27.12.12

Interview

"Ich bin Ang Lee nahezu blind gefolgt"

Studiochefin Elizabeth Gabler hat bereits vor zehn Jahren die Filmrechte an "Life of Pi" gekauft - und ihn jetzt ins Kino gebracht.

Von Volker Behrens
Foto: courtesy of Twentieth Century Fo
Elizabeth Gabler, die Studiochefin von Fox 2000
Elizabeth Gabler, die Studiochefin von Fox 2000

Elizabeth Gabler ist Chefin von Fox 2000, einer Unterabteilung des großen US-Studios Twentieth Century Fox. Die 55-Jährige gilt als eine der wichtigen Frauen im Filmgeschäft und hat schon häufiger ein gutes Näschen bewiesen, wenn es um ungewöhnliche Projekte geht, sei es bei "Der Teufel trägt Prada" oder "Der Tag, an dem die Erde stillstand". Die älteste von sechs Geschwistern kam mit Ang Lee nach Deutschland, um den Film "Life of Pi – Schiffbruch mit Tiger" vorzustellen.

Hamburger Abendblatt: Sie begleiten sicher nicht jeden Film zu jeder Premiere ins Ausland. Warum sind Sie mit "Life of Pi" nach Deutschland gekommen?

Elizabeth Gabler: Ich war deswegen sehr aufgeregt, denn ich bin hier noch nie gewesen und habe hier eine aufregende Zeit verbracht. Dieser Film ist einer der wichtigsten, an denen ich im Laufe meiner Karriere gearbeitet habe. Es war mir sehr wichtig, Ang Lee zu begleiten und mit ihm die Fragen eines deutschen Publikums zu beantworten.

Sie haben die Filmrechte am Roman schon vor zehn Jahren gekauft. Warum hat es so lange gedauert, bis ein Film daraus wurde?

Gabler: Ich hatte den Roman gelesen, war fasziniert, hatte aber keine Ahnung, wie man ihn auf die Leinwand bringen könnte. Dann meldete sich ein Drehbuchautor, der eine Idee hatte, wie man den Stoff adaptieren konnte. Er hat seine Idee präsentiert, aber nie ein Drehbuch abgeliefert. Danach haben es noch mehrere Leute versucht – ohne Erfolg. Dann habe ich gehört, Ang Lee könnte interessiert sein. Ich habe ihn getroffen, aber es hat noch acht Monate gedauert, bis ich ihn überzeugt hatte, dass er den Film machen sollte. Nachdem er zugesagt hatte, war er aber mit ganzem Herzen dabei.

Was hat Sie an diesem vielschichtigen Roman gereizt?

Gabler: Heutzutage gibt es viele erfolgreiche Filme, die auf Comics oder TV-Programmen basieren. Es ist schwer, etwas Anderes und Einzigartiges zu finden. Dieser Roman schien das Potenzial zu haben, die Fantasie der Leute anzuregen. Unter der Führung eines meisterlichen Filmemachers hoffe ich, dass uns das auch gelingt.

War es eine besondere Herausforderung für Sie, dass man den Roman für unverfilmbar hielt?

Gabler: So habe ich damals nicht darüber nachgedacht. Ich hielt das Buch für verfilmbar, also lag die Last auf den Schultern von Ang Lee, und ich bin ihm nahezu blind gefolgt. Während der Produktion haben wir uns eine Politik der ganz kleinen Schritte zugelegt und damit nach und nach alle Probleme gelöst. Es war aufregend und beängstigend.

Was machte es beängstigend?

Gabler: Wir hatten keinen Filmstar, nur einen indischen Jungen in einem Film mit Tieren und Spezialeffekten, dazu eine Geschichte, die kompliziert und philosophisch ist. Dazu noch eine Ebene mit Glaubensfragen. Meine Firma hat viel Geld für diesen Film ausgegeben, aber wird das die Leute wirklich interessieren? Ich möchte, dass es funktioniert, aber jeder stellt mir diese Fragen.

Sie arbeiten für Fox 2000, eine von vier Abteilungen des großen Studios Twentieth Century Fox. Wie arbeiten Sie?

