Magazin "Cicero" erhält einen neuen Chefredakteur

Christoph Schwennicke soll im Frühsommer Nachfolger von Michael Naumann werden

Hamburg. Die in Berlin vom Schweizer Ringier-Verlag herausgegebene Monatszeitschrift "Cicero" zählt zu den Titeln, die viele schätzen, aber nur wenige lesen. Zwar liegt die verkaufte Auflage des Blattes, das sich als "Magazin für politische Kultur" versteht, bei 83 118 Exemplaren. Davon wird aber über die Hälfte verbilligt abgegeben - etwa an Fluggesellschaften oder an Lesezirkel. Eine Trendwende ist nicht in Sicht. Im Gegenteil: Zuletzt ging die sogenannte harte Auflage, die sich aus Einzelverkauf und Abonnements zusammensetzt, im Vorjahresvergleich um gut 2000 auf nur noch 37 921 Exemplare zurück.

Insofern kommt die Meldung der "Süddeutschen Zeitung" (SZ) nicht überraschend, dass bei "Cicero" ein Chefredakteurswechsel ansteht. Nach Informationen, die dem Abendblatt vorliegen, wird der derzeitige "Cicero"-Chef, der ehemalige Hamburger SPD-Bürgermeisterkandidat und einstige "Zeit"-Herausgeber Michael Naumann, von dem "Spiegel"-Hauptstadtkorrespondenten Christoph Schwennicke abgelöst. Offenbar soll der Wechsel zwischen Mai und Juli vollzogen werden. Eine offizielle Bestätigung der Personalie gibt es aber nicht.

In der bewegten Geschichte des 2004 vom ehemaligen "Welt"-Chef Wolfram Weimer in Potsdam als deutsches Pendant zu amerikanischen Debattenmagazinen wie "Atlantic Monthly" gegründeten "Cicero" wird Schwennicke der dritte Chefredakteur sein. Im Gegensatz zu dem bekennenden Konservativen Weimer und dem bekennenden Sozialdemokraten Naumann ist er keinem politischen Lager zuzuordnen. Anders als seine Vorgänger gilt der 45-Jährige nicht nur als meinungs-, sondern auch als recherchestark. Gut möglich, dass sich unter Schwennicke, der bis 2007 das "SZ"-Hauptstadtbüro leitete, die Gewichte bei "Cicero" verschieben werden.

Eine Kurskorrektur täte dem Blatt auch gut. Zuletzt machte es mit der "Cicero"-Affäre Furore. Der Autor Bruno Schirra hatte in einem Stück über einen arabischen Terroristen aus geheimen Akten des Bundeskriminalamts zitiert. Die Staatsanwaltschaft durchsuchte später seine Wohnung und die Redaktion, was sie laut Bundesverfassungsgericht nicht gedurft hätte. Schirras Stück erschien 2005.

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