31.01.13

Insolvente Tageszeitung

Neue Frist für "Frankfurter Rundschau"

Keine Entscheidung im Kampf um die zahlungsunfähige Zeitung. Es gibt zwei Interessenten, von denen einer aus Deutschland kommt.

Von Kai-Hinrich Renner
Foto: dapd
Betriebsversammlung bei insolventer "Frankfurter Rundschau"
Insolvenzverwalter Frank Schmitt hat einen Monat Zeit, um für die "Frankfurter Rundschau" einen Käufer zu finden

Hamburg. Das Zittern geht weiter. Auch auf einer Betriebsversammlung am Mittwoch konnte Insolvenzverwalter Frank Schmitt der Belegschaft der "Frankfurter Rundschau" (FR) nicht sagen, wie es mit ihrem zahlungsunfähigen Blatt weitergehen soll. Immerhin so viel ist klar: Für die Zeitung gibt es zwei Interessenten: einen deutschen Investor, dessen Namen Schmitt nicht nennen will, bei dem es sich aber um die Fazit-Stiftung der "FAZ" handeln dürfte.

Interesse hat zudem das türkische Verlagshaus Estetik Yayincilik angemeldet, das noch am Dienstagabend via Pressemitteilung erklärt hatte, bereits am Sonntag ein schriftliches Angebot unterbreitet zu haben. Allerdings genügt dieses Angebot weder in Form noch Inhalt den Ansprüchen des Insolvenzverwalters. Es sei formlos und unverbindlich. Zudem sei der Kaufpreis "wesentlich zu niedrig". Ebenso wenig seien die Zahlungsmodalitäten akzeptabel. Zudem sei das Angebot nicht mit Sicherheiten unterlegt.

Offenbar müssen die Türken noch gewaltig nachlegen, wenn sie sich weiterhin Chancen auf die Übernahme der "FR" ausrechnen wollen. Dabei erfreut sich ihr Angebot bei der Belegschaft einer gewissen Beliebtheit: Schließlich bieten sie sowohl für den Verlag als auch für die Druckerei. Die "FAZ" hingegen will nur die "FR", die sie als abgespeckte Regionalzeitung für das Rhein-Main-Gebiet fortführen möchte. Sollte sie zum Zug kommen, würden nur rund 30 Redakteure übernommen. Über 400 "FR"-Mitarbeiter wären von Entlassung bedroht.

Einstweilen hat der Gläubigerausschuss dem Insolvenzverwalter etwas mehr Zeit verschafft. Der Betrieb der "FR" ist nun auch für den Februar gesichert. Die Zeit wird auch die "FAZ" nutzen, deren Angebot ebenfalls noch nicht unterschriftsreif ist. Zu den zahlreichen Detailfragen, die noch zu klären sind, gehört auch die, woher die "FR" künftig ihre überregionalen Inhalte beziehen soll. Offenbar gibt es neuerdings Überlegungen, dass die Zeitung auch mit der "FAZ" als Inhaber solche Inhalte weiterhin von der Redaktionsgemeinschaft bekommen könnte, die sie bisher gemeinsam mit der "Berliner Zeitung" unterhält. Das Hauptstadtblatt gehört dem Zeitungshaus M. DuMont Schauberg, das bislang auch Hauptgesellschafter der "FR" ist. Im Falle einer Entscheidung für die "FAZ" würde der Betriebsübergang am 1. März erfolgen.

Wettbewerber Estetik Yayincilik hat aber noch längst nicht aufgegeben. Sein Verleger Burak Akbay sei bereit, über alles zu sprechen, sagt der Niederlassungsleiter Europa, Ali Gülen. Das Angebot sei formlos und unverbindlich via E-Mail dem Insolvenzverwalter übermittelt worden, weil der dies so verlangt habe. Ein verbindliches Angebt könne jederzeit nachgereicht werden. Die "FR" hatte das Interesse des Verlags geweckt, weil er dort die deutsche Ausgabe seiner Tageszeitung "Sözcü" drucken möchte, die bald erscheinen soll. Als Druckerei und Verlag der "FR" zahlungsunfähig wurden, entstand die Idee, beide zu übernehmen.

Insolvenzverwalter Schmitt kann sich derweil auch einen ganz anderen Interessenten vorstellen. Er werde mit jedem in Verhandlungen treten, "der ein belastbares, ernsthaftes Angebot vorlegt", heißt es in einer Presseerklärung seiner Kanzlei.

Angesichts der weiter vorherrschenden Ungewissheit sei die Stimmung der Mitarbeiter bei der Betriebsversammlung getrübt gewesen, erzählen Teilnehmer. Immerhin werden auch diejenigen, die von einem neuen Investor nicht übernommen werden, nicht sofort auf der Straße sitzen. Die Gläubiger, neben M. DuMont Schauberg auch die SPD-Medienholding ddvg, haben beschlossen, für sie eine Transfergesellschaft zu gründen.

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