23.11.12

Zeitungskrise

"Financial Times Deutschland" wird im Dezember eingestellt

"Der 7. Dezember wird unsere letzte Ausgabe", sagte die zuständige Betriebsrätin Maike Rademaker am Freitag in Hamburg.

Foto: dpa
Financial Times Deutschland
Die "Financial Times Deutschland" (FTD) wird Anfang Dezember eingestellt

Hamburg. Jetzt ist es offiziell: Die "Financial Times Deutschland" (FTD) wird Anfang Dezember eingestellt. "Der 7. Dezember wird unsere letzte Ausgabe", sagte die zuständige Betriebsrätin Maike Rademaker am Freitagmorgen in Hamburg. Unklar sei noch die Zukunft der Schwesterblätter "Capital", "Impulse" und "Börse Online", fügte sie hinzu. Für die beiden Titel "Impulse" und "Börse Online" wird laut Verlagsangaben geprüft, ob sie verkauft werden oder ob sie durch ein Management-Buy-Out – also die Übernahme durch verlagsinterne Manager – weitergeführt werden können. Sollten die Gespräche nicht zu einem erfolgreichen Abschluss kommen, sei auch für diese beiden Wirtschaftsmagazine die Einstellung geplant. Die 350 Mitarbeiter der betroffenen Blätter sind am Freitagvormittag in einer Betriebsversammlung über die Entscheidung informiert worden.

Nach Angaben von Rademaker sind zusätzlich 50 Arbeitsplätze in nicht-redaktionellen Abteilungen gefährdet, etwa in der Computerabteilung. Die Betriebsrätin warf der Verlagsführung Versagen im Umgang mit den Mitarbeitern vor, seit die ersten Gerüchte über eine Schließung aufkamen: "Wir haben alles nur aus der Presse erfahren", sagte sie.

Am Mittwoch hatte der Aufsichtsrat über die Zukunft der G+J-Wirtschaftsblätter beraten. Dabei haben die Kontrolleure den Vorstand ermächtigt, "einen Verkauf, Teilschließung oder Schließung der G+J-Wirtschaftsmedien vorzunehmen", wie ein Verlagssprecher sagte. Ein Verkauf der Zeitung kam nach Angaben aus dem Verlag aber nicht zustande.

Die "FTD"-Mitarbeiter trugen am Freitag lachsfarbene Trauerschleifen am Revers. In der Freitagsausgabe der Zeitung ist die zweite Seite gefüllt mir Solidaritäts-Zuschriften von Lesern. Nach Angaben der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" hat Gruner + Jahr rund 40 Millionen Euro für Abfindungen eingeplant.

Der Verlag hatte in der Finanzkrise 2008 seine Wirtschaftsmedien in Hamburg zusammengezogen, um Kosten zu reduzieren. "Zwar konnten erhebliche Einsparungen erzielt werden, diese reichten jedoch nicht aus, um die rückläufigen Anzeigenumsätze auszugleichen", teilte Gruner + Jahr mit. Auch 2012 würden die Wirtschaftsmedien einen deutlichen Verlust machen. Seit ihrer Gründung im Jahr 2000 ist die "FTD" nicht in die schwarzen Zahlen gekommen.

Die "Financial Times Deutschland"

Die erste Ausgabe der "Financial Times Deutschland" erschien am 21. Februar 2000.

Der Verlag Gruner + Jahr und der britische Medienkonzern Pearson hielten jeweils 50 Prozent der Anteile an der "FTD", bis sich Pearson Anfang 2008 aus dem Gemeinschaftsunternehmen zurückzog.

Gründungschefredakteur der "FTD" war Andrew Gowers.

Im Herbst 2001 wechselte der Brite an die Spitze des Mutterblatts "Financial Times" nach London und übergab die redaktionelle Führung an seine bisherigen Stellvertreter Christoph Keese und Wolfgang Münchau.

von September 2003 an leitete Keese das Blatt alleine, im Herbst 2004 übernahm der heutige Chefredakteur Steffen Klusmann den Posten.

Im dritten Quartal 2012 belief sich die verkaufte Auflage auf 102.101 Exemplare, knapp 1.200 mehr als zwei Jahre zuvor; gleichzeitig wurde die Zahl der Bordexemplare von 37.161 auf 46.284 erhöht.

Vor zwei Jahren hatten 49.124 Leser das Blatt abonniert, inzwischen sank die Zahl der Abonnenten auf 41.629.

Der Hauptkonkurrent der "FTD", das "Handelsblatt", verzeichnete im dritten Quartal 137.725 verkaufte Exemplare und mehr als 80.000 Abonnenten.

Die Homepage "ftd.de" kam nach Verlagsangaben im Oktober auf 9,70 Millionen Einzelbesuche ("Visits") und 47,94 Millionen Seitenaufrufe ("Page Impressions"), im Mai 2011 war das Internetangebot um den kostenpflichtigen Bereich "FTD-Premium" erweitert worden.

Wegen anhaltender Verluste wurde am 23. November 2012 bekannt gegeben, dass die "FTD" zum 7. Dezember 2012 eingestellt wird. (dapd)

dapd/dpa
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