05.02.13

Medienkrise

Nach Ende der FTD streiten Verlag und Mitarbeiter um Geld

Betriebsrat und Leitung von Gruner + Jahr haben sich bisher nicht um Höhe der Abfindungen einigen können. 350 Menschen betroffen.

Foto: dapd
Mitarbeiter der FTD protestieren gegen Schliessung
Mitarbeiter der Wirtschaftsmedien des Verlags Gruner+Jahr Ende Dezember am Baumwall in Hamburg

Hamburg. Nach dem Aus der "Financial Times Deutschland" können sich der Verlag Gruner + Jahr und die Arbeitnehmer nicht auf einen Sozialplan für die 350 Mitarbeiter einigen. Die Verhandlungen für die Beschäftigten der Zeitung und ihrer Schwester-Magazine "Capital", "Impulse", "Business Punk" und "Börse Online" seien gescheitert, teilte der Betriebsrat am Dienstag mit. Er habe nun das gesetzliche Einigungsverfahren eingeleitet, in dem ein Arbeitsrichter zu vermitteln versucht und im Zweifelsfall die ausschlaggebende Stimme für eine Entscheidung hat. Ein Verlagssprecher bestätigte das Scheitern der Gespräche.

Der Verlag will den Mitarbeitern maximal zwölf Monatsgehälter als Abfindung zugestehen. Je Beschäftigungsjahr ist ein halbes Monatsgehalt vorgesehen, bei Verzicht auf eine Kündigungsschutzklage soll ein weiteres halbes Monatsgehalt hinzukommen. Das ist aber dem Betriebsrat zu wenig. Der Verlag lehne es zudem ab, allen Mitarbeitern einen fixen Abfindungs-Sockelbetrag und älteren Mitarbeitern eine höhere Abfindung zu zahlen, beklagte der Betriebsrat. "Gruner + Jahr wird seiner sozialen Verantwortung damit nicht gerecht und das in der schlimmsten Medienkrise seit Bestehen der Bundesrepublik", erklärte Betriebsratschefin Anke Schulz. "Das aktuelle Angebot reicht nicht an frühere Sozialpläne heran, die Gruner + Jahr geschlossen hat."

Der Hamburger Verlag will die betroffenen Mitarbeiter nun einzeln auf seine Seite ziehen: Alle Entlassenen sollen ein Angebot erhalten, das als Abfindung ein Gehalt je Beschäftigungsjahr vorsieht.

Das Medienportal "Meedia" verbreitete am Abend eine Stellungnahme der G+J-Geschäftsleitung, die in einer Mail das Scheitern der Verhandlungen bedauerte: "Da die Einigungsstelle als streitiges Verfahren im Ergebnis auch hinter den bisherigen G+J-Dotierungen eines Sozialplans zurückbleiben kann, löst die Geschäftsleitung das gegenüber den Mitarbeitern gegebene Versprechen einer fairen Lösung individuell ein: Heute bekommen alle gekündigten Mitarbeiter ein Vertragsangebot auf Basis der bisherigen G+J-Sozialplanabschlüsse (u.a. ein Gehalt pro Jahr der Beschäftigung)."

Die Einstellung der "FTD" Anfang Dezember war eine der schwersten Erschütterungen in der deutschen Medienbranche. Der mehrheitlich zu Bertelsmann gehörende Verlag hatte dem lachsrosa Blatt nach zwölf verlustreichen Jahren den Geldhahn zugedreht. Angesichts sinkender Auflagen und wegbrechender Anzeigenerlöse in der Zeitungsbranche bangt unter den überregionalen Blättern auch die "Frankfurter Rundschau" um ihre Existenz. Gruner + Jahr, Europas größter Zeitschriftenverlag, hatte 2011 einen Betriebsgewinn (operating Ebit) von 233 Millionen Euro geschrieben und damit zwölf Prozent zum Konzernergebnis beigetragen.

(Reuters/HA)
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