Juli 2012: 85 syrische Soldaten setzen sich in die Türkei ab, darunter ranghohe Offiziere mit ihren Familien – zusammen fast 300 Menschen. Insgesamt sind über 30 000 Syrer in die Türkei geflohen
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