02.01.13

Harburg

Silvesterfeier: Familienvater stirbt durch Pistolenschuss

32-Jähriger stirbt - offenbar löste sich versehentlich ein Schuss aus einer Kleinkaliberpistole. Mehr als 1000 Einsätze für die Feuerwehr.

Von Daniel Herder und André Zand-Vakili
Foto: Andr Zand-Vakili
Silvester
Kurz nach dem Jahreswechsel starb ein 32-Jähriger an der Seehafenbrücke. Offenbar hatte sich versehentlich ein Schuss aus einer Pistole gelöst

Hamburg. Der Tod eines 32 Jahre alten Familienvaters in Harburg überschattet die Silvesternacht in der Hansestadt. Das Jahr war gerade fünf Minuten alt, als der Mann an der Straße Zur Seehafenbrücke auf einem Parkplatz leblos zusammenbrach. Kurz zuvor hatte der 32-Jährige mit Freunden ein Silvesterfeuerwerk abgebrannt. Zunächst sah es nach einer plötzlichen Erkrankung aus. Im Krankenhaus stellten die Ärzte jedoch fest, dass der Mann eine Art Einschussverletzung im Bauchbereich hat. Nach Abendblatt-Informationen wurde mit einer Kleinkaliberpistole herumhantiert, dabei hatte sich offenbar der tödliche Schuss gelöst.

Mit seiner Frau und seinen drei kleinen Kindern war Cetin Y. aus dem Raum Frankfurt angereist, um hier den Jahreswechsel bei Freunden zu feiern. Gleich nach Mitternacht gingen alle zusammen auf die Straße, um das neue Jahr mit Feuerwerk zu begrüßen. Plötzlich kippte der Mann um. "Es hat keinen Streit oder etwas Ähnliches gegeben", sagt ein Bekannter. Mehr als eine halbe Stunde versuchten Rettungskräfte, Cetin Y. zu reanimieren. Vergeblich. Im Krankenhaus konnte nur noch der Tod des Mannes festgestellt werden. Seine Frau erlitt einen schweren Schock.

Die Polizei wurde erst gegen 1 Uhr alarmiert, nachdem Ärzte die Verletzung entdeckt hatten. Am Neujahrstag obduzierten Gerichtsmediziner den Toten. Das Ergebnis wurde zunächst nicht bekannt. Bereits am Morgen hatte die Mordkommission den Fall übernommen und Spuren gesichert.

Unterdessen feierten Zehntausende in der Innenstadt auf den Straßen. 15.000 Menschen an den Landungsbrücken und 10.000 an der Binnenalster erlebten das neue Jahr mit pompösem Feuerwerk.

Doch während auf den Straßen die Korken knallten und Silvesterraketen in den regnerischen Himmel stiegen, leisteten Feuerwehr und Polizei Schwerstarbeit. Wieder einmal hielten Wohnungsbrände durch Querschläger, Verkehrsunfälle und Knallkörperverletzungen die Beamten auf Trab. In der "härtesten Nacht des Jahres" rückte die Feuerwehr 1076-mal aus - das sind 72 Einsätze mehr als im Vorjahr. Zudem registrierte die Feuerwehr mehr Brände. 255 Feuer gab es zwischen 18 und 6 Uhr - so viele wie seit drei Jahren nicht mehr. Nicht selten brannte es, weil fehlgeleitete Silvesterraketen durch geöffnete Fenster in Wohnungen eingeschlagen waren oder Gegenstände auf den Balkonen entzündet hatten. An der Straße Am Brink und am Max-Herz-Ring standen deshalb zwei Wohnungen in Flammen. Zwei Bewohner mussten mit leichten Rauchgasvergiftungen ins Krankenhaus.

