04.02.13

Poppenbüttler Bahnhof

Anlieger-Protest gegen Parkhaus in Wohngebiet

Am Poppenbüttler Bahnhof soll eine sechs Meter hohe P&R-Anlage entstehen. Die Anwohner sehen ihre Gärten bedroht und auch ihre Ruhe.

Von Axel Ritscher
Foto: nn
Parkhaus Poppenbüttel
Auf drei Etagen sollen am Stormarnplatz 375 Parkplätze entstehen. 180 Bäume müssten dafür fallen. Die Anwohner werfen der Stadt vor, sie nicht einzubeziehen

Hamburg. Wer morgens die hinteren Grenzen der großen Gärten entlang der Gleise am Poppenbüttler Bahnhof abschreitet, blickt auf Zäune. Fast zwei Meter hoch, die meisten windschief, sie schützen vor dem Lärm der Züge und neugierigen Blicken der Passagiere. Doch zwei Meter könnten in Kürze nicht mehr reichen: Hier, am Poppenbüttler Bahnhof, soll nach dem Willen der Stadt ein sechs Meter hohes, 180 Meter langes P+R-Parkhaus gebaut werden - und auf die Grenze zu den Gärten eine bis zu zwei Meter hohe Lärmschutzwand auf 320 Meter Länge.

Auf drei Etagen könnten am Stormarnplatz dann 375 Parkplätze entstehen. 540 Plätze sollen es insgesamt werden, denn der Grünstreifen entlang der Gleise soll verschwinden und herunter bis zum Saseler Damm ebenerdigen Parkplätzen weichen. 8,5 Millionen Euro soll das Projekt insgesamt kosten.

Bisher verlieren sich 140 Stellplätze hinter den Fahrradständern am beschaulichen Stormarnplatz. Die Anwohner haben das Gefühl, ausgespielt zu werden. Sie sehen ihre Gärten bedroht und ihre Ruhe. Das geplante Parkhaus werde für einen Verkehrskollaps in den schmalen Wohnstraßen sorgen, mögliche Alternativen seien gar nicht geprüft worden. Und es sei schlicht ungerecht, wenn in einem reinen Wohngebiet, in dem jeder Eigenheimer im Landhausstil bauen müsse, die Stadt sich einen solchen Koloss genehmige. 180 Bäume müssten dafür fallen. Auch sei das geplante Parkhaus überdimensioniert, schon die heutige Anlage sei nicht ausgelastet. Eine Alternative mit 380 Plätzen auf der AEZ-Seite am Tennigkeitsweg tue es auch. Eine Grobplanung dafür haben die Anwohner im Amt eingereicht.

"Die Stadt versucht, uns Bürger zu überspielen", sagt Ferdinand Meyer-Wolters, Anwohner und selbst Architekt - unter anderem von Parkhäusern. "Es wird einfach nur auf dem kürzesten Weg eine Baugenehmigung angestrebt." Zuletzt hatte Anfang Januar eine große Info-Veranstaltung stattgefunden, für Meyer-Wolters keine ernst zu nehmende Angelegenheit. "Uns werden nur fertige Planungen vorgestellt, wenn die Baugenehmigung schon beantragt ist. Echte Bürgerbeteiligung aber sucht erst mögliche Standorte, prüft sie dann, erwägt Vor- und Nachteile gemeinsam und trifft eine Entscheidung. Erst danach wird eine Grobplanung bis zur Baugenehmigung vorangetrieben. Die Stadt macht alles allein und stellt uns dann vor vollendete Tatsachen."

