02.11.12

Matz ab

Warum sich die Wege des HSV und des FC Bayern trennten

Die Hamburger und die Münchner sind nicht mehr auf Augenhöhe. Am Sonnabend hofft der HSV gegen Bayern auf ein kleines Wunder.

Von Dieter Matz
Foto: dpa
HSV-Star Rafael van der Vaart (.) und Bayerns Franck Ribery trafen sich bereits im Februar 2008
HSV-Star Rafael van der Vaart (.) und Bayerns Franck Ribery trafen sich bereits im Februar 2008

Die Bayern sind in der Stadt. Morgen geht es gegen den HSV. Mit den Erinnerungen kommt Wehmut auf. Weil beide Klubs zu jenen Zeiten, als dieses Duell mit Recht als "Nord-Süd-Gipfel" bezeichnet wurde, noch auf Augenhöhe standen. Die Hamburger als Gründungsmitglied der Bundesliga und die Bayern, die erst zwei Jahre später zur deutschen Elite-Liga stießen, waren Ende der 70er- und Anfang der 80er-Jahre die fußballerischen Aushängeschilder der Bundesrepublik.

Der HSV hatte sich dank der überragenden Trainer Branko Zebec und Ernst Happel an die Münchner Fußballmacht herangekämpft. Bis sich dann Mitte der 80er die Wege der beiden Vereine trennten. Die Bayern sammelten weiter Titel um Titel, beim HSV wurden die Gesichter immer länger.

1983 waren die Hamburger nach dem großen 1:0-Endspielerfolg gegen Juventus Turin die beste Fußballmannschaft Europas. Doch die Elf um Stein, Kaltz, Jakobs, Wehmeyer, Magath, Rolff, Groh, Milewski und Hrubesch konnte nicht adäquat ersetzt werden. Zugänge wie zum Beispiel Schatzschneider, McGhee oder auch Wuttke waren zwar teuer, erfüllten die Erwartungen aber nie. Beim FC Bayern folgten auf die Klassiker Maier, Schwarzenbek, Beckenbauer, Breitner, Uli Hoeneß, Roth, Müller oder auch Karl-Heinz Rummenigge Leute wie Matthäus, Eder, Pflügler, Augenthaler, Lerby, Wohlfarth, auch Michael Rummenigge oder Dieter Hoeneß. Das Niveau blieb bis heute unverändert hoch. Der Verein hatte treue Fans, die ins Olympiastadion strömten, und der Klub bewies vor allem eines: Kontinuität. Besonders an den verantwortlichen Positionen.

Und noch eines kam hinzu: Die Bayern zeigten bei der Neubesetzung des Manager-Postens, den Robert Schwan verlassen hatte, ein goldenes Händchen und trafen die wohl beste Entscheidung ihrer Geschichte. Der langjährige Bayern-Profi und Nationalspieler Uli Hoeneß entpuppte sich als Naturtalent, das bis heute auf diesem Posten Maßstäbe gesetzt hat.

Beim HSV aber war und ist Kontinuität ein Fremdwort. Weder in der Vereinsführung noch auf den Trainerposten gab es eine nachhaltige Entwicklung. Die Mannschaft, zwischendurch immer mal wieder mit teuren Transfers aufgehübscht, verschlechterte sich personell immer mehr. Masse statt Klasse - daraus entwickelte sich das Mittelmaß, in dem der HSV nun schon seit langer Zeit steckt. Der Klub von der Rothenbaumchaussee drohte sogar zu einer grauen Maus der Liga zu werden, stand sportlich und wirtschaftlich mit dem Rücken zur Wand und geriet zeitweise sogar in den Abstiegssumpf.

Den FC Bayern und den HSV von heute trennen Fußball-Welten. Nur in einer aktuellen Statistik stehen die beiden Traditionsvereine noch Seite an Seite: bei den Transferausgaben. Die Branchenführer aus München gaben in diesem Sommer 69 Millionen Euro aus, der HSV auf Platz zwei 20 Millionen, die Einnahmen durch Spielerverkäufe schon abgerechnet.

Der HSV, dessen Kassen total leer sind, musste vor der laufenden Saison ins Risiko gehen, um den wohl unweigerlich drohenden Abstieg zu vermeiden. Zu lange hatte der Klub über seine Verhältnisse gelebt, hatte bei Einkäufen danebengegriffen und bezahlte eine (höchstens) mittelprächtige Mannschaft zu Champions-League-Tarifen.

Damit ist jetzt Schluss. Der Etat wurde noch einmal gesenkt, teure und ältere Spieler durften und mussten gehen, und angeblich soll nun auch auf den Führungspositionen Kontinuität herrschen. Vielleicht wird so eines Tages wahr, was Münchens Boss Uli Hoeneß schon seit vielen Jahren verkündet, zuletzt im Oktober im Fachblatt "11 Freunde". Nicht Borussia Dortmund, sondern der Hamburger SV sei "der einzige Klub, der es von der Stadt und vom Umfeld her schaffen könnte, langfristig dem FC Bayern ebenbürtig zu sein". Der HSV sei "ein Global Player, aber leider ist der Verein durch das Mitspracherecht der Supporters nicht so recht handlungsfähig".

Warten wir es ab. An diesem Sonnabend aber müsste wohl ein kleines Fußball-Wunder geschehen, wenn der im Neuaufbau befindliche HSV den übermächtigen Bayern wieder einmal Paroli bieten könnte.

Die HSV-Kolumne "Matz ab" finden Sie täglich unter www.abendblatt.de/matz-ab

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