Konzert-Kritik

Selig: Sie haben geschrien im Docks

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Neue Songs, alte Lieblingslieder und das "Alles auf einmal": Seligs Heimspiel im ausverkauften Docks brauchte eine längere Aufwärmphase, um die Fans zu überzeugen.

Hamburg. "Langeweile besäuft sich meilenweit": Auf dem Kiez ist am Dienstag traditionell wenig los. Aber im ausverkauften Docks herrscht beim Konzert-Heimspiel von Selig wieder Enge. Reiben am Voder- und Hintermann oder am "Arsch einer Göttin", so war es schon im November, als Jan Plewka, Christian Neander, Leo Schmidthals, Stoppel Eggert und Malte Neumann das aktuelle sechste Album "Magma" live an zwei Abenden im kochenden Molotow vorstellten. Auch im Docks gibt es am Mittwoch eine zweite, ebenfalls ausverkaufte Show.

Wie schon im Molotow werden die neuen Songs wie der Auftakt "Ich lüge nie", "Sie scheint", "Love & Peace" oder "Alles auf einmal" gern gehört, aber noch lieber geht es in die alte Zeit zurück zu "Ist es wichtig?", "Sie hat geschrien", "Wenn ich wollte" oder "Ohne Dich". Unverwüstlicher Rock der 90er-Jahre. Jan Plewka kennt das schon. Regenbogenleicht wie ein Mädchen auf dem Dach, wie ein nackter Hippie, der im Schlamm von Woodstock Schmetterlinge hascht, steht er den mauen Sound und die reservierte Atmosphäre durch.

Die alten Fahrensmänner wissen, dass das letzte Konzertdrittel schon die Gemüter wecken wird. Und so ist es. Nach 130 Minuten, "Wir werden uns wiedersehen" und "Regenbogenleicht" hat die Band das Docks selig gemacht. Geduld zahlt sich aus.

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