28.02.13

Prestigeprojekt

Baumängel - Abriss in der Elbphilharmonie

In der Verkleidung der spektakulären Rolltreppe sind unzählige Risse. Neuordnung des Projekts: Stadt behält 100 Millionen Euro zurück.

Von Jan Haarmeyer
Foto: Roland Magunia
Baustelle
Die "Tube", die rund 80 Meter lange Rolltreppe in der Elbphilharmonie, ist längst eingebaut, aber in der Verkleidung sind Hunderte von Rissen

Hamburg. Sie kostet den Steuerzahler mindestens 200 Millionen Euro und soll heute oder morgen verkündet werden: Die Neuordnung des Jahrhundertprojekts Elbphilharmonie. Sie soll Planen und Bauen aus einer Hand garantieren und den weitgehenden Stillstand auf der Baustelle endlich aufheben. Ein erstes Ergebnis der Neuvereinbarung steht bereits fest: Nach Informationen des Abendblatts wird die gesamte Verkleidung der weltweit einmaligen 80-Meter-Rolltreppe wieder herausgerissen und neu angebracht.

Die sogenannte Tube gehört zu den einzigartigen Kunst-Stücken der Elbphilharmonie. Sie führt die Besucher vom Erdgeschoss bis ins sechste Stockwerk. Am oberen Ende ist sie gekrümmt, sodass die Gäste mit einem im Wortsinn erabenen Gefühl auf die Aussichtsplattform gelangen und den Blick über die Elbe genießen können, wenn sie aus dem Rolltreppen-Tunnel in knapp 40 Meter Höhe ins Freie gelangen.

Um die 650.000 Euro teure Verkleidung aus einem durchgehenden hellgrünen Glaspaillettenputz ohne sichtbare Dehnungsfugen hatte es eine jahrelange Auseinandersetzung zwischen Architekten, Hochtief und der Stadt gegeben. Als kurz nach Fertigstellung in der Putzschicht Hunderte von Rissen auftauchten, musste die Frage geklärt werden: Handelt es sich um einen Planungsfehler der Schweizer Architekten Herzog & de Meuron oder um einen Ausführungsmangel des Baukonzerns Hochtief? Im Grunde eine 1,5-Millionen-Euro-Frage, wenn nun beschlossen wurde, die gesamte Verkleidung noch einmal neu anzubringen.

Die Frage beschäftigte zudem Heerscharen von Juristen, Gutachtern und Gerichten. Es gab zahlreiche Ortstermine und technische Untersuchungen. Standpunkt Hochtief: Weil die geplante Konstruktion den Anforderungen von zum Beispiel wechselnden Temperaturen nicht gerecht wird, liegt die Schuld beim Architekten. Standpunkt der städtischen ReGe als Bauherr: Hochtief soll den Mangel beseitigen - aber nicht durch den Einbau von zusätzlichen Dehnungsfugen, weil dadurch die optische und architektonische Qualität der Tube massiv beeinträchtigt wird.

Ergebnis: Stillstand auf der Baustelle. Hochtief strengte ein Beweissicherungsverfahren an, um gerichtlich klären zu lassen, ob ein Planungs- oder ein Ausführungsmangel vorliege. Ein Gutachter kam zu dem Ergebnis: Zu 90 Prozent handelt es sich um einen Planungsfehler.

Passiert ist bis heute - nichts. Nun wird im Zuge der Neuordnung das Problem endgültig gelöst. Mit einer zeitlichen Verzögerung von nunmehr 32 (!) Monaten, also fast drei Jahren, soll der Streit um die Rolltreppen-Verkleidung beendet werden.

An diesem Beispiel wird zweierlei deutlich. Erstens: Die Neuordnung war unabdingbar, damit Architekten und Baukonzern zukünftig miteinander arbeiten, anstatt in vielen strittigen Punkten gegeneinander vor Gericht zu prozessieren. Dazu werden sie in einer gemeinsamen Planer-Arge zusammengeschlossen. In der Praxis wird es so aussehen, dass Hochtief den Bau ausführt und die Architekten Höhler & Partner die Bauleitung übernehmen, während Herzog & de Meuron (HdM) die künstlerische Oberleitung (KOL) übernimmt. Maßgeblich für die künftigen Arbeiten wird dann das sogenannte HdM-Label sein, das eine entsprechende Qualität vorschreibt und garantiert.

Zweitens: Die Neuordnung wird teuer, weil alle bisherigen Fehler - wer auch immer sie zu verantworten hat - mit einem Schlag korrigiert werden. Dieses ist den Hamburgern bereits im Herbst 2008 versprochen worden, als das Projekt mit dem 209 Millionen Euro teuren Nachtrag 4 schon einmal neu geordnet worden ist - mit überschaubarem Erfolg, wie man heute weiß.

Diesmal jedoch soll die Neuordnung wirklich das letzte Wort sein. Nach Abendblatt-Informationen hat die Stadt in zähen Verhandlungen - am vergangenen Montag saßen die Verhandlungsführer bis 3 Uhr nachts zusammen - drei wichtige Sicherheiten eingebaut:

1. Sechs Zwischentermine sieht der Vertrag insgesamt vor, bei deren Nichteinhaltung die Stadt ein Sonderkündigungsrecht hat. So gibt es verbindliche Termine, zu denen die gesamte Planung (nach einem Jahr) abgeschlossen und das Gebäude anschließend von oben geschlossen sein muss. Außerdem für Fertigstellung (Ende 2016), Übernahme, viermonatigen Testlauf und Abnahme.

2. Eine Schlusszahlung von 100 Millionen Euro hat sich die Stadt offengehalten, sollte Hochtief das Bauwerk nicht rechtzeitig fertigstellen.

3. Externe Gutachter, welche die Arbeiten auf der Baustelle laufend kontrollieren, sollen den Baufortschritt ständig begleiten. Darauf hat sich die Stadt mit Hochtief geeinigt. Ob im Gegenzug dafür die weiteren 200 Millionen Euro gerechtfertigt sind, wird die Zukunft zeigen. Nach Berechnungen der Linken-Fraktion liegt die Summe aber erheblich darüber. Zu den exakt 198 Millionen der geplanten Neuordnung kämen demnach Kosten für die Umsatzsteuer (rund 23 Millionen), Finanzierungskosten aufgrund von ausbleibenden Pachterlösen (17 Mio.), zusätzliche Projektmanagementkosten für die ReGe in Höhe von rund 13 Millionen sowie Finanzierungskosten für den Nachtrag 5 in Höhe von etwa zwölf Millionen. Macht in der Summe 265 Millionen Euro.

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