16.01.13

Veddel

Hamburger Hafenverwaltung will Peute-Fabrik abreißen

Das Ensemble gilt als gelungene Architektur der 1920er-Jahre und ist zudem ein wichtiges Zeugnis der Hamburger Arbeiterkultur dieser Zeit.

Von Axel Tiedemann
Foto: Roland Magunia
Die Museumsdirektorin des Hamburgmuseums, Lisa Kosok, im Treppenhaus des alten Fabrikgebäudes. Sie macht sich gegen den Abriss stark
Die Museumsdirektorin des Hamburgmuseums, Lisa Kosok, im Treppenhaus des alten Fabrikgebäudes. Sie macht sich gegen den Abriss stark

Hamburg. Trotz heftiger Proteste der Hamburger Denkmalschutz- und Museumsszene hält die Hafenverwaltung Hamburg Port Authority (HPA) an ihren Abrissplänen für ein riesiges historisches Backstein-Ensemble auf der Peute fest. Das städtische Unternehmen nannte jetzt sogar einen Abrisstermin. Im Mai sollen nun weitere Gebäude fallen, die Arbeiten würden bis Ende des Jahres andauern. Im Anschluss soll auf dem Gelände an der Peutestraße eine moderne Logistikhalle gebaut werden, für die es sogar einen ersten Mieter gebe, hieß es auf Anfrage des Hamburger Abendblatts.

Bei dem umstrittenen Gebäudekomplex handelt es sich um mehrere, teils sehr wuchtige Ziegelbauten aus den 1920er- und 1930er-Jahren. Sie wurden von der Genossenschaft GEG gebaut, um dort Lebensmittel und Konsumgüter wie Waschmittel zu lagern, und teils auch zu produzieren. Mit solchen genossenschaftlichen Produktionsweisen wollte man vor allem Arbeiterfamilien unterstützen und ihnen mit dieser Art organisierter Selbsthilfe einen günstigen Einkauf ermöglichen.

Die Fabrikanlage gilt daher als wichtiges Zeugnis der Hamburger Arbeiterkultur des frühen 20. Jahrhunderts. Sie sei ein "architektonisch herausragender Bau, errichtet von dem seinerzeit bedeutendsten genossenschaftlichen Wirtschaftsbetrieb", heißt es in einem offenen Brief, der am Wochenende an HPA-Geschäftsführer Jens Meier versandt wurde. Mit dem Abbruch eines großen Teils des Komplexes werde auch ein Gebäude abgerissen, das einmal als das "schönste Speichergebäude Hamburgs" galt, heißt es unter anderem in dem Schreiben. Das Gesamtensemble sei für die "Lesbarkeit der Geschichte der Hafen- und Industrieentwicklung unverzichtbar".

Unterzeichnet wurde der Brief unter anderem von der Direktorin des Museums für Hamburgische Geschichte, Lisa Kosok, von Henning Bieger, Vizepräsident der Hamburgischen Architektenkammer, Helmuth Barth vom Denkmalverein, "Zeit"-Architekturkritiker Hanno Rauterberg, der Direktorin des Museums der Arbeit, Kirsten Baumann, dem Präsidenten der Hamburgischen Architektenkammer Konstantin Kleffel, Architektur-Historiker Hermann Hipp von der Universität Hamburg und vielen anderen.

Doch auch dieser geballte Protest hält die HPA nicht ab. Möglicherweise auch deshalb, weil der städtische Betrieb hier mit dem Abriss und Bau von Lagerhallen in ein völlig neues und offensichtlich lukratives Geschäftsfeld einsteigen kann. Bisher stellte die HPA im Hafengebiet in der Regel nur Flächen parat, die Gebäude wurden meist von Unternehmen selbst gebaut. Nun will die HPA selbst bauen und dann vermieten und verweist auf einen Kompromiss, der im September zwischen Kulturbehörde, der Wirtschaftsbehörde sowie der HPA getroffen wurde: Danach sollen die Gebäude 10 und 11 auf dem Gelände der ehemaligen Großeinkaufs-Gesellschaft Deutscher Konsumvereine (GEG) erhalten und unter Denkmalschutz gestellt werden. "Alle weiteren Gebäude werden zurückgebaut; die frei werdende Fläche steht dann für die Hafenentwicklung zur Verfügung", sagte HPA-Sprecherin Sinje Pangritz.

Die Gebäude 10 und 11 würden zudem nicht nur dauerhaft erhalten und unter Denkmalschutz gestellt, sondern sollen künftig zu Lagerzwecken genutzt werden, aber auch kreativen Nutzungen zur Verfügung stehen - so, wie sie in den vergangenen Jahren auch schon genutzt worden waren. Allerdings war den kleinen Unternehmen im Frühjahr 2012 schon gekündigt worden. Betroffen davon war unter anderem ein kleines Tonstudio. In der Begründung für die Kündigung hieß es: Die alten Produktionshallen müssten dringend saniert werden, wenn man sie erhalten wolle.

Für den Abriss der anderen Ensembleteile gebe es aber keine andere Lösung, heißt es nun. Der Hamburger Hafen verfüge wegen seiner räumlichen Begrenzung eben nur über eingeschränkte Entwicklungsmöglichkeiten, die es dort an der Peutestraße am Hafenrand noch gebe. Für Mai dieses Jahres sei daher nun der Beginn der weiteren Abbrucharbeiten geplant, bis Ende des Jahres sollen diese abgeschlossen sein. Spätestens Anfang 2015 soll auf einem Teil der frei werdenden Fläche eine weitere Halle fertiggestellt sein.

Ein Teil des Geländes war auch schon im vergangenen Jahr geräumt worden, nachdem die HPA das Areal von einem Immobilienunternehmen gekauft hatte. Selbst als denkmalwürdig eingestufte Gebäude ließ die HPA abreißen - eine erste neue Logistikhalle ist bereits errichtet und auch bezogen worden. Erst als Protest aufkam, stoppten die weiteren Arbeiten zunächst.

Auch die Unterzeichner des offenen Briefes äußern jetzt "Verständnis" für die Probleme der Hafenentwicklung in Hamburg. Aber: "Wir drängen darauf, dass für diese bedeutenden Bauten Nutzungsalternativen geprüft werden, was bisher nicht ausreichend geschehen ist", schreiben die Unterzeichner. Die "bauliche Identität" der Stadt sei eben auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Sie würde langfristig die Attraktivität Hamburgs bei Touristen, überregionalen Unternehmen und "damit den Standort Hamburg selbst" sichern. Und weiter: Die Entlassung der Bauten aus dem Denkmalschutz enthebe niemanden seiner Verantwortung für die Baukultur dieser Stadt - insbesondere nicht ein so wichtiges Unternehmen wie die HPA.

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