13.11.12

Bramfeld

Siedlung am Nüßlerkamp - jetzt kommen die Bagger

Sieben Bewohner wollen aus heruntergekommenen Häusern nicht ausziehen. Unternehmen plant dort Sozialwohnungen. Abriss beginnt.

Von Julia Janssen, Ricarda Twellmann
Foto: Julia Janssen
Nüßlerkamp_Peter_Grybski
Peter Grybski mit seinem Hund vor den heruntergewohnten Häusern

Hamburg. 33 Quadratmeter, ein Zimmer, weder warmes Wasser noch eine Zentralheizung. So lebt Peter Grybski seit über 25 Jahren am Nüßlerkamp in Bramfeld. Wenn es nach ihm ginge, soll sich daran nichts ändern. Doch das schäbige Reihenhaus, das sein Zuhause ist, soll abgerissen werden. Der Eigentümer, das Grevener Wohnungsunternehmen Sahle Wohnen, will hier Sozialwohnungen bauen. Seit Jahren herrscht Streit zwischen dem Wohnraumanbieter und den Mietern. Die meisten von ihnen sind mittlerweile gegangen. Geblieben sind neben Grybski nur noch sechs weitere Mitstreiter.

Seit Jahren wird um die Zukunft der 1949 erbauten Reihenhäuser mit rund 60 Wohnungen am Nüßlerkamp 11 bis 19 gezankt. Bis 1999 waren sie in privater Hand. Der damalige Besitzer kümmerte sich nur um das Nötigste und ließ die Immobilien verkommen. Dann übernahm die Saga die Verwaltung, bis vor drei Jahren Sahle Wohnen die runtergewohnten Häuser kaufte. Die Mieter fordern die Sanierung der Gebäude, doch ein externes Gutachten belegt, dass das teurer wäre als ein kompletter Neubau. Viele Bramfelder wünschen sich nur eines: dass der Schandfleck endlich verschwindet. Das verwahrloste Gelände wird inzwischen als öffentliche Toilette benutzt.

Grybski will hier bleiben, er zahlt gerade einmal 195 Euro Miete im Monat. So günstig bekommt er nie wieder in Hamburg ein Dach über den Kopf, sagt der Hartz-IV-Empfänger. "Ich würde sofort gehen, wenn ich eine Alternative hätte", sagt er. Das Vorgehen von Sahle Wohnen empfinde er als aggressiv. Anfang des Jahres sei der Auftrag erteilt worden, die Türen von den schon leer stehenden Wohnungen einzureißen. "Da standen sie hier um halb sieben Uhr morgens vor dem Haus - ohne Ankündigung", klagt Grybski.

Sybille Jeschonek, Sprecherin des Unternehmens, ist mit ihrem Latein am Ende. Allen Bewohnern seien verschiedene Angebote gemacht worden, die aber auf wenig Gegenliebe gestoßen seien. "Wir haben Ersatzwohnungen in unseren Häusern in Steilshoop und Neugraben-Fischbek angeboten. Auch die Stadt hat Vorschläge gemacht. Dann haben wir uns per Mediationsverfahren einigen wollen, doch zu dem Termin ist ein Großteil der Mieter nicht gekommen", sagt Jeschonek.

Derzeit laufen gerichtliche Verfahren gegen die sieben verbliebenen Mieter. Spätestens im Dezember sollen sie abgeschlossen sein. Mit einem Bewohner habe man sich mittlerweile einigen können. Er zieht in eine Ersatzwohnung und hat nach Fertigstellung des Neubaus am Nüßlerkamp einen Platz sicher. Die anderen hätten das nicht gewollt. "Wir sind keine Miet-Haie, sondern planen einen Sozialbau", rechtfertigt Jeschonek. Der neue Mietpreis betrage 5,50 Euro pro Quadratmeter, anstatt der bisherigen 3,80 Euro. Außerdem sollen die neuen Wohnung ähnlich groß sein, wie die alten, so dass auch die Miete nicht so sehr steige.

Grybski beklagt sich, dass Sahle Wohnen nichts mehr für die Instandhaltung der Häuser tue. Der Schornsteinfeger sei abgemeldet worden, die Regenrinnen würden nicht mehr gereinigt. "Wir wollen so schnell wie möglich abreißen, also erfüllen wir nur noch unsere Rechtspflichten. Das heißt, wir beseitigen Unfallquellen", sagt Jeschonek. Die bereits leerstehenden Blöcke werden in einigen Wochen abgerissen, das ist sicher.

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