03.01.13

Medien

Sendung "Wie werd' ich genialer?": Wenn Fernsehen schlau macht

Komiker Lutz van der Horst und Gedächtnisweltmeisterin Christiane Stenger ergründen in der neuen Doku-Reihe auf ZDFneo den Weg zur Genialität.

Von Barbara Möller
Foto: Frank W. Hempel/ZDF
Wie werd   ich genialer?
Komiker Lutz van der Horst fragt sich in der neuen TV-Serie, ob und wie der Mensch seine Intelligenz beeinflussen kann

Berlin. Das Wichtigste sei, dekretierte Albert Einstein, dass man nie aufhöre zu fragen. Insofern ist die Frage, ob man durch die Steinzeit-Diät klüger werden kann - auf den Tisch kommt nur, was man erjagen und ersammeln kann -, legitim. Praktisch ist sie natürlich Mumpitz. Jedes kleine Kind weiß ja inzwischen, dass das Gehirn in Fahrt kommt, wenn man ein Stück Schokolade oder einen Müsliriegel isst. Andersherum gesagt: Der Steinzeitmensch, der sich noch keine Kohlenhydrate beschaffen konnte, war bekanntlich nicht gerade eine Intelligenzbestie.

Aber, egal. Die Auftaktreportage zur neuen ZDFneo-Serie "Wie werd' ich ...?" ist trotzdem unterhaltsam. Darin gehen der Komiker Lutz van der Horst und Gedächtnisweltmeisterin Christiane Stenger der Frage nach, ob der Mensch seine Intelligenz beeinflussen beziehungsweise verbessern kann.

Und weil sie das im Selbstversuch machen, fällt die Suche nach der Antwort unterhaltsam aus. Stenger setzt sich in die Sauna, um zu "dehydrieren" und so durch negative Beweisführung zu erhärten, was ein Ernährungswissenschaftler behauptet: "Wer geistig fit sein will, muss einen Liter mehr trinken als die anderen." Van der Horst lässt sein Hirn im Versuchslabor mit Gleichstrom stimulieren, um seine Gedächtnisleistung zu verbessern. Zumindest kurzfristig. Denn auf Dauer, das sagt ihm der Göttinger Neurophysiologe Walter Paulus, wird dieser technische Trick nicht helfen. Dagegen scheint die Methode der "Life Kinetik" vielversprechender. Ein Hören-tasten-sehen-Trainingsprogramm, das das Gehirn aus dem gewohnten Trott bringt und dadurch flexibler macht. Versuchen Sie mal, mit der rechten Hand Achten in die Luft zu malen und mit dem linken Fuß gleichzeitig einfache Kreise, und Sie wissen sofort, was gemeint ist!

Dadurch wird man natürlich nicht zum Einstein oder zum Mozart. Für das eigentliche Genie ist nämlich die sogenannte fluide, also die vorgegebene Intelligenz zuständig und nicht die kristalline, also die Intelligenz, die man sich im Laufe des Lebens erwirbt und die sich durch Erfahrungsmuster verbessern lässt. Aber im Prinzip geht es Stenger und van der Horst in der Auftaktfolge zu ihrer neunteiligen Dokutainment-Reihe ja auch nicht wirklich darum, ob der Mensch "genialer" werden kann, sondern darum, ob er lernen kann, seine intellektuellen Ressourcen durch bestimmte Verhaltensweisen besser zu nutzen. In den nächsten Wochen werden sie sich dann damit beschäftigen, ob oder wie der Mensch schlanker, ein besserer Liebhaber, berühmt, mächtig oder Hausbesitzer werden kann.

Fragen, die sich, wie Senderchefin Simone Emmelius glaubt, jeder von uns schon einmal gestellt hat. Das soll dem Spartenkanal "eine gewisse Mainstreamigkeit" verpassen. Anspruch von ZDFneo sei es, intelligentes und unterhaltendes Fernsehen für Menschen zwischen 25 bis 49 Jahren zu machen, "denn", so Emmelius, "wir müssen auch aufpassen, dass wir uns nicht zu sehr in eine Nische entwickeln". Sie hat die Ein-Prozent-Marke im Blick, und die kontinuierliche Entwicklung von "ZDFneo" gibt ihr recht: Aus den 0,2 Prozent Anteil am Gesamtmarkt beim Start im November 2009 sind inzwischen 0,7 Prozent geworden. "Es werden mehr", sagt Emmelius, die die Verjüngungs- und Experimentierbühne des veralteten Mainzer Senders seit April leitet. Aber es sind eben doch noch verschwindend wenige, die sich bei ZDFneo "unterhalten, verblüffen, informieren" lassen wollen.

Dabei wird den Moderatoren einiges abverlangt. Lutz van der Horst, der mal als "Blasehase" bei Stefan Raab angefangen, danach als Autor für die Harald-Schmidt-Show oder "Switch reloaded" gearbeitet hat und inzwischen zum hoch dekorierten Ensemble der ZDF-"heute show" gehört, hat für sich jedenfalls schon mal eine Grenze definiert. "Ich möchte nie wieder", hat der 37-jährige Kölner nach den Dreharbeiten zu "Wie werd' ich ein besserer Liebhaber?" zu Protokoll gegeben, "fürs Fernsehen onanieren."

"Wie werd' ich genialer?", ZDFneo, Do 21 Uhr

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