20.11.12

Das Operncamp

Wach bleiben als oberstes Opern-Gebot

Die Frage "Wie überlebt man Oper?" stellen sich viele. Das Opernloft weiß Abhilfe und verrät Tipps und Tricks für den Operbesuch.

Foto: Opernloft
Opernloft Opernkomödie
Zwei Platzanweiserinnen (Theresa Derksen und Angelica Böttcher, r.) weisen Opernneulingen den richtigen Weg

Opernloft. Gehören Sie auch zu den glühenden Opernfeinden? Beschert Ihnen allein der Gedanke an gellende Spitzentöne der Koloratursopranistinnen einen Tinnitus? Löst schon die Vorstellung einer mehrstündigen Wagner-Vorstellung zwanghaftes Gähnen und ein unwiderstehliches Schlafbedürfnis aus? Und dann noch diese Qual der Wahl vor einem Opernbesuch. Nicht nur für kultur- und modebewusste Damen. Welche Kleidung? Elegant oder betont salopp? Brokat, Samt oder schlichtes Schwarz? Jeans - ja oder nein? Bewahren coole Sneaker auf poliertem Marmorboden vor Ausrutschern? Oder sind Turnschuhe tabu? Fragen über Fragen. Antwort und Abhilfe verspricht nun "Das Operncamp" und gibt Neulingen in der elitären Welt der musikalischen Musentempel einige Tricks und Tipps an die Hand, wie man Oper ohne Fauxpas oder psychische Folgeschäden überlebt.

Zwei charmante Platzanweiserinnen, die Sopranistin Theresa Derksen und der Mezzo Angelica Böttcher, nehmen sich der Zuschauer an und weisen ihnen den Weg auf dem fremden Terrain. Die Opernloft-Leiterinnen Inken Rahardt und Susann Oberacker hatten die Idee für "Das Operncamp", in dem die Zuschauer auch ihre Operntauglichkeit testen können. Sie wollen ihnen Lust auf Oper machen und helfen, Hemmschwellen und Vorurteile möglichst abzubauen. "So bescheuert Oper manchmal sein kann, so schön kann sie auch sein und durch die Musik wirklich berühren", sagt Rahardt.

Nach den Textskizzen der beiden erarbeiteten Regisseurin Nina Pichler und die Sängerinnen eine Szenenfolge, die mit dem Kartenkauf und Benimmregeln für den Besuch beginnt. "Beim Aufsuchen seines Platzes sollte man dem fein ausstaffierten Feind, dem Operngourmet, freundlich ins Auge blicken, statt ihm die kalte Schulter zeigen", rät Pichler. Auch sei Vorsicht mit Operntiteln geboten. "Sie halten meist nicht, was sie versprechen", sagt sie und scherzt: "Tosca wäre sehr zu empfehlen, während ich vom gleichnamigen Parfüm dringend abrate." Ein anderes Beispiel sei Beethovens "Fidelio". Wer glaube, der Abend könnte recht fidel und lustig ausfallen, der irre gewaltig. Die einzige Oper des großen Symphonikers spielt im Staatsgefängnis. Fidelio ist der beziehungsreiche Deckname von Leonore und leitet sich aus dem Lateinischen ab: fidelis bedeutet treu. Also: die treue Gattin schleicht sich als junger Mann verkleidet in den Kerker, um ihren geliebten Florestan zu befreien. Immerhin Happy End mit großem Chor.

Wie hält es die ausgewiesene Schauspielregisseurin mit der Oper? "Meine erste Theatererfahrung machte ich mit 19 Jahren am Staatstheater Wiesbaden als Hospitantin in der 'Fledermaus' und bin seitdem ziemlich skeptisch. So wie ich es jetzt sehe, werde ich nie eine Oper inszenieren." Doch die Regie beim locker ironischen Opern-Digest, der unterhaltsam mit dem Genre umgehe, macht ihr Spaß. Ebenso das Probieren mit den beiden Sängerinnen. "Ich versuche immer, nicht groß zu inszenieren, wenn sie singen, sondern mit Bildern und Text zu arbeiten." Direkt bleiben und nichts aufsetzen, lautet Pichlers Prinzip aus dem Sprechtheater. Denn Wachbleiben sei die Grundvoraussetzung für einen Opernabend auf Publikums- wie Sängerseite.

Mit einem Satz bringen Derksen oder Böttcher die Handlung einer vierstündigen Oper auf den Punkt. Beweist doch schlagend, wie umständlich Textdichter und Komponisten zu Werke gehen, nur um ihre oft zweifelhaften Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Denn welcher Mensch könnte mit einem Dolch im Herzen noch lange eine Arie singen und die Töne treffen, ohne zu röcheln oder Blut zu spucken? Oft seien die Plots auf dem Niveau einer Daily Soap, findet die Regisseurin und spöttelt: "Bruder liebt Schwester, Frau betrügt Mann, manchmal rafft der Zuschauer eigentlich gar nichts, weil er den Text nicht versteht, aber das ist auch egal." Dem Musikfreund kommt es auf die Musik an. Basta.

Natürlich können auch wahre Opernfans am Nachhilfeunterricht in Sachen Musikdrama auf ihre Kosten kommen und Freude daran haben. Sind sie doch unter den Ahnungslosen oder Opernmuffeln Kenner und feinsinnige Genießer der Materie. Für die beiden Fraktionen hält die Begegnung miteinander und mit Ausschnitten berühmter Arien vermutlich ein paar Erkenntnisse und Überraschungen bereit.

"Wie überlebt man Oper? - Das Operncamp" Uraufführung, heute 20.00 Uhr, Opernloft (U Gänsemarkt), Fuhlentwiete 7, Karten zu 11,50 bis 37,90 unter T. 25 49 11 40; www.opernloft.de

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