Auch ohne P+R-Parkhaus ist der Bereich rund um den Stormarnplatz schon eine Gegend der Gegensätze. Wer aus der schönen, neuen Einkaufswelt des AEZ kommt und via Busbahnhof über die Fußgängerbrücke am Poppenbüttler Bahnhof geht, taucht ein in eine andere, entschleunigte Welt. Schmale Straßen, kleine Läden mit etwas hausbackener Dekoration, auf der Straße stehen Nachbarn beim Plausch. Ein paar Wartende verlieren sich schweigend an der Bushaltestelle. Nur zur Rushhour zwischen 16 und 18 Uhr ist alles anders. Dann ist der beschauliche Stormarnplatz Verkehrsknoten, blockieren sich Fußgänger, Busse, Taxis und die Autofahrer vom P+R-Parkplatz gegenseitig. Dann steht auch am Stormarnplatz alles im Stau, nicht nur auf der AEZ-Seite an Heegbarg, Wentzelplatz und am Saseler Damm.

Für die etwa 80 Anwohner, die sich in der Initiative "IGeLS" organisiert haben, hat das Parkhaus-Projekt ein "Geschmäckle". Der Bauherr, die P+R-Betriebsgesellschaft mbH, liegt zu 95 Prozent in den Händen der Stadt (zu 5 Prozent des ADAC), auch das Grundstück gehört der Stadt, und genehmigen will am Ende - die Stadt. Der Bauantrag liegt in der Bauprüfabteilung Alstertal. Einen Bebauungsplan gibt es nicht, das fragliche Grundstück ist derzeit in Teilen als Parkfläche, aber auch als Grünfläche ausgewiesen. Genehmigt werden soll nach Paragraf 34 Baugesetzbuch, der ohne langwierige Verfahren mit bürgerlichen Einspruchsmöglichkeiten billigt, was sich "in die Umgebung einfügt". Ein Verfahren, das die SPD nach Übernahme der Geschäfte in Wandsbek eigentlich nicht mehr nutzen wollte.

Das Bezirksamt weist die Vorwürfe zurück. "Eine gesetzlich vorgeschriebene Beteiligung der Eigentümer benachbarter Grundstücke wäre nur gegeben, wenn (...) geschützte nachbarliche Belange berührt wären. Das ist (...) nicht zu erwarten", schrieb das Amt auf Anfrage des Abendblatts. Auch habe der Bauherr die Pläne öffentlich vorgestellt und die Bürger aufgefordert, aktiv an der Gestaltung und Begrünung der Fassaden mitzuarbeiten. Das Parkhaus habe überdies eine Ausfahrt zum Saseler Damm, leite also nicht allen Verkehr ins Wohngebiet.

Am Saseler Damm allerdings wird das Linksabbiegen verboten sein. Aus der P+R-Planungsgesellschaft heißt es, der Alternativstandort Tennigkeitsweg sei erwogen, aber verworfen worden. Denn der Heegbarg könne den abfließenden Verkehr nicht mehr aufnehmen. Mit anderen Worten: Weil auf der AEZ-Seite der Verkehr kollabieren würde, soll im Wohngebiet gebaut werden.

Die Wandsbeker Grünen, die an der Seite der SPD lange stillgehalten hatten, fordern jetzt eine Verkehrsuntersuchung. Verkehrsströme und Prognosen für den Fall des Parkhaus-Neubaus seien zu ermitteln. Die alten Zahlen sind von 2002. Und 2006 wurde das AEZ erheblich erweitert. Die Bezirksversammlung Wandsbek schloss sich der Grünen-Forderung jetzt einstimmig an.

Wer sich am Ende durchsetzen wird, scheint jedoch nach wie vor offen. Die Anwohner wollen sich in einem Strategietreffen auf ein gemeinsames Vorgehen einigen. Eine renommierte Anwaltskanzlei, auf Baurecht spezialisiert, hat ein erstes Schreiben Richtung Amt abgesetzt, zusammen mit einer Fülle von Anwohner-Eingaben.

Schon einmal stoppten die Gerichte ein P+R-Parkhaus in Poppenbüttel. Damals sollten Parkdecks über den Gleisen entstehen. Der in den heutigen Plänen vorgesehene Standort wurde verworfen. Zu beengt und verkehrlich schlecht anzubinden, urteilten einstimmig die Fachbehörden.

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