17.01.13

Oldenburg

Mordversuch an Schwangerer: Sechs Jahre Jugendstrafe

Eine 20-Jährige hatte gestanden, ihrer schwangeren Freundin mit einem Küchenmesser in den Bauch gestochen zu haben. Opfer verlor Baby.

Von Irena Güttel
Foto: dpa
Urteil wegen versuchten Mordes
Die wegen versuchten Mordes angeklagte Sehrivan A. aus Delmenhorst im Landgericht Oldenburg (Niedersachsen)

Oldenburg. Sie wollte ihrer besten Freundin angeblich eine Überraschung geben. Dann zückte sie ein großes Küchenmesser und stach der Schwangeren mehrmals in den Bauch. Wegen Mordversuchs muss die 20-Jährige jetzt eine Jugendstrafe von sechs Jahren verbüßen. Dass ihre Freundin dabei ebenfalls sterben könnte, sei ihr egal gewesen, urteilte das Landgericht Oldenburg am Donnerstag. Sie wollte das Kind töten, hatte die junge Frau bei der Polizei gestanden.

In Handschellen führen Justizangestellte die kleine, gedrungene Frau in den Gerichtssaal. Regungslos verfolgt sie anschließend die Urteilsbegründung. Was sie zu dieser unfassbaren Tat getrieben hat, konnte auch die Gerichtsverhandlung nicht eindeutig klären. "Es bleibt die Frage: Was war in dem Kopf der jungen Frau in dem Moment los?", sagt der Vorsitzende Richter Dirk Reuter. "Man konnte nur schwer in ihr Seelenleben vordringen."

Seit Jahren sind sie und ihr Opfer befreundet. "Sie kennen sich seit der Schulzeit. Die Freundschaft ist eng." Doch dann verliebt sich die Freundin in den älteren Bruder der Täterin. Die beiden werden ein Paar, bald erwarten sie ein Kind. Damit ändert sich alles. Die heute 20-Jährige hat schon länger Probleme mit ihrer Familie. Sie hat die Schule mit schlechten Noten abgeschlossen, eine Ausbildung ist nicht in Sicht. Mit dem Glück ihrer Freundin und ihres Bruders sei sie nicht zurecht gekommen, sagt Reuter.

Außerdem fühlt sie sich schuldig. "Sie macht sich Vorwürfe, dass ihre Familie jetzt unter der Situation leiden muss", sagt der Richter. Ihre Eltern sind entsetzt über die Schwangerschaft. Sie fordern, dass die Freundin das Kind abtreibt. Doch diese weigert sich.

Anfang Juli besucht die Täterin schließlich die andere in deren Wohnung in Delmenhorst. Sie unterhalten sich in der Küche, rauchen, scherzen. Die Schwangere bringt ihre Freundin danach noch nach unten zur Haustür. Diese bittet sie die Augen zu schließen, weil sie ihr eine Überraschung überreichen will. Dann trifft das Opfer der erste Stich in den Bauch. Fünf weitere folgen, außerdem ein Stich in den Hals und den Rücken.

Die damals 18-Jährige flüchtet nach draußen. Blutüberströmt bricht sie in der Fußgängerzone zusammen. Zwei Monate liegt sie im Krankenhaus. Mehrere Operationen sind nötig, um ihr Leben zu retten. Das Kind aber verliert sie. Heimtückisch habe die Täterin gehandelt, urteilt das Gericht. "Sie hat die Arg- und Wehrlosigkeit ihrer Freundin ausgenutzt", sagt Reuter.

Ob die junge Frau tatsächlich sechs Jahre in Jugendhaft verbringen muss, wird sich zeigen. Bei einer guten Entwicklung könne sie möglicherweise schon nach einem Drittel oder der Hälfte der Zeit raus, erläutert Reuter. Verteidiger Gerd-Michael Wellhausen kündigte bereits an, Revision einlegen zu wollen. Er hatte auf zweieinhalb Jahre Haft plädiert, die Staatsanwaltschaft auf sechseinhalb.

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