09.01.13

Porträt

Hapag-Lloyd-Offizierin Silke Muschitz allein unter Männern

Nur wenige Frauen werden Kapitänin. Silke Muschitz aus Lübeck ist auf dem Weg dorthin. Sie fährt für die Hamburger Linienreederei.

Von Almut Kipp
Foto: dpa
Frauen im Hafen - Hapag-Lloyd-Offizierin Silke Muschitz
Die Hapag-Lloyd-Offizierin Silke Muschitz am Containerterminal Altenwerder (CTA) in Hamburg auf der Brücke eines Containerschiffs

Hamburg. Wer Silke Muschitz zuhört, bekommt etwas von längst verloren geglaubter Seefahrerromantik zu hören – inmitten eines hochtechnisierten Be- und Entladevorgangs der "Sofia Express" am Hamburger Containerterminal Altenwerder. Oben auf der Brücke, 40 Meter über der Wasserkante, dort, wo das Schiff gesteuert wird, erzählt die 26-Jährige, was sie an ihrem Beruf so fasziniert. Muschitz ist Erster Nautischer Offizier bei der Hamburger Linienreederei Hapag-Lloyd. Eine von 28 Offizierinnen und Anwärterinnen, 28 unter 1300 Seeleuten bei Hapag-Lloyd.

"Das Schönste ist, wenn ich merke, wie das riesige Schiff sich langsam auf eine Pier zubewegt und dann genau richtig fest liegt. Das ist für mich ungemein faszinierend", schwärmt Muschitz. 30 mal hat sie dieses Manöver auf ihrer zurückliegenden Fahrt auf einem anderen, kleineren Hapag-Lloyd-Schiff mitgemacht – von Europa rüber nach Nord-Amerika, durch den Panama-Kanal, die US-Westküste wieder hoch, über den Pazifik nach Asien – Japan, Taiwan, China – und alles wieder retour. "Andere buchen solche Reisen, wir werden dafür bezahlt", merkt sie verschmitzt an.

Was sich anhört wie ein traumhafter Trip, ist eine Fahrt mit hoher Verantwortung – nach dem Kapitän hat Muschitz eine der wichtigsten Positionen an Bord. "Ich muss das Schiff seetüchtig halten", sagt sie. Im Hafen den Ladeplan absegnen, prüfen, ob Kühl- und Gefahrgutcontainer an der richtigen Position stehen. Und ist das Ballastwasser gut verteilt? Ist alles an Bord für die Weiterfahrt? Schaffen wir es, wieder pünktlich auszulaufen? "Ich muss den Überblick behalten und mich auf meine Leute verlassen können", sagt Muschitz.

Und das gilt auch auf hoher See. "Bei gutem Wetter wird entrostet und gemalt. Bei schlechtem Wetter wird alles gefettet. Salzluft greift wirklich alles an." Morgens bespricht Muschitz sich mit ihrem Bootsmann, dem Vorsteher der Mannschaft. Und sie vergibt weitere Aufgaben: "Die Stores, die Lagerräume, aufräumen, das Deck waschen. Ganz schnöde, wie man das von früher kennt."

Gibt es Akzeptanzprobleme, wenn sie meist als einzige Frau mit 22 Männern an Bord fährt? "An Bord bin ich Erster Offizier. Da ist man nicht Frau oder Mann. Für solche Feinheiten ist auch nicht die Zeit", sagt sie. Mit der deutschen Handelsflotte sind derzeit rund 1445 Kapitäne, 2260 Nautische und 2370 Technische Offiziere unterwegs. Von ihnen sind rund 120 weiblich, darunter 11 Kapitäninnen.

Ihre Aufgaben an Bord hat Muschitz genauso fest im Blick wie ihr Schiff: "Für ein Schiff muss man ein Gefühl bekommen", erzählt sie. Schon im Kindergarten habe sie die Querschnittszeichnung eines Kreuzfahrtschiffes mit großer Neugier betrachtet. Ein Bild, das sie nicht mehr losließ. Als auf die Abiturientin die Berufswahl zukam, war für sie klar: "Ich fahre zur See."

Nach dem nautischen Studium in Bremen fuhr sie zwei Jahre lang als Wachoffizier zur See, dann das Patent zum Ersten Offizier. Jetzt sammelt sie Erfahrung, das Kapitänspatent in eineinhalb Jahren wäre das nächste. "Familie ist für mich aktuell kein Thema. Aber sollten mal Kinder kommen, dann ist es wohl vorbei für mich mit der Seefahrt". Ihr Kind nur alle paar Wochen zu sehen, kann sie sich nicht vorstellen.

15 Wochen war die Offizierin zuletzt auf See, bis Mitte Januar durfte sie entsprechend drei Monate ausspannen. "Wieder an Land brauche ich ein, zwei Tage, damit ich auch wieder mit Menschenmassen umgehen kann – zum Beispiel in der U-Bahn." Aber in die Freude, die Freunde im Heimatort Lübeck zu sehen, mischt sich bei der 26-Jährigen auch immer die Sehnsucht nach der Ferne, dem Sonnenaufgang über dem Meer, dem Firmament: "An Bord stehe ich oft draußen und sehe mir den Sternenhimmel an. Das gibt mir das Gefühl von Freiheit."

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