04.01.13

Chancengleichheit

Hamburger Senat lehnt anonyme Bewerbungen ab

Grüne fordern Verzicht auf Alters-, Geschlechts und Herkunftsangaben. Andere Bundesländer haben mit dem Verfahren gute Erfahrungen gemacht.

Von Julia Witte
Foto: Klaus Bodig
Bürgerschaft
Grünen-Abgeordneten Stefanie von Berg

Hamburg. Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen haben es vorgemacht: Die Länder haben in ausgewählten Behörden anonymisierte Bewerbungsverfahren eingeführt und Unternehmen dafür gewonnen, bei Bewerbern auf Angaben wie Name, Geschlecht oder Alter zu verzichten. Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes, die das Projekt in NRW begleitet hat, zieht ein positives Fazit: Vor allem Frauen und Migranten hätten mit diesen Verfahren bessere Chancen, an ein Vorstellungsgespräch zu kommen.

Hamburg jedoch wird anonymisierte Bewerbungen nicht einführen. Das geht aus der Senatsantwort auf eine Anfrage der Grünen-Abgeordneten Stefanie von Berg hervor. Der Senat verfolge selbstverständlich das Ziel, Chancengleichheit in der Verwaltung zu fördern, heißt es. Statt auf anonyme Verfahren setze die Stadt aber auf die Kampagne "Wir sind Hamburg! Bist du dabei?", mit der sie junge Migranten für den Staatsdienst gewinnen möchte. Außerdem ermuntere man Migranten und Frauen, sich bei der Stadt zu bewerben.

"Das ist ein Ausdruck von Arroganz", findet von Berg. Sie kritisiert, dass der Senat die anonymen Verfahren noch nicht einmal testen will. Es könne nicht sein, dass sich der Senat die Gleichstellung dick auf die Fahnen schreibe "und dann nichts als Lippenbekenntnisse liefert". Frauen seien in den Führungsetagen der Hamburger Verwaltung enorm unterrepräsentiert. In diesem Bereich ließe sich mit anonymen Bewerbungen viel erreichen. "Die Verwaltung muss als Vorbild vorangehen", findet von Berg.

In englischsprachigen Ländern ist es gang und gäbe, dass Bewerber ihre Unterlagen ohne Foto verschicken. In weiteren europäischen Ländern laufen ähnliche Projekte wie in NRW und Baden-Württemberg. Hintergrund sind Studien, die Frauen, älteren Arbeitnehmern und Migranten schlechtere Chancen bei herkömmlichen Bewerbungen einräumen. Spricht ein Migrant gut genug Deutsch? Fällt eine junge Frau für eine Babypause aus? Bleibt ein Mittfünfziger arbeitsfähig? Fragen, die, so glauben es Psychologen, unbewusst in den Köpfen abliefen und nicht mehr aufkämen, wenn diese Angaben fehlten.

Dennoch erwartet der Senat nach eigener Aussage keine positiven Effekte durch anonyme Bewerbungen. Die Agentur für Arbeit in NRW jedoch hat deutliche Auswirkungen erkannt: Im Vergleich zu früher verzeichnet man dort 60 Prozent mehr Bewerber. Die Leiterin der Behörde führt das auf einen Grund zurück: Anonyme Verfahren würden auch Menschen zu einer Bewerbung ermutigen, die vorher für sich keine Chance gesehen hätten.

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