31.01.13

Sturm im Norden

Fischmarkt unter Wasser - Eiszeit in Blankenese

Die erste Sturmflut des Jahres hat Hamburg erreicht. Große Elbstraße gesperrt, U1 war unterbrochen. Scheune in Curslack zerstört.

Von (HA/dpa/dapd)
Foto: dpa

Eine Mutter geht in Hamburg in der Strandstraße in Blankenese mit einem Kind durchs Eis. Das Hochwasser der Elbe am Morgen trieb zahlreiche Eisschollen an Land

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Hamburg/Berlin. In der Nacht ist der bisher stärkste Wintersturm über Norddeutschland gezogen. In Hamburg kam es dazu zur ersten größeren Sturmflut des Jahres. Orkanböen von bis zu 100 km/h setzten den Fischmarkt unter Wasser, die Große Elbstraße wurde in der Nacht zwischen Kaistraße und Fischmarkt gesperrt. Vier Autos mussten von der Feuerwehr aus dem Hochwassergebiet geschleppt werden.

Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) rechnete dabei mit einem Wasserstand von etwa 2,5 Meter über dem mittleren Hochwasser. "Es ist eine kleine Sturmflut, die wir jeden Winter haben, nichts besonderes", so Sylvin Müller-Navarra, Leiter des Sturmflutwarndienst beim BSH. Wegen der Sturmflut ist die Elbfähre in Glücksstadt vorerst gesperrt. Außerdem ist der Fährbetrieb zwischen Cuxhaven und Helgoland vorerst eingestellt.

Auch die Hochbahn ist vom Sturm nicht verschont geblieben. Weil ein Baum auf die Schienen fiel, war der U-Bahnverkehr der Linie 1 zwischen den Haltestellen Ohlstedt und Volksdorf in beide Richtungen eingestellt. Ein Ersatzverkehr wurde eingerichtet.

Kurz nach der Hauptverkehrszeit gegen 8.45 Uhr musste der Betrieb auf dieser Strecke eingestellt werden, da ein Ast den U-Bahn-Betrieb behinderte. Die Feuerwehr arbeitete mit Hochdruck erfolgreich an der Beseitigung des Hindernisses. Um 13:30 Uhr wurde der Betrieb wieder aufgenommen.

In Blankenese trieb das Hochwasser der Elbe am Morgen zahlreiche Eisschollen an Land. Die Strandstraße wirkte wie in einer Eiszeit.

Insgesamt rückte die Hamburger Feuerwehr seit Mittwochabend um 18 Uhr zu 55 witterungsbedingten Einsätzen aus, wie ein Sprecher am Donnerstagmorgen mitteilte. Dabei machten den Einsatzkräften vor allem umgestürzte Bäume oder weggewehte Gerüstplanen zu schaffen.

An der Jaffestraße waren dreißig gestapelte Container (20-30 Fuß) auf die Straße gefallen, unter anderem auf einen LKW. Es wurden umfangreiche Absperr- und Beleuchtungs und Maßnahmen durchgeführt. Verletzt wurde niemand.

Scheune in Curslack eingestürzt

Den größten Einsatz gab es am Mittwochabend in Curslack. Dort hatten am Curslacker Deich teils sturmartige Böen eine rund 150 Quadratmeter große Scheune zum Einsturz gebracht. Ein Windstoß zerstörte zunächst das Reetdach des leerstehenden Fachwerkhauses. Restliche einsturzgefährdete Teile des Stalls wurden durch die Feuerwehr abgetragen.

"Das Alter hat den Rest dazugetan", sagte ein Sprecher der Feuerwehr am Donnerstag. Wegen der alten Bauweise stürzte das Stallgebäude komplett in sich zusammen, Teile fielen auf die Straße und wurden im Rahmen umfangreicher Räumungsarbeiten beseitigt. Rund 40 Feuerwehrleute waren bis in die frühen Morgenstunden mit den Aufräumarbeiten beschäftigt. Personen oder Tiere kamen bei dem Einsatz nicht zu Schaden.

