St. Georg Einwohnerverein protestiert gegen Vertreibung

Hunderte nehmen an Kundgebung gegen Vertreibung der "Szene" von Hachmannplatz und Fußgängertunnel teil.

St. Georg. Der Einwohnerverein St. Georg protestierte am Sonnabend auf dem Hachmannplatz gegen die Vertreibung der Hamburger Szene von den überdachten Flächen am Hauptbahnhof und dem Fußgängertunnel zur Mönckebergstraße. Gemeinsam mit dem Netzwerk "Recht auf Stadt", einem Zusammenschluss von 56 Hamburger Initiativen, die sich unter anderem für den Erhalt öffentlicher Flächen einsetzen, rief er zum Widerstand gegen die Übernahme der Flächen am Bahnhof durch die Deutsche Bahn AG auf. Seit Oktober vergangenen Jahres darf die Deutsche Bahn hier ihre Hausordnung anwenden: Rauchen, Betteln, übermäßiger Alkoholkonsum sowie das Blockieren der Rettungswege durch Sitzen oder Liegen auf dem Boden sind verboten.

Mit Schildern, wie "Ein Mensch ist kein Schandfleck" und "Recht auf Bahnhof" machten mehrere hundert Demonstranten ihrem Ärger Luft. Michael Joho, Vorsitzender des Einwohnervereins: "Der Hauptbahnhof ist der wohl öffentlichste Platz Hamburgs. Die Verdrängung von Menschen, ob Obdachlose, Alkoholisierte oder Jugendliche mit schrillen Outfits, kann nicht der richtige Weg sein!" Sie gehörten zur Hamburger Szene und seien ein Teil der Stadt. Zudem gäbe es keine alternativen Angebote für die Betroffenen, die aus dem Bereich des Hauptbahnhofs verwiesen werden. Bestehende Anlaufstellen für Obdachlose und Hilfesuchende seien völlig überlastet. Das Konzept des Bezirksamts Mitte und des Senats, den Hauptbahnhof zur "Visitenkarte Hamburgs" zu machen, sei fragwürdig. Joho forderte das Bezirksamt Mitte und den Senat auf, eine andere Lösung zu finden.

An der Protestaktion beteiligte sich auch die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde St. Georg-Borfelde. "Nicht die Menschen, sondern vielmehr Vorurteile sind hier im Wege", sagte Pastor Gunter Marwege in seiner Rede.

Joho: "Wir wollen einen Hauptbahnhof für alle!"