Mal gibt's bloß Cocktails statt Büfett - das Angebot an Stars jedoch bleibt reichhaltig.

Hamburg. Ohne Brillen wird es nicht gehen. Wenn am kommenden Mittwoch das 62. Filmfestival in Cannes startet, werden die Premierengäste sich etwas auf die Nase setzen müssen. Zum ersten Mal in der langen Geschichte des Festivals wird es mit einem Animationsfilm eröffnet. "Up" von Pixar ist ein 3-D-Film, dessen räumliche Tiefe sich nur mittels Sehhilfen entschlüsseln lässt. Leichter zu finden sind bekannte Namen im Wettbewerb: Tarantino, Almodóvar, von Trier oder Campion. Deutschland ist mit Michael Haneke vertreten.

Wer einmal in Cannes dabei war, hat gute Karten, wieder eingeladen zu werden. Die Festival-Chefs Gilles Jacob und Thierry Frémaux mögen es familiär, lieben aber auch den Glamour und den Zeitgeist - und den reflektiert das Kino so zeitnah wie kaum eine andere Kunst. Die Gewinner waren in den vergangenen Jahren oft Überraschungen. Selten gewannen die angeblichen Favoriten. In diesem Jahr ist Isabelle Huppert die Jury-Präsidentin. Sie glaubt: "Cannes ist die offene Tür für alle neuen Ideen der Welt." Diese Vielfalt spiegelt zumindest das Programm des Wettbewerbs auch wider. Große Namen stehen neben Neulingen. Mag die ökonomische Krise allgegenwärtig sein, nach einer kreativen Krise sieht es in Cannes vorab nicht aus.

Zurück kommt Pedro Almodóvar mit Penélope Cruz, die er zuvor kurz an Woody Allen "ausgeliehen" hatte. Jetzt spielt die schöne Spanierin in "Los Abrazos Rotos" wieder für ihren alten Mentor. Das Filmemacher-Milieu dient als Hintergrund für eine tragische Liebesgeschichte.

Eins der großen Jubiläen des Jahres hatte Ang Lee ("Brokeback Mountain") im Visier, als er sich mit dem Love-and-Peace-Festival des Jahres 1969 auseinandersetzte. Die Hauptrollen in "Taking Woodstock" spielen Liev Schreiber und Emile Hirsch.

Weniger liebevoll geht es oft auf den Fußballplätzen dieser Welt zu. Der britische Altmeister Ken Loach, ein glühender Fan, hat in "Looking For Eric" überraschend heiter die Geschichte eines Postboten verfilmt, der fanatisch für Eric Cantona schwärmt, den ehemaligen umstrittenen Star von Manchester United.

Wie ernst es mit der Vielfalt gemeint ist, sieht man an Lars von Trier. Der eigenwillige Däne, der an der Croisette seine größten Erfolge gefeiert hat ("Breaking The Waves", "Idioten"), kehrt mit dem überwiegend in Deutschland gedrehten "Antichrist" zurück. Irritierenderweise sieht der Trailer des Films, in dem Willem Dafoe und Charlotte Gainsbourg spielen, eher wie ein Horrorstreifen aus.

Michael Haneke wird wohl auch diesmal wieder versuchen, Filmkunst mit verstörenden Erlebnissen zu verbinden. In "Das weiße Band" geht es um ein Dorf, in dem 1913 eine Reihe mysteriöser Unfälle geschehen. In Hanekes "deutscher Kindergeschichte" spielen auch Susanne Lothar, Burghart Klaußner und Ulrich Tukur. Die Sache scheint nicht gut auszugehen. Als Dresscode für die After-Show-Party gilt jedenfalls: schwarze Krawatte.

Mit vielen deutschen Schauspielern besetzt ist Quentin Tarantinos "Inglorious Basterds". In der Geschichte über jüdisch-amerikanische Soldaten, die im Zweiten Weltkrieg Nazis skalpieren sollen, sind neben Brad Pitt auch Diane Krüger, Til Schweiger und Daniel Brühl zu sehen. Tarantino-Fans hoffen auf blutige Szenen mit ironischen Untertönen.

Sparsame Untertöne schlagen auf jeden Fall die Repräsentanten der deutschen Filmindustrie von German Films an. Angesichts der Wirtschaftskrise feiern sie in diesem Jahr nicht, wie sonst, in einer noblen Villa in den Bergen. Man bedauere, dass es nur einen "Cocktailempfang ohne Büfett" gebe, hieß es. Den aber im luxuriösen Carlton-Hotel. Solche Kürzungen betreffen eher die Veranstaltungen im Umfeld. Weniger Originalität in den Filmen wäre weitaus schlechter zu ertragen.

www.festival-cannes.fr