01.03.13

Home-Office-Jobs

Zu Hause arbeiten - Zukunft oder Unsinn?

Bereits 86 Prozent der Firmen in Deutschland bieten ihren Mitarbeitern entsprechende Angebote. Aber Topmanagerin schafft sie ab.

Von Steffen Preißler
Foto: pa/United Archiv/United Archives/IFTN
Moderne Zeiten
Wenn früh am Morgen die Werkssirene dröhnt, ja dann wird wieder in die Hände gespuckt und man steigert das Bruttosozialprodukt ...: Charlie Chaplin in seinem auch heute noch aktuellen Klassiker "Moderne Zeiten" (1936)

Hamburg. Zu Hause arbeiten statt im Büro bekommt bundesweit eine immer größere Bedeutung. Nach einer Umfrage des Beratungsunternehmens Robert Half International machen bereits 86 Prozent der Firmen in Deutschland ihren Mitarbeitern entsprechende Angebote. "Solche Offerten werden künftig eine noch größere Rolle spielen, denn sie sind ein wichtiger Faktor im Wettbewerb um Fachkräfte", sagt Michael Bräuninger vom Hamburgischen WeltWirtschaftsInstitut. "Vor allem junge Arbeitnehmer, die mit mobilen Endgeräten aufgewachsen sind, werden danach fragen."

Ausgerechnet die neue Chefin des US-Internetkonzerns Yahoo aber glaubt nicht daran. Topmanagerin Marissa Mayer schaffte die zahlreichen Home-Office-Jobs in ihrem Unternehmen kurzerhand wieder ab. Bei Yahoo müssen alle Mitarbeiter in ihre Büros zurückkehren. Sie seien sonst nicht kreativ genug, befand Mayer.

Die Arbeit zu Hause - ein Zukunftsmodell oder schlicht Unsinn? Viele amerikanische Medien reagierten auf den Yahoo-Rückzieher mit heftiger Kritik. Auch in Hamburg sehen etliche Firmen die Heimarbeit positiv. Der Versandhändler Otto bietet sie schon seit 2009 an. "Seitdem haben wir unsere Computersysteme für den externen Zugriff durch unsere Mitarbeiter geöffnet", sagt Personaldirektorin Sabine Josch. "Gerade angesichts des beginnenden Fachkräftemangels sind Angebote wie orts- oder zeitunabhängiges Arbeiten wichtige Vorteile eines Arbeitgebers." Die Heimarbeit spiele bei Otto eine wichtige Rolle, mache aber stets nur einen Teil der gesamten Arbeitszeit aus. Die Mitarbeiter nutzten Home-Office in Absprache mit ihrem Vorgesetzten meist stundenweise, um private Termine oder Kinderbetreuung besser organisieren zu können.

Die Versicherungsgruppe Signal-Iduna mit Doppelsitz in Hamburg und Dortmund hat erst jüngst 200 zusätzliche Heimarbeitsplätze geschaffen. "Weil es dafür ein großes Interesse der Mitarbeiter gibt", wie ein Sprecher sagt. "Fast zehn Prozent der Mitarbeiter nutzen das Modell zumindest teilweise. Und die Tendenz ist steigend." Auch die 350 Mitarbeiter vom Suchmaschinenkonzern Google in Hamburg können bei Bedarf von zu Hause aus arbeiten. Ähnliche Angebote macht Nivea-Hersteller Beiersdorf. "Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist für unser Unternehmen von großer Bedeutung. Wir setzen deshalb auf Flexibilität von Arbeitszeiten und -orten", sagt eine Sprecherin. Dazu gehöre die Arbeit von zu Hause.

Home-Office eigne sich vor allem für Aufgaben, "die eine hohe Konzentration erfordern", sagt Sladjan Petkovic von Half International. Doch es gibt auch Probleme. 78 Prozent der Vorgesetzten halten es für deutlich schwieriger, Mitarbeiter zu Hause zu führen. Gewerkschaften fürchten schlechtere Aufstiegschancen, weil die Beschäftigten weniger in der Firma präsent sind.

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