St. Pauli Anwohner protestieren gegen Leerstand im Karoviertel

Foto: Ricarda Twellmann

Bewohner fürchten, dass Chef von Werbeagentur "JungvonMatt" alte Schule als Honorarkonsulat von Monaco nutzen will. Sie fordern Wohnraum.

Hamburg. "Wohnung, Wohnung aus der Traum, die Werber brauchen Büroraum" skandierten die rund 20 Anhänger des Bündnisses "Mietenwahnsinn stoppen", während sie am Freitagmittag die Marktstraße im Karoviertel entlang liefen und vor der ehemaligen Volksschule an der Flora-Neumann-Straße stoppten.

Die Demonstranten, Männer gekleidet im dunklen Anzug und die Frauen im adretten Kleid, positionierten sich vor dem seit zwei Wochen leerstehendem Gebäude und spannten ein rotes Plastikband, das sie feierlich mit einer Schere durchtrennten. "Das ist sinnbildlich eine Delegation aus Monaco, die für Holger Jung schon einmal das Konsulat einweiht", sagte Jonas Füllner von dem Bündnis "Mietenwahnsinn stoppen".

Seit dem Sommer ist der Werber Holger Jung Honorarkonsul des Fürstentums Monaco. Seine Werbeagentur "JungvonMatt" befindet sich in unmittelbarer Nähe an der Glashüttenstraße. Das alte Schulgebäude liegt zwischen denen der Agentur. Die Anwohner des Karoviertels vermuten nun, dass die Agentur bald die alte Schule kaufen und die ehemaligen Klassenräume als Büroräume nutzen wird. "Es ist noch nichts bestätigt, aber vermutet wird es schon lange", sagte Füllner.

Die Werbeagentur bestätigte das Interesse an dem leerstehenden Gebäude und auch, dass derzeit diesbezüglich Gespräche mit der Stadt geführt würden. "Eine Nutzung als Honorarkonsulat ist nicht geplant. Wir wollen dort eine Akademie für die Förderung von Nachwuchs-Talenten eröffnen", sagt Pressesprecherin Katja Weber. Die Agentur sei vor mehr als 20 Jahren im Karoviertel gegründet worden. Hier schlage das Herz des Unternehmens und deshalb solle auch hier die Nachwuchsschmiede sein. Sitz des monegassischen Honorarkonsulats wird an der Glashüttenstraße bleiben.

Das Bündnis fordert in den Räumen einem Stadtteilzentrum Platz zu bieten oder hier bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Ferner wird kritisiert, dass rund 900 Wohnungen aus dem Treuhandbestand der Stadt auf die städtische Wohnungsgesellschaft Saga übertragen worden sind. So würde Wohnraum über weniger wohlhabende Bürger finanziert.

Vor einigen Tagen hat die Linke eine schriftliche kleine Anfrage an den Senat gestellt, die bis jetzt noch nicht beantwortet worden ist. Zudem hat die Partei einen offenen Brief an Bürgermeister Olaf Scholz, an Monacos Honorarkonsul Holger Jung und den Werbekonzern JungvonMatt geschrieben. In diesem fordert auch die Partei, die leerstehende Schule als Stadtteilhaus zu nutzen und nicht als Honorarkonsulat von Monaco.

Mit der Aktion wollten die Teilnehmer nicht nur auf die aktuelle Problematik im Karoviertel aufmerksam machen, sondern auch an morgige große Demonstration in der Innenstadt gegen Mietwucher und Wohnungsknappheit erinnern.