28.12.12

Hamburg Ballett

Paare auf der Bühne - und dahinter

In John Neumeiers Hamburg Ballett gibt es eine ganze Reihe glücklicher Paare. Wie das die Arbeit in der Compagnie beeinflusst.

Von Hans-Juergen Fink und Klaus Witzeling
Foto: HA / A.Laible
Ballett Tänzer Ehepaare
Dario Franconi und Carolina Agüero (v. l.), Silvia Azzoni und Alexandre Riabko, Anna Polikarpova und Ivan Urban, Anna Laudere und Edvin Revazov

Hamburg. In einer Compagnie mit Weltruf zu tanzen ist harte Arbeit, mit wenig Zeit fürs private Glück? Stimmt nicht: In John Neumeiers Hamburg Ballett gibt es eine ganze Reihe glücklicher Paare, die Romeo und Julia, Hamlet und Ophelia oder Tatjana und Onegin nicht nur gemeinsam tanzen, sondern auch das Leben jenseits von Ballettsaal und Bühne teilen.

Silvia Azzoni und Alexandre Riabko, beide Erste Solisten und im Ballett seit 1993 und 1996, hatten schon kleinere Rollen zusammen getanzt. "Dann gab es 2000 Proben zu Hamlet", sagt die Italienerin Silvia Azzoni. "Dafür mussten wir einen ganz traurigen Pas de deux als Hamlet und Ophelia lernen, und normalerweise versucht man in der Stimmung zu sein, die man da probt. Aber wir haben die ganze Zeit gelacht. Da hat es, glaub ich, geklickt. Dann hat es noch fast ein Jahr gedauert, bis wir zusammen waren." In der Compagnie wurde da längst getuschelt über das, was kaum zu übersehen war.

Carolina Agüero, Erste Solistin, und Dario Franconi, Solist, kennen sich aus Jugendzeiten. "Wir kommen beide aus Córdoba, Argentinien, und haben dort nur ein paar Straßen voneinander entfernt gewohnt", erzählt Carolina. Gemeinsame Herkunft, Leidenschaft fürs Ballett und die Liebe verbindet das Paar. Erst in Dresden und dann sechs Jahre beim Finnischen Nationalballett. "Als wir für Finnland vortanzten", sagt Carolina, "bekamen am Ende ein Tänzer sowie Dario und ich einen Vertrag. Da erst habe ich gesagt, dass wir zusammen sind."

Anna Laudere und Edvin Revazov, beide Erste Solisten, waren lange Zeit Freunde. "Als meine Mutter starb, kümmerte er sich um mich, so kamen wir uns näher." Es sei nicht so einfach, einen Partner zu finden; Leute außerhalb des Balletts hätten oft Probleme mit den Ansprüchen, die dieser Beruf stelle, findet Revazov. "Tanzen ist kein Job, den man um 17 Uhr beendet, sondern eine Lebensweise", sagen beide.

Anna Polikarpova und Ivan Urban, auch sie Erste Solisten, haben acht Jahre gebraucht, um zu spüren, dass sie mehr verbindet als der hohe Anspruch ans Tanzen. "Das wird noch härter, wenn man gemeinsam versucht, perfekt zu werden. Man sagt einander Sachen, die man anderen nie so direkt sagen würde. Das macht das Arbeiten einfacher - einerseits, und andererseits auch wieder nicht."

Acht Jahre sind eine lange Zeit, aber dann geht's manchmal sehr schnell mit dem Heiraten. Anna Polikarpova erzählt: "Das war auf einer Tournee durch die USA, in Orange County. Aufgrund des Jetlags konnte Ivan nachts nicht schlafen und sagte plötzlich: 'Lass uns heiraten' - um fünf Uhr morgens. Ich sagte: ,Ja, lass uns heiraten.' Dann sind wir nach Las Vegas geflogen und haben dort richtig geheiratet. Auf der Bühne hatten wir ja schon ganz oft geheiratet."

Auch Alexandre Riabko fragte Silvia Azzoni während einer Tournee, 2005 in Italien. Bis dahin war sich Azzoni, deren Eltern geschieden sind, sicher: "Ich habe nie geglaubt, dass ich mal heirate. Dann hat Sascha mich gefragt, und es hat keine Sekunde gedauert, und ich wusste: Ja, das ist der Mann."

Gemeinsam, da sind sich alle einig, findet man leichter den richtigen Weg zur tänzerischen Perfektion, aber die Auseinandersetzung um den Weg dahin ist persönlicher und schonungsloser als mit anderen Tanzpartnern. Carolina Agüero sagt: "Alle Paare kämpfen doch miteinander. Bin ich mal müde oder schlechter Laune, kann es im Studio schon passieren, dass ich etwas sage, was ich zu einem anderen nicht sagen würde. Aber beim Tanzen auf der Bühne ist alles vergessen." Und Anna Polikarpova verrät: "Wenn wir streiten, ist das eine sehr kurze Sache."

Tanzen sie am liebsten gemeinsam? Das "Ja" ist bei allen eindeutig, und dafür gibt es viele wunderbare Rollen. Polikarpova und Urban nennen Cinderella und den Prinzen, "das war schon ziemlich romantisch". Oder Peer Gynt und Solveig. Oder die Kameliendame. Die mögen auch Anna Laudere und Edvin Revazov oder Tatjana und Onegin. Silvia Azzoni überlegt kurz, was sie beide am liebsten mögen, "vielleicht Mahlers Dritte?" Sicher ist: "Am Ende sind wir, wenn wir auf der Bühne zusammen tanzen, immer glücklich."

In "Préludes CV", einer Neumeier-Choreografie, die jetzt wieder getanzt wird (8. und 9.1., 11.-13.1., jeweils 19.30 Uhr, Staatsoper), stehen die Beziehungen und Brüche zwischen Menschen im Mittelpunkt. Da tanzen Azzoni und Riabko miteinander. Aber auch mit anderen Partnern muss Bühnen-Liebe echt wirken. Gibt's da auch mal Eifersucht? Silvia Azzoni lacht: "Wenn ich mal bei den Proben von Sascha zugucke, und er tanzt mit einer anderen, genieß ich das, ich sehe ihn noch mal mit ganz anderen Augen." Riabko stimmt ihr zu: "Unsere Kollegen machen sich sehr viel mehr Sorgen, wenn ich in einer Rolle mal eine andere küssen muss."

Ob reale Beziehungen zwischen den Paaren John Neumeiers choreografische Arbeit beeinflussen? "Er weiß sicher, dass da eine besondere Spannung ist", vermutet Anna Polikarpova. Alexandre Riabko sieht das ähnlich: "Vielleicht spürt er intuitiv, dass da was ist und bezieht das in seine Kreation ein. Daraus entstehen sehr interessante Sachen."

Aber nicht nur das Tanzen gewinnt; auch Familie lässt sich leichter organisieren. Natalia Lucila, die Tochter von Agüero und Franconi, ist acht Monate alt. Vater zu sein, sagt Dario, sei das Beste, was er erlebt habe. "Es gibt mir noch mehr Energie, Motivation und Lust zu tanzen." Andrej, der Sohn von Polikarpova und Urban, ist fünf. "Keine einfache Situation, wir tanzen und wir reisen ja viel", sagt die Mutter. "Aber wir können das Sorgen für das Kind miteinander teilen", sagt Urban. "Das hilft."

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