Konzerte

Folkert Koopmans, Hamburgs Herr der Rockfestivals

Foto: Juergen Joost

Folkert Koopmans' jüngstes Projekt ist der Kultursommer auf der Trabrennbahn. Mit 17 Jahren organisierte er sein erstes Konzert.

Hamburg. "Amuthon", steht in altertümlichen Großbuchstaben auf dem gerahmten DIN-A4-Plakat. Darunter in etwas ungelenker Schreibschrift "Schulzentrum Marienhafe", "31.1." und "3 Mark". "Das war das erste Konzert, das ich damals mitorganisiert habe", erzählt Folkert Koopmans. Damals steht für 1981 und ein Jugendzentrum in der Nähe von Norden/Ostfriesland. 17 Jahre alt war Koopmans, machte eine Lehre als Industriekaufmann, aber war mehr an Rockmusik als an Tabellenkalkulationen interessiert. Fast 30 Jahre später gehört er zu den Schwergewichten der deutschen Veranstalterbranche. Zwölf Festivals organisiert seine Firma FKP Scorpio jedes Jahr, am vergangenen Wochenende feierten sowohl das Area 4 in Lüdinghausen als auch das Highfield im sächsischen Großpösna neue Besucherrekorde.

Nischen sind lukrativer als gerade angesagte Trends

Als Koopmans im August 1990 seine Firma Scorpio gründete, suchte er nach Nischen. "Wir haben damals vor allem Reggae- und Blues-Konzerte organisiert. Das wollte keiner machen. Mit Nischen kann man sehr gut Geld verdienen, besser als mit gerade angesagten Trends", sagt er. Und mit Festivals. Daran glaubte kaum einer seiner Branchenkollegen. "Damit gehst du baden", wurde er gewarnt, als er 1997 auf dem Eichenring in Scheeßel das erste Hurricane-Festival veranstaltete.

Doch bereits im ersten Jahr kamen 20.000 Fans in die Nordheide, um Bands wie INXS, Rammstein und Daft Punk zu erleben. Inzwischen zählt das Hurricane mit der Schwester-Veranstaltung Southside zu den erfolgreichsten deutschen Festivals. 70.000 Fans kamen in diesem Jahr allein nach Scheeßel.

60 Mitarbeiter beschäftigt Koopmans inzwischen, 60 Millionen Euro setzt er jährlich um, seinen Firmensitz hat er vor ein paar Jahren aus Eimsbüttel an die Große Elbstraße verlegt. Der Chef und viele seiner Angestellten werden von Besuchern um ihren Blick auf den Hafen und das Containerterminal beneidet. "Da ich die meiste Zeit der Woche in meinem Büro verbringe, möchte ich auch ein angenehmes Ambiente um mich haben", sagt der "Herr der Festivals".

Das Telefon klingelt ohne Unterlass, die Tür ist meistens offen, ständig kommen Mitarbeiter herein, um schnell ein paar organisatorische Sachen zu klären oder eine Entscheidung des Chefs zu bekommen. Der drahtige, nicht eben groß gewachsene Mittvierziger ist der Typ des beharrlichen, zielstrebigen Machers. Oder, negativ ausgedrückt, ein ostfriesischer Sturkopf. Einer, der sich nicht aus der Ruhe bringen lässt, der seinen Beruf liebt. "Nach der Lehre habe ich drei Monate als Disponent in Bremen bei Jacobs Kaffee gearbeitet, aber das war fürchterlich langweilig", erinnert er sich.

Im vergangenen Jahr hat er, inspiriert vom Baltic Soul Weekender, den Rolling Stone Weekender am Weißenhäuser Strand kreiert, in diesem Jahr ist er ins Elbjazz-Festival in Hamburg eingestiegen. "Wenn man ein gutes Konzept hat, könnte man ein weiteres Festival an den Start bringen, trotz der großen Konkurrenz", sagt er, und man sieht ihm an, dass in seinem Kopf bereits weitere Ideen herumschwirren.

Stillstand kennt Folkert Koopmans nicht. In diesem Jahr liegen ihm sein Beatlemania-Museum an der Reeperbahn und der "Kultursommer" auf der Trabrennbahn Bahrenfeld besonders am Herzen. "Die Stadt Hamburg hat das Beatles-Jubiläum komplett verschlafen", kritisiert er. "In Liverpool lebt der Tourismus seit 20 Jahren davon." 1,3 Millionen Euro benötigt er, um die Beatlemania-Schau attraktiver zu machen, Unterstützung von der Stadt ist bisher ausgeblieben. Auf der Trabrennbahn Bahrenfeld würde er gerne ein Open-Air-Gelände für 5000 bis 15 000 Zuschauer als Ergänzung zum Stadtpark etablieren. "Wie beginnen in diesem Jahr mit vier Veranstaltungen und haben das Gelände jetzt für drei Jahre zur Verfügung. Aber wir können nur investieren, wenn wir langfristige Verträge bekommen." Auch hier hofft er auf ein Signal und Unterstützung der Stadt.

Smashing Pumpkins auf dem Kiez war der Höhepunkt seiner Karriere

Im Büro hängt nicht nur sein erstes Konzertplakat aus Marienhafe, sondern auch ein mit Weitwinkel aufgenommenes Foto eines menschengefluteten Spielbudenplatzes. Jedes Dach, jede Laterne war mit Zuschauern besetzt, alle wollten damals im Mai 1997 die Smashing Pumpkins erleben. Umsonst und draußen mitten auf dem Kiez. 35 000 Musikfans strömten damals auf den Spielbudenplatz, alles blieb gesittet.

In seiner Veranstalterkarriere nimmt dieses Konzert den Top-Platz ein. Der Gedanke daran lässt Koopmans immer noch grinsen: "Das war schon sensationell und wird es wohl auch nie wieder geben."

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