08.01.13

Hamburg

Konzerthaus-Krach: Mr. Elbphilharmonie tritt ab

Heribert Leutner, Chef der städtischen Baugesellschaft, geht. Der 52-Jährige wollte Hochtief rauswerfen, konnte sich aber nicht durchsetzen.

Von Andreas Dey und Jan Haarmeyer
Foto: Bertold Fabricius/Pressebild.de
Heribert Leutner bei seinem ersten Auftritt vor dem Untersuchungsausschuss. Heute sagt er erneut aus
Heribert Leutner bei seinem ersten Auftritt vor dem Untersuchungsausschuss. Heute sagt er erneut aus

Hamburg. Im Konzertsaal ist noch keine Triangel erklungen, aber die Baustelle der Elbphilharmonie sorgt erneut für einen Paukenschlag. Heribert Leutner, Geschäftsführer der städtischen Realisierungsgesellschaft (ReGe), die das Projekt im Auftrag der Stadt durchführt, hat seinen Rücktritt angekündigt. Er werde die ReGe zum 30. Juni 2013 verlassen, um "eine berufliche Auszeit einzulegen", heißt es in einer Mitteilung an seine knapp 50 Mitarbeiter, die dem Abendblatt vorliegt. Die meisten von ihnen hat Leutner am Montag auch persönlich informiert, viele sollen betroffen gewesen sein, hieß es aus Kreisen der Gesellschaft.

Hauptgrund für seinen Schritt sind unterschiedliche Auffassungen über die Fortsetzung des Projekts. Während der Senat um Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) am 15. Dezember entschieden hatte, mit Hochtief weiterzubauen, macht Leutner in seinem Schreiben kaum einen Hehl daraus, dass er für die Trennung war. Nicht ohne Grund: Nachdem sich die offiziellen Kosten für die Stadt 2008 von 114 auf 323 Millionen Euro verdreifacht hatten, war die ReGe personell massiv ausgebaut worden, um Hochtief besser Paroli bieten zu können. Nach Leutners Auffassung war das erfolgreich. "Wir haben in den vergangenen Jahren die Mehrkostenforderungen von Hochtief erfolgreich abgewehrt und die Grundlagen für gerichtsfeste Schadensersatzansprüche gegen Hochtief gelegt", schreibt er.

So habe man gutachterlich feststellen lassen, dass die Stadt nur für maximal drei Monate Bauzeitverzug verantwortlich ist - Hochtief also für den Rest, was für die Aufteilung der enormen Mehrkosten entscheidend hätte sein können. Aus Sicht des 52-Jährigen hätte man diese Position ausnutzen können, um sich von Hochtief zu trennen, die ReGe das Projekt zu Ende bauen lassen und sich juristisch mit dem Baukonzern über Geld zu streiten. Doch dazu kommt es nun nicht. "Es ist schade", schreibt der ReGe-Chef, dass die "Chancen der Freien und Hansestadt wohl ungenutzt bleiben werden".

Außer Leutner selbst hatte auch der Aufsichtsrat der städtischen Elbphilharmonie Bau KG, des offiziellen Auftraggebers für das Projekt, für die Trennung von Hochtief plädiert. Die Tatsache, dass sich Scholz dennoch für den Weiterbau mit dem Konzern entschied, war bereits ein Indiz dafür, dass Leutners Aktien im Senat nicht mehr allzu hoch gehandelt werden. Als Scholz auch noch verkündete, dass die ReGe neben Leutner und Dieter Peters mit Martin Heyne einen dritten Geschäftsführer bekommt, der sich ausschließlich um die Elbphilharmonie kümmern soll, war die Entmachtung Leutners perfekt. Mit seinem freiwilligen Abgang behält er immerhin in eigener Sache das Heft des Handelns in der Hand.

Eine Stellungnahme wollte der Senat dazu nicht abgeben, schließlich handele es sich nur um eine angekündigte Kündigung. Inoffiziell hieß es, dass Leutners Haltung und die entgegengesetzte Entscheidung des Senats kaum eine Grundlage bieten für eine vernünftige Zusammenarbeit. Außerdem habe sich Leutner wohl durch die Installierung Heynes entmachtet gefühlt. Aus der ReGe hieß es hingegen, mit dieser Personalie habe Leutner kein Problem gehabt. Das Votum des Aufsichtsrats der Bau KG habe ja beinhaltet, dass für den Weiterbau in Eigenregie ein dritter Chef geholt wird.

Für Leutner ist es schon der zweite Abschied von der Elbphilharmonie. Die ReGe, die zuvor andere Großprojekte gemanagt hatte, war 2006 von Bürgermeister Ole von Beust (CDU) mit dem Projekt Elbphilharmonie betraut worden. ReGe-Chef war seinerzeit der charismatische Hartmut Wegener. Leutner war sein "Projektleiter", warf jedoch nach kurzer Zeit wegen persönlicher Animositäten hin. Erst als Wegener im Herbst 2008 im Zuge der Nachtragsverhandlungen mit Hochtief geschasst wurde, kehrte Leutner als sein Nachfolger zurück.

Der dann von ihm abgeschlossene "Nachtrag 4" sorgte dafür, dass die Kosten für die Stadt von 114 auf 323 Millionen Euro stiegen. Der Streit mit Hochtief ging dennoch unvermindert weiter und mündete im November 2011 in einem Baustillstand. Erst nach einem Jahr und Ablauf mehrerer Ultimaten einigten sich die Stadt und Hochtief darauf, es noch einmal gemeinsam zu versuchen. Diese Verträge sollen bis Ende Februar abgeschlossen werden. Klar ist, dass der reine Auftrag an Hochtief statt bislang 377 künftig 575 Millionen Euro umfasst - also fast 200 Millionen mehr. Da aber noch etliche Posten damit verrechnet werden müssen, zum Beispiel die Kosten für die ReGe, die Steuern, aber auch die Spenden von mehr als 55 Millionen Euro, ist noch unklar, was das Projekt die Stadt kosten wird.

Auch vor diesem Hintergrund sprach CDU-Fraktionschef Dietrich Wersich angesichts der Personalie Leutner von einer "Bombe" und fragt: "Was ist da hinter den Kulissen los?" Er schließt nicht aus, dass es möglicherweise doch billiger gewesen wäre, wenn die Stadt allein weitergebaut hätte. Auf seine Schriftliche Kleine Anfrage an den Senat, welche Mehrkosten von Hochtief dieser denn für gerechtfertigt halte, antwortet dieser jedenfalls: "Vor Abschluss der Verhandlungen mit Hochtief würde die Offenlegung interner Bewertungen die Verhandlungsposition der Stadt gefährden."

Leutner selbst hat diesen Dienstag (16 Uhr/Rathaus) noch einen großen Auftritt - als Zeuge vor dem Untersuchungsausschuss Elbphilharmonie.

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