11.11.12

Kastelruther Spatzen Live im Musikantenstadl: Schunkel-Gate ist aufgeklärt

Andy Borg und 5,11 Millionen Zuschauer am TV konnten sich überzeugen: Die Kastelruther Spatzen haben das Zeug zum Live-Auftritt.

Innsbruck/Wien. Der Musikantenstadl bietet für gewöhnlich wenig Raum für Investigation. Aber die Live-Show der ARD am Sonnabendabend hielt einen dieser seltenen Momente parat. Es war die große Chance der Rehabilitation für die des Musik-Betrugs bezichtigten Kastelruther Spatzen, aber auch für Gastgeber Andy Borg.

Und so näherte sich der Stadl-Moderator der Frage aller Fragen dramaturgisch ausgefeilt - ohne dabei seine Grundfröhlichkeit außer Acht zu lassen. "Eigentlich nix Neues, die Spatzen im Musikantenstadl", hob Borg nach dem Auftritt der zuvor medial gerupften Spatzen an. "Ich sagte 'eigentlich nix Neues, die Kastelruther Spatzen im Musikantenstadl'", repetierte Borg hin- und herwippend, um dann vielsagend in Richtung Spatzen-Frontmann Norbert Rier nachzuschieben: "Das, was unter der Woche in den Zeitungen stand, lässt einen Familienvater und Bandleader auch nicht gut schlafen, oder?"

Der so Befragte griff die Vorlage dankend auf und zeigte sich entsprechend betroffen. "Was am meisten geschmerzt hat, ist die Enttäuschung über einen Menschen, über den Neid und Hass", gab Rier an. Gemeint war Walter Widemair, ehemaliger Produzent des Südtiroler Oktetts und Urheber des schwerwiegenden Vorwurfs, die Kastelruther Spatzen hätten für die Produktion zahlreicher Alben verschiedenen Studiomusikern den Vortritt gelassen.

"Man fragt sich da nur, wieso und warum", sagte Sänger Norbert Rier in der ausverkauften Olympiahalle von Innsbruck zu der Intention Widemairs. Während diese Frage unbeantwortet blieb, gab es wenigstens Klarheit über das musikalische Potential Riers & Co. Die Volksmusiker spielten selbst und live - der Schunkel-Gate scheint aufgeklärt.

"Sie haben es heute bewiesen, sie haben heute live gespielt", frohlockte ein nicht minder aufgeregter Andy Borg, um mit dem Stadl-Orchester sogleich vielsagend den Opus-Kracher "Life is life" anzustimmen. Auch die Kastelruther Spatzen selbst hatten sich zuvor mit der Auswahl ihres Titels einen Seitenhieb nicht verkneifen können. "Leben und leben lassen" wählten die Südtiroler als Beweisstück ihrer Live-Qualitäten.

"Wir sind auch nur Menschen und haben sicher nichts Schlechtes getan", kommentierte Rier die Betrugsvorwürfe Widemairs und erntete dafür großen Jubel seiner Fans. "Ihr seid nicht nur einfach Menschen, ihr seid auch Musikanten", sagte Andy Borg. Mindestens 5,11 Millionen ARD-Zuschauer (16,6 Prozent Marktanteil) konnten sich am Sonnabend davon überzeugen.

(dpa/abendblatt.de)