18.11.12

Fabrik

Sophie Hunger: Fast zu schön, um wahr zu sein

Die Schweizerin spielt makellose, wunderschöne Musik. Hungers Stimme ist umwerfend. Manchmal verlor sie sich in ihrer Perfektion.

Von Christian Unger
Foto: Augustin_Rebetez/Beats International
Sophie Hunger
Die Schweizer Sängerin Sophie Hunger

Niemand, niemand kennt mich wie du
Unbedingt, ich geb alles zu
Keine Enttäuschung, kein einziges Mal
Aber dir ist eh alles egal

Ein Liedtext von Sophie Hunger. Nichtraucher sind die neuen Raucher, singt sie auch. Oder dass die Dreißigjährigen die neuen Zwanzigjährigen sind. Hungers Musik sind Gedankenpuzzle, Lieder für den Kopf, auch das. So nachhaltig wie Bio-Tomaten oder Äpfel aus der Region. Tolle Musiker stehen auf der Bühne in der Fabrik in Ottensen an ihrer Seite, Hungers Stimme ist umwerfend, klar, makellos. Das Konzert ist ausverkauft, die Zuschauer applaudieren bis zur dritten Zugabe nach anderthalb Stunden Show. Uns geht es gut.

Der Erfolg der Alben "Monday's Ghost" und "1983" (Hungers Geburtsjahr), Touren in Europa und Nordamerika und mehrere Musikpreise haben aus der Schweizer Songschreiberin eine selbstbewusste Künstlerin gemacht. Ihre Musik hat sich noch weiter veredelt.

Konzerte mancher Bands liegen so schwer im Magen wie Currywurst mit Pommes. Weil die auf ihren Gitarren schrammeln,weil sie laut und deftig sind. Hunger spielt eine Mischung aus Jazz, Singersongwriter und Rock. Die erste gute halbe Stunde des Konzerts in der Fabrik ist aber vor allem eines: viel Melancholie, nachdenkliche Balladen, Schmuserock für die postmodernen Performer. Viele Frauen, viele Pärchen lauschen und lächeln. Wer nur sein Bier zum Streicheln hat, wird mürrisch.

"Jedes Mal, wenn ich mit neuen Aufnahmen beginne, überlege ich mir, wie ich die Energie unserer Konzerte ins Studio übertragen kann", hat Hunger über ihre Musik gesagt. Dafür aber fehlt das Frittenfett bei ihrem Auftritt in der Fabrik. Der Spritzer Sauce, der bei einem Auftritt immer daneben geht, die Spontaneität, das Verrückte. Irgendwann fragt man sich: Spielt da jemand nur laut das neue Album von CD ab? Perfektion und Schönheit der Lieder kippt an diesem Abend manchmal: die Musik wirkt glatt, ohne Ecken und Kanten. Verkopft. Auch am Ende, als die Gitarren noch einmal laut schrammeln, als Hungers Stimme im Schrei erstickt, bleibt ihre Musik kontrolliertes Chaos.

"Ich wollte diesmal unbedingt einen außenstehenden Produzenten, der eine klare Meinung hat und Dinge von einer anderen Seite sieht", erklärte Hunger. Sie fand den Amerikaner Adam Samuels, der schon die Indie-Band "Warpaint" und die Musiker Daniel Lanois (auch bei U2) und John Frusciante (auch Red Hot Chili Peppers) produzierte. Der Einfluss des amerikanischen Pop ist auch spürbar auf Hungers aktuellem Album "The Danger of Light", aus dem sie an diesem Abend in der Fabrik viele Lieder spielt. Leichtigkeit, das Unentschlossene und Zweifelnde ist dabei ein Stück verloren gegangen.

Hunger gibt der Bionade-Bohème ihren Soundtrack. Kreativität, Ästhetik, Kritik, aber auch Sicherheit und Sauberkeit – all das spielt sie, all das ist ihre Musik. Sie darf dazwischen nicht erdrückt werden.

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