Sturm und Hochwasser auch in Schleswig-Holstein

Sturm und Hochwasser haben am Donnerstagmorgen in Schleswig-Holstein den Fähr-, Straßen- und Zugverkehr beeinträchtigt. Die Fehrmarnsundbrücke war von 4.19 bis 9.20 Uhr für alle Fahrzeuge gesperrt, danach nur noch für Lastwagen, Wohnwagen und Anhänger, teilte die Regionalleitstelle in Lübeck mit.

Die Zugstrecke zwischen Neumünster und Flensburg war laut Bahnpolizei im Bereich Schleswig eine gute Stunde in beide Richtungen gesperrt. Ein Güterzug hatte einen auf die Gleise gewehten Düngemittelcontainer erfasst, der sich unter der Lok verkeilte. Beeinträchtigungen gab es am Morgen auch beim Fährverkehr an der Nordseeküste von Dagebüll nach Amrum und zu den Halligen sowie beim Sylt Shuttle der Bahn.

Sturm kippt Lastwagen um: A20 blockiert

Starke Sturmböen haben auch in Mecklenburg-Vorpommern Schäden verursacht und den Verkehr behindert. Ein Lastwagen kippte am Donnerstag auf der Autobahn 29 nahe der Abfahrt Gützkow (Kreis Vorpommern-Greifswald) um und blockierte seither die Autobahn 20 in Richtung Stettin (Szczecin), wie ein Polizeisprecher am Morgen in Neubrandenburg sagte.

Von Rügen bis zur Seenplatte brachen insgesamt zehn Bäume um und schleuderten zum Teil auf Straßen. So sei die Landesstraße 29 zwischen Binz und Prora auf Rügen deshalb gesperrt. In Wolgast stürzte ein Baugerüst um. Verletzt wurde aber niemand, hieß es.

In Bremerhaven brachte ein Abschleppunternehmen im tiefliegenden Hafenbereich drei Autos rechtzeitig vor dem steigenden Wasser in Sicherheit. Am Schlepperhafen kamen die Helfer allerdings zu spät, berichtete die Polizei am Donnerstag. Dort konnten Feuerwehrleute einen von den Weserfluten umspülten Wagen nur noch mit einem Seil an einem Geländer festmachen, damit es nicht in den Fluss gespült wurde. "Retten konnte man den nicht mehr", sagte ein Sprecher.

Der Sturm erreichte nach Angaben des Hamburger Instituts für Wetter- und Klimakommunikation in Bremen bis zu 79 Kilometer pro Stunde. In Bremerhaven betrugen die stärksten Böen 86 Kilometer pro Stunde, das entspricht Windstärke neun. Das Hochwasser in Cuxhaven war nach den Messwerten des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie um etwa zwei Meter über das normale Hochwasser gestiegen, in Bremen etwas weniger.

Das Orkantief mit dem Namen Lennart hat auch der niedersächsischen Nordseeküste die erste Sturmflut seit mehr als einem Jahr beschert. Auf den ostfriesischen Inseln Wangerooge und Spiekeroog kam es zu Dünenabbrüchen, wie der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) am Donnerstag in Norden (Landkreis Aurich) mitteilte. Auch Sandfangzäune zerstörte der Wind. Größere Schäden wurden aber nicht registriert.

Meteorologen erwarten Temperatursturz und Sturm

Nach dem Frühlingsintermezzo wird es in den nächsten Tagen wieder winterlicher und windig bis stürmisch. Meteorologen vom Deutschen Wetterdienst (DWD) rechnen zum Wochenende vor allem im Norden mit kühleren Temperaturen und auch in tieferen Lagen wieder mit Schneefall.

Begleitet wird der Wetterumschwung am Freitagabend von starkem Wind und Regen. Schon für Mittwoch hatte der DWD Sturmwarnungen für weite Teile Süd- und Mitteldeutschlands herausgegeben. Prognosen über einen "zweiten Frühling" des Winters wollte der DWD in Offenbach indes nicht abgeben.

Der Wetterexperte Dominik Jung vom Portal wetter.net sprach von einem "ziemlichen Auf und Ab". Die kommenden Tage gehe es zu "wie bei einem Jo-Jo". Während am Sonntag winterliche Temperaturen zu erwarten seien, werde es am Montag milder, um dann am Dienstag wieder deutlich abzukühlen. Jung warnte vor Sturm, Hochwasser und vorübergehendem Schneechaos.

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