Am Wildermuthring brannte ein Keller in einem Reihenhaus komplett aus, ein schwer betrunkener Mann erlitt eine Rauchgasverletzung. An der Walddörfer Straße brannte das Dachgeschoss eines Mehrfamilienhauses, nachdem vermutlich eine Rakete in einen nahe gelegenen Holzschuppen gezischt war. Zwei Wohnungen wurden durch Flammen, zwei weitere durch Löschwasser zerstört. Ein weiterer dramatischer Einsatz beschäftigte die Feuerwehr an der Langen Reihe. Aus bisher ungeklärter Ursache brannte eine Wohnung im fünften Stock eines Wohnhauses. Ein Mann, der auf dem Dach Schutz vor den Flammen gesucht hatte, musste per Drehleiter, ein weiterer Mann - ein Rollstuhlfahrer - über den Treppenraum gerettet werden.

Hochbetrieb herrschte auch in den Notaufnahmen der Hamburger Krankenhäuser. Allein in der Asklepios Klinik Altona mussten in der Nacht 106 Patienten versorgt werden - 25 mehr als im Vorjahr. Häufigste Diagnose: Sturz- und Knallkörperverletzungen sowie Alkoholvergiftungen. Obgleich die Feuerwehr seit Jahren warnt, waren der leichtsinnige Umgang mit Raketen und Böllern oder das Verwenden illegaler Feuerwerkskörper einmal mehr der Grund für zahlreiche Brandverletzungen. "Die Zahl der schweren Verletzungen durch Böller, die etwa eine Amputation erforderlich machten, ging glücklicherweise zurück", sagt Feuerwehrsprecher Hendrik Frese.

Ein 21-Jähriger erlitt indes schwerste Verbrennungen an Brust und Händen, nachdem er in Neugraben eine Rakete in der Hand gezündet hatte. Auch zwei Kinder wurden durch Feuerwerk verletzt: Ein siebenjähriges Kind wurde von einer Silvesterrakete in der Straße Am Sooren in den Rücken getroffen, zur gleichen Zeit erwischte ein Knallkörper ein gleichaltriges Kind am König-Heinrich-Weg am Oberschenkel. Während sie mit leichten Verletzungen davonkamen, schwebt ein fünf Jahre alter Junge noch immer in Lebensgefahr. Er war gegen 1.30 Uhr plötzlich vom Gehweg auf die Geffckenstraße (Eppendorf) gelaufen und wurde von einem Golf erfasst. Der 45 Jahre alte Fahrer hatte noch eine Vollbremsung gemacht, konnte dem Jungen aber nicht mehr ausweichen. Der Fünfjährige erlitt schwerste Kopf- und Beinverletzungen, musste notoperiert werden.

Die Polizei registrierte fast 3000 Einsätze. Wie in jedem Jahr ließen auch am Montag wieder Randalierer mit Böllern und Raketen ihrem Zerstörungstrieb freien Lauf. Am Öjendorfer Weg und am Rahlstedter Weg explodierten Briefkästen, zwei Männer, 27 und 22, wurden nach Feuerwerk-Anschlägen auf Bushaltestellen vorläufig festgenommen. An der Stresemannstraße wurde ein 16-Jähriger bei einem Streit mit zwei Männern durch Messerstiche leicht verletzt. Er konnte die Klinik bereits wieder verlassen.

Auch die Stadtreinigung hatte alle Hände voll zu tun. 56 Mitarbeiter waren von 3 Uhr morgens an beim traditionellen Kehraus im Einsatz. An den Party-Punkten wie den Landungsbrücken, Reeperbahn und Fischmarkt entfernten sie rund 30 Tonnen Silvesterabfälle von Straßen und Gehwegen. In den kommenden Tagen wird die Stadt von den übrigen Hinterlassenschaften gesäubert. Aber es gibt Ausnahmen. "Dort, wo Anlieger keine Gehwegreinigungsgebühren bezahlen, sind sie selbst für die Entfernung von Böllerresten und Abfällen verantwortlich, auch wenn sie nicht die Verursacher der Verschmutzung sind", so die Stadtreinigung.

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