03.01.13

Krimis

Michael Koglins "Seelensplitter": Galerie der Grausamkeiten

Gewalt spielt in vielen Kriminalromanen eine zunehmend größere und erfolgreiche Rolle. Auch der Hamburger Autor setzt auf den blutigen Trend.

Von Volker Albers
Foto: Steven Haberland
Der Hamburger Autor Michael Koglin
Der Hamburger Autor Michael Koglin

Hamburg. Der Häkelkrimi der britischen Schule à la Agatha Christie ist Schnee von gestern. Perfide Methoden des Tötens - "exquisite Grausamkeiten" hat Jan Philipp Reemtsma das einmal im Zusammenhang mit den Romanen von Stephen King genannt - haben längst Einzug gehalten in die Welt des Kriminalromans und die Bestsellerlisten erobert. Allen voran Skandinavier wie Henning Mankell oder Jo Nesbö, aber auch amerikanische Autorinnen wie die ehemalige Staatsanwältin Jilliane Hoffman oder Karin Slaughter haben in ihren Thrillern Mordmethoden ersonnen, die schon mal schwer verdaulich sein können. Immerhin, der Erfolg ist auf ihrer Seite. Blood sells.

In Deutschland hatte die Publizistin Thea Dorn (ein Pseudonym, das dem Philosophen Theodor W. Adorno huldigt) in den späten 1990er-Jahren ansehnliche Verkaufszahlen mit brutalen Thrillern wie "Die Hirnkönigin". Heute reiht sich der Berliner Sebastian Fitzek in diese Galerie der Grausamkeiten ein.

Der in Hamburg lebende Autor Michael Koglin, Jahrgang 1955, hat bereits eine Vielzahl von Kriminalgeschichten geschrieben, wenngleich erst vor wenigen Jahren mit seiner Kommissar-Mangold-Trilogie "Bluttaufe", "Blutengel" und "Blutteufel" eine - wie die Titel nahelegen - recht blutrünstige, gleichwohl aber erfolgreiche Reihe ins literarische Leben gerufen. "Ich habe mich irgendwann darüber geärgert, dass Autoren wie etwa Klüpfel und Kobr mit ihren Kluftinger-Krimis den Kriminalroman in einen comedyartigen Bereich gezogen haben", sagt Koglin, der sich auch mit historischen Hamburg-Führern und seinen kriminalistischen "Dinner for one"-Adaptionen einen Namen gemacht hat.

Und so machte sich der gebürtige Büdelsdorfer daran, dem "Heimatroman mit Leiche", wie er es nennt, harte realitätsbezogene Geschichten entgegenzusetzen, dabei dem marketingmäßig angesagten Trend zu Ein-Wort-Titeln à la Stieg Larsson oder Jussi Adler-Olsen folgend. "Diese Titel funktionieren, weil sie einprägsam sind."

Tipps und Anregungen bezüglich der Art des Tötens holt sich Koglin auch von Klaus Püschel, dem Direktor des Instituts für Rechtsmedizin am UKE. Und so ist das, was in den Romanen zu lesen steht, durchaus auch Reflex dessen, was in der Realität tatsächlich passiert ist. Nur, warum möchte man das lesen? Die Lust am Tabubruch und die diese Lust immer stärker bedienenden TV-Serien wie "CSI" sieht Koglin als ein gesellschaftliches Phänomen dieser Entwicklung. Wird die Arbeit eines Rechtsmediziners im Fernsehen gezeigt, "wollen die Menschen offenbar nicht mehr die Wegblende".

Es ließe sich auch so sagen: In einer bilderüberfluteten Mediengesellschaft müssen die offensichtlich visuellen Reize wie auch jene, die beim Lesen innere Bilder hervorrufen, immer ausgeprägtere und detailliertere Formen annehmen. Nur so können bestimmte Bedürfnisse offenbar befriedigt werden.

"Schon in den 50er- und 60er-Jahren gab es allerdings äußerst brutale Serienmörder - und das auch in Deutschland, nicht nur in Amerika", sagt Koglin. Jedoch: In Kriminalromanen wie auch im Fernsehen fanden sich deren Taten lediglich in Andeutungen wieder, die der Fantasie Raum ließen.

Die Zeiten haben sich gewandelt, eine große Zahl von Lesern goutiert die Schilderung von Brutalität und Grausamkeit, wie sie sich auch in Koglins aktuellem Thriller "Seelensplitter" um eine Mordserie in einer Therapiegruppe findet - ohne allerdings voyeuristische Tendenzen zu bedienen. "Es geht mir ja darum zu zeigen, wie diese Täter ticken, und darüber sagt der Akt des Tötens sehr viel aus. Jede dieser Taten ist eine ungeheure Machtdemonstration. Schließlich ist der gewaltsame Tod eines Menschen nun mal nichts Lustiges. Das zu schönen ist nicht meine Sache." Was dem Autor beim Schreiben und sich Hineinversetzen in die "kranke Logik" des Täters allerdings wenig Freude bereitet. "Ich fühle mich wirklich mies dabei. Aber was ich beschreibe, ist im Vergleich zu dem, was bestimmte Serientäter tatsächlich anrichten, ja eher harmlos", sagt Michael Koglin. Es gibt beruhigendere Aussagen.

Michael Koglin: "Seelensplitter". Goldmann TB, 316 Seiten, 8,99 Euro

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