Polittbüro

Andrea Bongers – aus Erfahrung mit Puppen komisch

Foto: Pressefoto / Harald Hoffmann

Die Hamburger Kabarettistin und Puppenspielerin Andrea Bongers hat am Donnerstag und Freitag mit Ex-Ohrbooten-Mitglied Christopher Noodt und ihrem Programm "Bis in die Puppen" Premiere im Polittbüro.

Hamburg. Dieser Frau kann man nichts vormachen, sie jedoch gibt anderen noch immer freudige Anregungen. Das beherrscht Andrea Bongers – kaum vorstellbar, aber wahr – nun schon seit fast 30 Jahren. Damals hatte sie in der Combo Aprillfrisch-MägäDäm-Schwarz mit Kollegen wie dem heutigen Soul-Bruder Stefan Gwildis oder Impro-Anarcho Rolf Claussen angefangen, sich (klein-)künstlerisch zu bewegen. Meistens nach vorn, mal nach oben (wie im Weltraummusical "Schröders Traum"), mal zur Seite, nie aber zurück.

Nicht erst seit ihr Erfolgsprogramm "Schuh-Mädchen-Report" über das liebste aller weiblichen Sammelobjekte nach fast vier Jahren abgespielt ist, steht die Hamburgerin wieder auf eigenen Beinen. Der Sohn sei jetzt aus dem Haus, erzählt sie. "Ich habe es mal gewagt, anders als heute in Deutschland gesellschaftlich üblich, und mal nicht nach der Meinung des Kindes gefragt", sagt die Kabarettistin und Sängerin mit Blick auf ihr neues Soloprogramm. "Für die Frauen im sogenannten besten Alter gibt es ja nicht nur die Wechseljahre." Außerdem hat sich die Bongers in ihrer Rolle als gescheiterte Psychologin Gabriele im satirischen Vier-Frauen-Stück "Lappen weg" bereits vor fünf Jahren an jenem Thema schauspielerisch gerieben.

"Mich hat Psychologie von jeher interessiert", offenbart Andrea Bongers, die als gelernte Erzieherin und studierte Pädagogin den Umgang mit kleinen und großen Sorgen gewohnt ist. Basierend auf all ihren Erfahrungen bringt sie mit Regisseurin Patrizia Moresco ein Programm ins Polittbüro, das komisch und musikalisch zwischen Be- und Erziehung pendeln möge. "Bis in die Puppen" lautet der durchaus doppeldeutige Titel.

Warum sollen auf deutschen Bühnen immer nur Männer abendfüllend mit Puppen das Publikum bespaßen, fragte sich Andrea Bongers. In ihrer Rolle als Bayerin Anni B. trifft sie gleich auf mehrere Bühnenpartner in Gestalt von Puppen. Besuchern vorheriger Programme dürften sie bekannt vorkommen, allen voran das beliebte "Schaf", das Annis animalische Seite verkörpert. Ebenso der herbe "Heinz", die härteste Stoffpuppe der Welt. Neu ins Nummern- und Puppenspiel eingebunden sind Manolo als Annis bester Freund und die hinterlistige Schlange Sissi Snake, zugleich ihre Sexualtherapeutin.

Mit ihnen wird Andrea Bongers nicht nur hantieren, sie verleiht den Puppen auch markante Dialekte und variiert wieder mal in ihren Stimmlagen, dass so manchem Zuschauer womöglich Hören und Sehen vergeht.

Das Puppenspiel hat sich für die einstige "Prinzessin von Barmbek", so ein weiterer früherer Programmtitel, längst zu einem beruflichen Standbein entwickelt: Seit 14 Jahren betreibt sie es für den ARD-Serie "Sesamstraße"; noch im Februar gilt es, neue Folgen unter dem Titel "Eine Möhre für zwei" zu produzieren.

Und dass die Kabarettistin richtig anständig singen kann, beweist sie regelmäßig im Hamburger DamenLikörChor, für den Andrea Bongers mit Ruth Toma auch die Texte schreibt.

In ihrem neuen Programm wird sie zur Abwechslung mal wieder mit einem Mann singen. Christopher Noodt hat an Keyboard, E-Piano und Flügel Katie Freudenschuss abgelöst, mit der Andrea Bongers den "Schuh-Mädchen-Report" zelebriert hatte. Der Pianist hat sich nach seinem Ausstieg bei der Berliner Alternative-Reggae-Hip-Hop-Band Ohrbooten als Begleiter des Hamburger Improtheater-Ensembles Hidden Shakespeare einen Namen gemacht. Ein gut aussehender und recht junger Kerl für ein neues Abenteuer. Ein Selbsterfahrungsfahrungs-Trip soll "Bis in die Puppen" indes nicht werden, sondern ein Abend, an dem man und frau Spaß haben können, stellt Andrea Bongers fest. Na, klar.

"Bis in die Puppen" Premiere Do 6.2., auch Fr 7.2., jew. 20.00 Polittbüro (U/S Hbf.), Steindamm 45, Karten zu 15,-/erm. 10,- unter T. 28 05 54 67; www.polittbuero.de; www.andreabongers.de

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