Reeperbahn Aktivistinnen protestieren "oben ohne" in Herbertstraße

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In den Medien läuft eine Sexismus-Debatte heiß. Eine radikale Gruppe bringt ihren Protest gegen "Frauen als Ware" auf die Straße.

Hamburg. Zehn Aktivistinnen der ukrainische Frauengruppe Femen haben am Freitagabend mit nackten Brüsten und kurzen Hosen in der Herbertstraße auf der Hamburger Reeperbahn gegen Sexismus und Prostitution protestiert. "Die Frau ist keine Ware", riefen die Frauen, während sie bei Minusgraden Fackeln in die Höhe hielten und Parolen riefen. Gemeinsam mit Polizisten betraten sie den durch eine Schutzwand abgetrennten Teil der Herbertstraße, in den gewöhnlich nur Männer hinein gelassen werden. Der Protest formiert sich zu einem Zeitpunkt, während in den Medien die sogenannte "Herrenwitz"-Debatte heiß läuft, nachdem eine Stern-Reporterin über Anzüglichkeiten durch Rainer Brüderle (FDP) berichtet hatte.

Die Reaktion auf die Femen-Aktivistinnen ist vor Ort verhalten. In der Herbertstraße und den dort ansässigen Bordelle blieb es ruhig, aus den meisten Fenstern hatten sich die Prostituierten zurück gezogen. Als die Aktivistinnen eine von ihnen sahen, riefen sie: "You are free!". In der Mitte der Straße stoppten die Demonstrantinnen und riefen ebenfalls auf Englisch Parolen wie "Prostitution ist Faschismus".

Auch einige Hamburgerinnen waren unter den Protestlern. Helen, 22, studiert seit einigen Monaten an der Universität Hamburg und findet es wichtig, sich aktiv zu engagieren. "Es ist unmöglich, dass die Herbertstraße einen Kultstatus hat - also im positiven Sinne", sagt die 22-Jährige. Deswegen habe sie sich bei dem Protest beteiligt. Die ebenfalls 22-jährige Berlinerin Karla pflichtet ihr bei. "Die Herbertstraße ist ein geschützter Bereich, in dem Männer Frauen wie auf einem Viehmarkt begutachten können", sagt sie. Dagegen müsse man etwas tun. Grundsätzlich seien Frauen auch immer noch nicht gleichberechtigt.

Bereits gegen 18.30 Uhr beendeten die Aktivistinnen ihren friedlichen Protest. Die für ihre radikalen Nacktproteste bekannte Frauengruppe lehnt legale wie illegale Prostitution ab und fordert die Kriminalisierung von Freiern. Die "Sextremistinnen" demonstrieren mit schrillen Aktionen auch für Meinungsfreiheit sowie Toleranz mit Homosexuellen.