04.02.13

Ottensen

Ehrenamtlich für Hamburg im Einsatz

6000 Besucher kamen zur Freiwilligenbörse Aktivoli und wollen sich engagieren. Gerlinde Suling zeigt Touristen in Hamburg "ihr" Ottensen.

Von Marlies Fischer
Foto: Roland Magunia
Wenn Gerlinde Suling als ehrenamtliche Gästeführerin unterwegs ist, zeigt sie Besuchern am liebsten versteckte Hinterhöfe in Ottensen
Wenn Gerlinde Suling als ehrenamtliche Gästeführerin unterwegs ist, zeigt sie Besuchern am liebsten versteckte Hinterhöfe in Ottensen

Hamburg. Anderen Menschen zu helfen, Kenntnisse, Wissen und Erfahrung weiterzugeben, im Ruhestand noch eine sinnvolle Beschäftigung zu haben - alles Gründe, warum Menschen sich ehrenamtlich engagieren. Mehr als 6000 Besucher sind am gestrigen Sonntag in die Hamburger Handelskammer zur Freiwilligenbörse Aktivoli gekommen. Dort präsentierten sich 166 Aussteller an 150 Ständen - alle auf der Suche nach aktiven Mitstreitern mit Elan und guten Ideen.

Mehr als 460.000 Hamburgerinnen und Hamburger engagieren sich bereits freiwillig für und in ihrer Stadt. "Das bereichert unsere Gesellschaft. Ohne dieses Engagement wäre sie ärmer", sagt Michael Edele, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege Hamburg und Organisator von Aktivoli. Gerlinde Suling etwa kam die Idee zum ehrenamtlichen Engagement während eines Seminars beim Mittagessen. "Klaus Bostelmann hat mir begeistert von den Paris Greeter erzählt und davon, dass er so eine Organisation auch hier gründen möchte", berichtet die selbstständige IT-Beraterin. "Da wollte ich auch mitmachen." Und so gehörte die 53-jährige Hamburgerin im November 2011 zu den vier Gründungsmitgliedern der Hamburg-Greeter, denen Klaus Bostelmann in der Hansestadt vorsteht.

"Komm als Gast - geh als Freund" ist das Motto des Vereins. Wer sich dort als ehrenamtlicher Hamburg-Kenner engagiert, empfängt Besucher dieser Stadt als Gäste, so wie man es mit Freunden und Bekannten tut, die zu Besuch kommen. Die Greeter möchten den Gästen oder auch Neu-Hamburgern ein Gefühl vermitteln, wie man hier an der Elbe lebt, wie die Stadt tickt, wie ihr Rhythmus ist. Und sie erzählen Geschichten, die in keinem Reiseführer stehen.

Wer Greeter werden will, sollte offen auf andere Menschen zugehen und bei Spaziergängen gerne "sein" Hamburg zeigen. Gerlinde Suling freut sich, wenn ihre Touren und die ihrer Mitstreiter Anklang finden, und sie als "freundliche Hamburgerin" wahrgenommen wird. Denn die IT-Beraterin weiß aus eigener Erfahrung, wie hilfreich es in einem fremden Land sein kann, wenn man nett und zuvorkommend aufgenommen wird. "Ich bin früher viel gereist und habe mit meinem Mann Fotos für spätere Diashows gemacht", so Suling. "Wir haben meist privat übernachtet und viel wertvolle Tipps bekommen Das möchte ich jetzt bei den Greeters zurückgeben."

Mittlerweile ist die 53-Jährige stellvertretende Vorsitzende des Hamburger Vereins und mehr mit Organisation und Verwaltungsarbeit beschäftigt. Aber ab und zu muss sie unterwegs sein und einer Besuchergruppe "ihr" Ottensen ans Herz legen. "Ich zeige Hinterhöfe und versteckte Ecken", sagt Gerlinde Suling. "Und am schönsten ist es, wenn wir alle unseren Spaß haben und zufrieden sind."

Auch Heinz Plezia betreibt sein Ehrenamt meist an der frischen Luft. Er engagiert sich im Arbeitskreis Heimische Orchideen (AHO) Hamburg und zählt die auf dem Stadtgebiet noch existierenden Orchideen. "Dafür braucht man viel Geduld, denn das Zählen ist oft sehr mühsam", sagt der Landschaftsgärtner, der für eine Baugenossenschaft tätig ist. Sein Verein macht im Auftrag der Umweltbehörde Feldforschung und das sogenannte "Orchideen-Monitoring" in der Boberger Niederung. Dort gibt es laut Plezia "zwölf einheimische Arten, zum Beispiel die Grünliche Waldhyazinthe, den Breitblättrigen Stendelwurz oder den Breitblättrigen Fingerwurz". Demnächst soll das Rückhaltebecken Farmsener Moor erfasst werden. "Dafür suchen wir noch Interessierte, die Orchideen mögen, sie aber nicht abpflücken", sagt Plezia. Wer mitmachen möchte, sollte mit einer Motorsense und einem Handzähler umgehen können. Und eben Geduld haben.

Das Interesse des heute 60-Jährigen für Orchideen kam 1982 auf, als der Pflanzenfreund in den Messehallen eine Orchideen-Ausstellung besuchte.

"Vorher haben mir eher Kakteen gefallen", erinnert sich der Landschaftsgärtner. Er bekam eine Orchidee als Geschenk, aber "die habe ich dann aus Unkenntnis totgepflegt". Vor 15 Jahren gründete Plezia den Verein Die Orchideen-Freunde Hamburg und den Arbeitskreis Heimische Orchideen. Mittlerweile kennt sich der Wandsbeker bestens mit diesen prächtig blühenden Pflanzen aus. In seinem Garten wachsen rund 60 Sorten, und nur zehn weniger gedeihen auf den Fensterbänken ist seiner Wohnung.

Aus dem Team der Aktivoli-Organisatoren scheidet Michael Edele jetzt übrigens aus, denn er wechselt zum 1. April als Geschäftsführer zur Caritas. Sein Nachfolger bei der Arbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege wird Jens Stappenbeck von der Hamburgischen Pflegegesellschaft.

Beide wissen, wie wichtig das Engagement Ehrenamtlicher ist.

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