Gabler: Ich bin dort Geschäftsführerin, aber glücklicherweise nur von einer kleinen Abteilung. Mein Chef Jim Gianopoulos erlaubt mir so viele Filme zu machen, wie ich will. Ich muss mich an keine Budgetgrenzen halten und muss mich nicht um 20 Filme gleichzeitig kümmern, konnte also mit Ang nach Taiwan gehen und dort drei Wochen bleiben. Wir verstehen uns als Partner der Filmproduzenten, als Teil des Teams. Und ich bin auch bei den wichtigen Entscheidungen des Studios dabei, wenn es um den Vertrieb und da Marketing geht. Das hilft den Filmemachern.

An wie vielen Filmen arbeiten Sie gleichzeitig?

Gabler: Auf unserem Entwicklungsplan stehen zurzeit ungefähr 75 Filme. Für ein großes Studio sind das verhältnismäßig wenige. Im Durchschnitt bringen wir vier bis sechs Filme pro Jahr ins Kino. Aber "Life of Pi" hat meine Aufmerksamkeit von vielen anderen Projekten abgezogen, weil ich mich so sehr engagiert habe. Ich muss mich langsam mal wieder um die anderen kümmern.

Gehen Sie gern Risiken ein, oder gehen Sie lieber auf Nummer Sicher?

Gabler: Ich bin risikofreudig. Im Februar starten wir in Berlin die Verfilmung des Romans "Die Bücherdiebin", eine Produktion mit sehr geringem Budget. Wir haben auch den "Alvin und die Chipmunks 2" und den dritten Teil der "Chroniken von Narnia" gemacht. Wir machen das mit einem sinnvollen Budget. Die erfolgreichen Filme erlauben es uns bei anderen Projekten etwas riskanter zu kalkulieren.

Wie lange würde Ihnen die Filmindustrie bei Misserfolgen die Stange halten?

Gabler: Glücklicherweise habe ich noch nicht so viele gehabt. Es fällt mir schwer nein zu sagen, wenn ein Projekt nicht korrekt finanziert ist, denn es geht immer um Leute, die verzweifelt versuchen, es auf die Beine zu stellen. Aber das ist mein Job. Das musste ich gerade bei einem Projekt von Kenneth Branagh mit dem Titel "The Guernsey Literary and Potato Peel Society". Wir hatten einfach nicht die Besetzung, die man dafür gebraucht hätte. Das Timing stimmte einfach nicht.

Man sagt, Sie arbeiten mit einer Geheimwaffe, ihrer neun Jahre alten Tochter.

Gabler: Sie ist tatsächlich meine Geheimwaffe und meine kleine Zielgruppe. Sie hat einen Schreibtisch in meinem Büro und verdient fünf Dollar pro Stunde. Bei unserem "Alvin und die Chipmunks"-Film war sie hilfreich und hat dem Regisseur Anweisungen geschrieben. Bei der Musikauswahl ist sie sehr engagiert und hat mir interessante Fragen über "Life of Pi" gestellt. Deshalb habe ich zumindest eine Ahnung, wie junge Menschen auf diesen Film reagieren könnten.

Was halten Sie vom aktuellen deutschen Film?

Gabler: Ich weiß leider nicht so viel darüber. Und bei diesem Aufenthalt dreht sich fast alles um "Life of Pi". Ich habe noch nicht genügend Zeit gehabt mich umzuschauen, aber ich bin fasziniert, es gefällt mir hier so gut, dass ich mich jetzt schon darauf freue zurückzukommen.

Zu Beginn Ihrer Karriere haben Sie mit dem legendären Billy Wilder zusammengearbeitet. Welche Erinnerungen haben Sie an ihn?

Gabler: Viele wollten Remakes seiner Filme machen. Er hat uns immer gefragt: "Habe ich es beim ersten Mal nicht gut genug gemacht?" Er war wundervoll und hat bei United Artists als Berater für Drehbücher gearbeitet. Wenn man mit ihm einen Termin hatte, konnte man alle anderen an dem Tag abhaken, denn mit ihm dauerte es meist sechs Stunden lang. Er war ein erstaunlicher Mann.

Was machen Sie zur Entspannung, seit Sie das Reiten aufgegeben haben?

Gabler: Habe ich gar nicht. Ich habe mir nur ein neues Pferd gekauft, einen Holsteiner namens "Soldier". Meine Tochter reitet auch. Wir leben auf einer Farm mit vielen Tieren in Santa Barbara.

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