29.01.13

Heinz Wings

Sparda-Bankchef warnt vor hoher Inflation

Heinz Wings, Vorstandsvorsitzender der Sparda-Bank Hamburg, hält Teuerungsraten von fünf Prozent und mehr für realistisch.

Von Volker Mester
Foto: Jürgen Joost
Heinz Wings, Vorstandsvorsitzender der Sparda-Bank Hamburg
Der promovierte Wirtschaftswissenschaftler Heinz Wings, 60, leitet die Sparda-Bank Hamburg seit 1999. Seit 1987 ist er dort tätig

Hamburg. Der Chef der Sparda-Bank Hamburg befürchtet eine Rückkehr höherer Inflationsraten. Noch auf absehbare Zeit werde die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen am Staatsanleihemarkt durch den Ankauf solcher Papiere künstlich niedrig halten, erwartet Heinz Wings. Zwar bemühe sich die Notenbank, das dafür ausgegebene Geld an anderer Stelle wieder aus dem Markt zu nehmen.

"Aber die Gefahr ist sehr groß, dass dieser hehre Vorsatz nicht erfüllt werden kann und der Ankauf von Staatsanleihen mit einer Liquiditätsschwemme verbunden sein wird", sagt der Vorstandsvorsitzende der Sparda-Bank Hamburg. "Einer explodierenden privaten Nachfrage stünde dann ein begrenztes Angebot gegenüber, eine Flucht in die Sachwerte wäre nicht ausgeschlossen, die Preise könnten sich aufbäumen wie ein Mustang und damit würde die Inflation ihren Lauf nehmen." Preissteigerungsraten von fünf Prozent und mehr seien dann durchaus vorstellbar.

Wings ist überzeugt davon, dass sich die sogenannte Finanzrepression in den nächsten Jahren fortsetzt: Wenn die Zinsen unterhalb der Inflation liegen, können sich Kreditnehmer - allen voran die Staaten - darüber nach und nach entschulden, weil der Betrag der Schulden real gesehen sinkt.

"Nur über niedrige Zinsen werden die Staatsschulden abgebaut werden können", so der Bankchef. "Einen Schuldenschnitt für Deutschland wird es nicht geben, und ein sehr strenger Sparkurs hätte wohl die Abwahl der dafür verantwortlichen Politiker zur Folge." Allerdings bedeute der von Wings erwartete Kurs eine Umverteilung zugunsten von Kreditnehmern; die Leidtragenden seien die "emsigen Sparer", die sich mit weniger Zinsen begnügen müssten.

Gleichzeitig stelle dieses Umfeld hohe Anforderungen an die Berater der Bank. "Es dauert sicherlich noch eine ganze Weile, bis die Sparer sich an das niedrige Zinsniveau gewöhnt haben", sagt Wings, denn schließlich seien sie "mit Zinssätzen oberhalb von zwei Prozent für ihre Geldanlagen vertraut".

Um sich auf dieses Szenario einzustellen, hat die Sparda-Bank Hamburg Fonds aufgelegt, die in Sachwerte wie Aktien, Gold und andere Rohstoffe sowie in Währungen investieren. "Daneben empfehlen wir ausgewählte Unternehmensanleihen, weil hier die EZB den Markt nicht unmittelbar beeinflusst", so der Bankchef.

Auf der anderen Seite schaffe die Niedrigzinsphase gute Voraussetzungen für das Geschäft mit Darlehen. Bereits im Jahr 2012 verzeichnete die Sparda-Bank Hamburg einen Anstieg bei ungesicherten Privatkrediten 6,8 Prozent auf knapp 237 Millionen Euro, bei den Baufinanzierungen gab es ein Plus von 4,1 Prozent auf 1,19 Milliarden Euro. "Immer mehr Menschen können es sich leisten, einen Immobilienkredit aufzunehmen, während die Mieten stetig steigen", sagt Wings. "Das Geschäft mit Hypothekenkrediten wird in diesem Jahr voraussichtlich mindestens so gut laufen wie schon 2012."

Anders als manche Konkurrenten will die Genossenschaftsbank die Finanzierung von Immobilien zu 100 Prozent nicht forcieren. Solche Kredite würden in der Regel nicht angeboten, erklärt der Vorstandsvorsitzende.

Im abgelaufenen Jahr erhöhte sich die Zahl der Kunden um netto 10.000 auf 318.000. Die Kundeneinlagen dagegen nahmen ab. Das aktuelle Niedrigzinsumfeld macht es den Banken zudem schwer, das Niveau bei ihren Gewinnen zu halten. So sank der Jahresüberschuss des Hamburger Instituts bei von zuvor knapp sieben Millionen Euro auf gut fünf Millionen Euro, während die Bilanzsumme mit gut drei Milliarden Euro ungefähr konstant blieb. Die Mitarbeiterzahl blieb ebenfalls nahezu unverändert bei rund 480 Personen. Für das aktuelle Geschäftsjahr erwartet Wings trotz der herausfordernden Rahmenbedingungen ein Ergebnis auf Vorjahresniveau.

EZB: Die Europäische Zentralbank
EZB: Die Europäische Zentralbank
Die Europäische Zentralbank (EZB) mit Sitz in Frankfurt ist die Notenbank für die gemeinsame europäische Währung, den Euro.
Sie soll vor allem Preisstabilität im gemeinsamen Währungsgebiet der 17 Eurostaaten wahren.
Zudem soll sie auch die Wirtschaftspolitik unterstützen, soweit das Ziel der Preisstabilität nicht beeinträchtigt wird.
Um die Inflation im Zaum zu halten, legt die EZB Leitzinsen fest.
Über die Zinsen entscheidet der Zentralbankrat.
Ihm gehören neben den sechs Direktoriumsmitgliedern der EZB auch die Präsidenten der 17 nationalen Zentralbanken an.
EZB-Präsident ist seit November 2011 der Italiener Mario Draghi. (dpa)
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